Kalenderblatt dw.com
 
22.9.1980: Iran-Irak-Krieg beginnt
Audio
Erst 20 Monate sind es her, dass der Schah den Iran verlassen hat. Ayatollah Khomeini ist aus dem Pariser Exil zurückgekehrt, und im Land ist die "Islamische Republik" ausgerufen worden. Anhänger des alten Regimes werden verfolgt, das neue klerikale Mullah-Regime hat sich noch nicht richtig etabliert, da greifen am 22. September 1980 plötzlich Formationen irakischer MIG 21 und MIG 23 iranische Luftwaffenbasen bei Teheran und mindestens acht anderen Gegenden in allen Teilen des Iran an. Sie richten nur Schaden an den Runways an, die meisten iranischen Kampfbomber bleiben intakt und fliegen wenig später Gegenangriffe innerhalb des Irak.

Diese Gegenangriffe können aber nicht verhindern, dass irakische Einheiten an mehreren Punkten der gemeinsamen Grenze in den Iran vorstoßen: Binnen kürzester Zeit haben sie ein Gebiet von tausend Quadratkilometer Größe erobert, und der iranische Widerstand ist zunächst nicht sonderlich ernst zu nehmen. Abertausende von Iranern fliehen, besonders aus der südlichen Provinz Khuzistan, einem Hauptziel der Invasion.

Die iranische Journalistin Mehri Shantiai stammt von dort: "Sie haben die ganzen Sachen, die sie hatten, da zurückgelassen. Die haben das ganze Gold, Geld, alles was sie hatten, zurückgelassen und wollten nur sich retten. Und ihre Familien und ihre Kinder (...)"

Der irakische Führer Saddam Hussein hatte in den zurückliegenden Monaten zwölf Divisionen aufgestellt, 190.000 Mann stark, die mit den modernsten sowjetischen Waffen ausgerüstet waren, darunter über 2000 Panzer und 450 Kampfflugzeuge. Saddam ist deswegen siegesgewiss, als er den Angriff befiehlt. Umso mehr, als die iranischen Streitkräfte schwer unter den Folgen der Revolution gelitten haben:

Wichtige Offiziere sind geflohen, inhaftiert oder hingerichtet und Ersatzteile fehlen. So denkt Saddam, dass er mit Leichtigkeit eine Vereinbarung revidieren kann, in der der Irak 1975 dem Iran die Kontrolle über eine Hälfte des Shatt-el-Arab zugestanden hatte. Jetzt will Saddam sich diesen Wasserweg zwischen Euphrat, Tigris und dem Persischen Golf zurückholen. Außerdem will er die Ölquellen in der Provinz Khuzestan erobern, und er ist überzeugt, dass die arabische Minderheit in dieser Provinz sich auf seine Seite schlagen wird.

Nichts dergleichen geschieht. Zwar erobert der Irak einen Teil der Provinz, die er in "Arabistan" umbenennt, die Solidarität der drei Millionen Araber dort aber bleibt aus. Die iranische Armee entwickelt ungeahnten Widerstandsgeist, und es entwickelt sich ein acht Jahre langer Krieg, der mindestens 1,5 Millionen Tote fordert und beide Länder um Jahre, wenn nicht Jahrzehnte zurückwirft.

Innerhalb weniger Wochen hat Teheran über 200.000 Soldaten mobilisiert, die sich dem Angreifer entgegenwerfen. Unter ihnen zahllose Jugendliche und Kinder. Was ihnen an Ausbildung fehlt, machen sie durch Entschlossenheit wett. Aber es dauert bis Anfang 1982, dass es gelingt, den Irakern erste schwere Niederlagen zuzufügen. Die Kämpfe ziehen sich dennoch hin.

1985 beginnt der Irak, zivile Ziele im Iran zu bombardieren, darunter besonders Teheran. Zuerst mit Flugzeugen, dann mit Raketen. Und in den Städten gibt es keinen zuverläßigen Schutz gegen solche Angriffe:

Zitat: "Wir sind zum Beispiel von Teheran etwa eine Stunde gefahren und neben einem Fluss, da gab es viele Stellen, wo man übernachten konnte. Viele Familien sind dahin gekommen. Das war wie ein Picknick, aber ein schreckliches Picknick."

Der iranische Führer Ayatollah Khomeini lehnt eine Beendigung der Kämpfe ab. Mit bis zu 500.000 Kindersoldaten im Einsatz gelingt es ihm, den Krieg ins Nachbarland hineinzutragen. Wenn Bagdad nicht auch rücksichtslosen Gebrauch von chemischen Waffen gemacht hätte, deren Technologie es aus den USA bezog, dann hätte der Iran den Krieg vielleicht für sich entscheiden können. So aber - und weil geheime Waffen- und Ersatzteillieferungen an den Iran und auch aus den USA nicht ausreichten - bleibt es bei jahrelangem Stellungskrieg ohne große Verschiebungen.

Am 20. August 1988 kommt es endlich zum Waffenstillstand, einen Friedensvertrag haben beide Länder, die längst wieder Botschafter ausgetauscht haben, aber nicht geschlossen. Es kommt immer wieder zu neuen Spannungen, auch über die Frage der Kriegsgefangenen, von denen auch Jahre nach dem Krieg nicht alle in ihre Heimat zurückgekehrt sind.

Autor: Peter Philipp
   
Audio
Zitat des Tages
    
Zitat des Tages
Regieren ist die Kunst, Probleme zu schaffen, mit deren Lösung man das Volk in Atem hält.
  > Ezra Pound
> RSS Feed
  > Hilfe
Wie heißt der letzte Film von Louis Malle?
  "Verhängnis"
  "Vanya auf der 42. Straße"
  "Eine Komödie im Mai"