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18.9.1851: "New York Times" gegründet
In den USA gibt es rund 1700 Tageszeitungen, wobei es für deutsche Verhältnisse überraschend klingen dürfte, dass es eine im ganzen Land erhältliche Zeitung erst seit 1975 gibt. Das Wirtschaftsmagazin "Wall Street Journal" nutzte als erstes die Möglichkeiten moderner Satellitentechnik zur Datenübermittlung.

Seit 1980 wird auch die "New York Times" in einer reduzierten Version im Westen und im Süden der USA vertrieben. Die Geschichte der Times, mit über einer Million gedruckten Exemplaren eins der auflagenstärksten Blätter in den Vereinigten Staaten, begann Mitte des vergangenen Jahrhunderts.

Am 18. September 1851 erschien die erste Ausgabe der "New York Daily Times", wie sie damals hieß. Gegründet wurde das Blatt von Henry Jarvis Raymond und George Jones. Hergestellt wurden die zunächst gerade einmal vier Seiten in einem fensterlosen Lagerhaus in Manhattan.

Mit Erfolg sprach man vor allem die Leser an, die sich für sachliche Informationen interessierten. Als die Herausgeber sich jedoch 1884 hinter den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Grover Cleveland stellten, verlor die Times die Unterstützung der Republikaner, denen sie seit ihrer Gründung nahegestanden hatte. Die Auflage fiel auf gerade einmal 9000, und das Blatt stand vor dem Bankrott.

Rettung kam 1896 in der Person von Adolph S. Ochs, einem jungen Zeitungsmann deutscher Abstammung. Er kaufte die "New York Times" und legte als Herausgeber bis zu seinem Tod 1935 die Grundlagen für das heutige Selbstverständnis der Zeitung unter dem noch immer gültigen Motto: "All the News that's Fit to Print", was in etwa meint, "alle Nachrichten, die man drucken kann, finden sich in der New York Times". Seine Prinzipien legte Ochs, dessen Familie die Geschicke des Blattes noch heute lenkt, in seinem Testament noch einmal fest:

Ochs: "Die Times soll als unabhängige Zeitung geführt werden, nur dem öffentlichen Wohl verpflichtet, ohne Rücksicht auf individuelle Vorteile oder Ambitionen, Forderungen politischer Parteien oder persönliche Vorurteile oder Vorlieben."

In ihrer Geschichte konnte die "New York Times" ihre Unabhängigkeit des öfteren beweisen. 1871 deckten Reporter der Zeitung zahlreiche Fälle von Korruption in der Stadt auf. Trotz Anzeigenboykott, persönlichen Drohungen und Schmiergeldangeboten wurde die Geschichte abgedruckt. Sie führte zum Rücktritt der unter dem Namen "Tweed Ring" bekannten Gruppe von Politikern.

1971 trotzte die Times der Nixon-Regierung, als sie, wie auch die Washington Post, geheime Dokumente zum Vietnamkrieg abdruckte, die heute unter dem Namen Pentagon Papers bekannt sind.

Nicht nur die wirtschaftliche Rezession im Land stürzte die "New York Times" Anfang der neunziger Jahre in eine Krise. Damals begann das Internet die Nachrichtenübermittlung zu revolutionieren, und die aktuelle Berichterstattung in verschiedenen Kabelfernsehstationen führte dazu, dass immer häufiger die Schlagzeilen der "New York Times" ihren Lesern schon aus anderen Quellen bekannt waren.

Angesichts der Tatsache, dass nur noch zehn Prozent der Geschichten in der Times exklusiv waren, gab Verleger Arthur Sulzberger Jr. die Parole aus, mit besseren Hintergrundgeschichten neue Leserschaften anzuziehen. Doch so bunt, unterhaltsam und verbraucherfreundlich das Blatt auch gestaltet wurde, lasen immer weniger Menschen überhaupt eine Zeitung.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, ist auch die alt-ehrwürdige "New York Times" seit 1996 online, und seit 1999 ist man verstärkt den Teenager-Trends mit einem bunten Jugendmagazin, der "New York Times Upfront", auf der Spur.

Angesichts der redaktionellen Ausrichtung der drei anderen großen New Yorker Tageszeitungen, der Boulevardblättern "Daily News", "New York Newsday" und "New York Post", die ihr Publikum mit einer Mischung aus Sex & Crime und der vereinfachten Darstellung der politischen Verhältnisse ansprechen, hat es die "New York Times" einfach, sich als weltoffenes Blatt zu geben. Wobei angesichts bestehender politischer und wirtschaftlicher Abhängigkeiten auch bei der Times schon einmal gegen journalistische Grundregeln verstoßen wird.

Autor: Michael Kleff
   
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