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3.9.1971: Viermächte-Abkommen Berlin
Der Sommer des Jahres 1971 war heiß: Für eine rund 25-köpfige Gruppe war es auch einer der schwierigsten, aber auch ertragreichsten Sommer ihres Lebens, für die 25 Diplomaten, die beauftragt waren, das Vier-Mächte-Abkommen für Berlin auszuhandeln.

Wie war die Situation vor der Berlin-Regelung: Der Bau der Mauer und die Anordnung der DDR vom 22. August 1961 hatten den Westberlinern Besuche im Ostteil der Stadt unmöglich gemacht. Die Passierscheinvereinbarungen von 1962 und 1966 hatten Besuchsmöglichkeiten nur vorübergehend und nur für einen Teil der Bevölkerung geschaffen. Die Folge dieser Entwicklung war für die Metropole fatal: Immer mehr und immer weiter wurde West-Berlin vom internationalem Austausch abgeschnitten.

Mit dem Regierungswechsel 1969 begann eine neue Ära der Ostpolitik. Der sozialdemokratische Bundeskanzler Willy Brandt war ein hartnäckiger Vertreter einer entspannten Ost-West-Politik. Er hielt am 3. September 1971 anlässlich der Unterzeichnung des Viermächte-Abkommens über alle Rundfunk- und Fernsehanstalten mit bewegten Worten eine Ansprache:

Willy Brandt: "Liebe Landsleute! Viele von Ihnen werden nach der eigentlichen Bedeutung des Abkommens fragen, das heute in Berlin unterschrieben wurde. Nun ich meine, die eigentliche Bedeutung liegt darin, dass es in Zukunft keine Berlin-Krisen mehr geben soll, das wäre viel nach all den Jahren der Unsicherheit. Und ich meine weiter, dass die beteiligten Mächte ihr Interesse am Abbau von Spannungen deutlich bekundet haben. Wenn das so ist, dann muss es möglich sein, in anderen Bereichen Ergebnisse zu erzielen, die der Zusammenarbeit und dem Frieden zu Gute kommen."

Es galt als dramatischer Fortschritt, dass nun über die Autobahn Helmstedt freier Zugang nach Berlin erreicht wurde oder ein Arrangement für Besuche in Ost-Berlin gefunden wurde. Wandel durch Annäherung lautete die Devise und war auch die Grundlage des Berlin-Vertrages, den die Botschafter der vier Siegermächte unterzeichneten, mit dem die Lage in und um Berlin verbessert und somit ein stabilisierender Faktor in Zentraleuropa geschaffen werden sollte.

Was erhofften sich die Politiker und damit auch die Westberliner von dem Vertrag?

"Zunächst einmal haben wir den Status von Berlin nicht verändert, es bleibt also bei der obersten Verantwortung der Westmächte für Westberlin. Zum anderen wird die Zusammengehörigkeit Westberlins und der DDR nicht mehr umstritten sein. Hinzu kommt die störfreie Regelung auf den Zufahrtswegen. Es bleibt dabei, dass Westberlin durch die Bundesrepublik nach außen vertreten wird, in Zukunft aber auch im Osten. Die Westberliner werden die DDR und den Ostteil der Stadt besuchen können. Und nicht zuletzt, sie werden in Sicherheit leben und arbeiten können - das ist nicht wenig."

Das Berlin-Abkommen etablierte eine Grundlage für die Kooperation zwischen Ost und West. Es brachte auch wichtige Fortschritte für das Leben normaler Menschen in beiden Teilen Berlins.

Dennoch war es schlussendlich ein Abkommen, das auf dem inhumanen und gefährlichen Status quo basierte. Europa blieb geteilt zwischen einem demokratischen Westen und einen autoritären Osten. In dieser Phase erwartete keiner, dass die Mauer verschwindet, aber der Wunsch nach Abmilderung galt für die damalige Ostpolitik als wichtigste Aufgabe.

Das Ziel Willy Brandts war aber die Suche nach einem dauerhaften dem Frieden in Europa. Die Zeit des Kalten Krieges, die Zeit des gegenseitigen Misstrauens, sollte endlich der Vergangenheit angehören. Vertrauen haben und schaffen lautete die Devise der damaligen Bonner Regierung:

"Die Berlin-Vereinbarung kann nicht losgelöst von unserem Verhältnis zur Sowjetunion und zu den osteuropäischen Staaten betrachtet werden. Auch hierauf muss ich aus meiner Kenntnis der Zusammenhänge hinweisen. Die Freundschaft mit dem Westen und die Verständigung mit dem Osten ergänzen einander. Beides gehört zusammen, damit wir gerade auch im eigenen deutschen Interesse zu weiteren Erfolgen kommen für den Frieden in Europa."

Autorin: Doris Bulau
   
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