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2.9.1945: Japan kapituliert
Kaiser Hirohito: "Der Feind hat begonnen, eine neue und äußerst grausame Bombe einzusetzen, die viele unschuldige Menschen tötet und deren Zerstörungskraft unberechenbar ist. Wenn wir weiterkämpfen würden, würde dies nicht nur den Zusammenbruch und Vernichtung der japanischen Nation bedeuten, es würde auch zur vollkommenen Auslöschung der menschlichen Zivilisation führen."

Worte aus dem Munde des japanischen Kaisers Hirohito, gesprochen nur wenige Tage nach Abwurf der beiden Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki. Damit hatten die Alliierten den Zweiten Weltkrieg auch in Asien und im Pazifik gewonnen. Am 2. September 1945 kapitulierte das kaiserliche Japan.

"Wir haben ein Spiel gewonnen", kommentierte US-Präsident Harry S. Truman den atomaren Erstschlag kurz nach Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde auf dem Schlachtschiff "Missouri".

Bis dahin war das Kaiserreich als aggressive Kolonialmacht aufgetreten: 1937 wurde China überfallen, am 7. Dezember 1941 der US-amerikanische Flottenstützpunkt Pearl Harbor. Ein halbes Jahr später hatte Japan den größten Teil der südwestpazifischen Inselwelt okkupiert - ein riesiges Gebiet mit enormen Rohstofflagern, das sich bis an die Grenze Indiens und Australiens erstreckte.

Die dafür notwendige Rückendeckung erhielt Japan durch den Abschluss des Dreimächtepaktes 1940 mit Deutschland und Italien und des Nichtangriffpaktes mit der UdSSR 1941.

Die militärische Wende vollzog sich in der Seeschlacht um Midway Mitte 1942 - mit dem Ergebnis, dass Japan seine Luftüberlegenheit und damit seine Seeherrschaft einbüßte. Trotz der hoffnungslosen Lage nahm der fanatische Widerstand zu, je näher die Alliierten den japanischen Hauptinseln kamen.

Die Atombombenabwürfe im August 1945 und die sowjetische Kriegserklärung an Japan veranlassten Kaiser Hirohito schließlich, von seiner Regierung die bedingungslose Beendigung des Krieges zu fordern - gegen den entschiedenen Widerstand führender Militärs und Politiker.

Bis heute gibt es Zweifel an der militärischen Notwendigkeit des Atombombeneinsatzes. Obwohl viele US-Amerikaner noch immer glauben, er sei gerade deshalb gewesen, um die Kapitulation Japans zu erzwingen und den Tod annähernd einer Million US-amerikanischer Soldaten zu verhindern. Ganz anders dagegen der renommierte Historiker und ehemalige Mitarbeiter des US-Außenministeriums Gar Alperovitz:

"Ich glaube, der Präsident wusste genau, dass er andere Möglichkeiten hatte, den Krieg vielleicht sogar schneller zu beenden. Deshalb kann man nicht sagen, die Atombombe habe Leben gerettet oder dies war das Motiv für ihren Einsatz. Tatsächlich aber muss man sagen, indem er die Bombe einsetzte, hat der Präsident wahrscheinlich sogar das Leben von Amerikanern geopfert. Und das ist ein sehr schockierender Aspekt."

Nur zögernd distanzieren sich die Japaner von ihrer eigenen Okkupationspolitik. Erst im Jahr 2000 entschuldigte sich der sozialdemokratische Premierminister Hosokawa für die Greueltaten während des Zweiten Weltkriegs. Noch immer werden die Hauptkriegsverbrecher in Schulbüchern als Märtyrer dargestellt. Von einem echten Schuldeingeständnis - keine Spur.

Der niederländische Publizist Ian Buruma sprach davon, die Atombomben hätten Japan in eine Nation von Opfern verwandelt.

Gar Alperovitz: "Buruma hat in gewisser Weise Recht damit, dass die Bomben es den Japanern ermöglichten, sich als Opfer zu sehen. Aber sie waren es ja auch tatsächlich, denn ein Großteil der amerikanischen Militärführung meinte ja, dass die Bombardierung Hiroshimas und Nagasakis nicht notwendig war. (...) Und in diesem Sinne haben die Japaner ein Recht dazu, sich als Opfer dieser Politik zu sehen."

In China setzten die Japaner während des Krieges Giftgas ein. 300.000 Zivilisten wurden in Nanking auf grausamste Weise getötet, chinesische und koreanische Frauen zur Prostitution gezwungen. In der Mandschurei stellte die berüchtigte Einheit 713 bakteriologische Experimente mit Menschen an.

Ermutigt von den Klagen ehemaliger Zwangsarbeiter in Deutschland, verlangen nun auch frühere Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus Korea, von japanischen Firmen vor Gericht Entschädigung für das während des Krieges erfahrene Leid.

Autor: Michael Marek
   
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