Kalenderblatt dw.com
 
24.8.1987: Erster Windenergiepark in Deutschland
Energie aus Wind - ein uraltes Prinzip. Schon die Perser ließen vor mehr als 3000 Jahren den Wind für sich arbeiten. Die Holländer waren es, die die importierte Technik verbesserten. Mit dem kleinen Seitenrad am Heck erreichten sie, dass sich die Mühlen automatisch in die wechselnden Windrichtungen drehten und nicht mehr mit Muskelkraft nachgeführt werden mussten. Eine technische Revolution!

Als in den 1980ger Jahren die ersten Windkraftanlagen entwickelt und aufgebaut wurden, blickte die Menschheit schon auf einige Jahrtausende der Windnutzung zurück. Zu Beginn der Industrialisierung hatten die Windmühlen zwar vorübergehend an Bedeutung verloren. Doch in den 1970iger Jahren - während der Energiekrisen - erinnerte man sich wieder an den Wind und die Renaissance der Mühlen begann.

Die erste große Windkraftanlage hieß Growian. Sie stand im Kaiser-Wilhelm-Koog an der Westküste Schleswig-Holsteins und setzte einen Wendepunkt in der technischen Entwicklung. Sie markierte den Willen der Wissenschaft und Technik, auf umweltfreundlichere Energieformen zu setzen.

Auch wenn Growian nur wenige Jahre nach seiner Inbetriebnahme an seiner eigenen Masse zugrunde ging: Der 100 Meter hohe Mast, auf dessen Spitze ein 340 Tonnen schweres Maschinenhaus mit zwei riesigen Rotorblättern im Sturm schwankte, war der Belastung nicht gewachsen.

Aber dafür wurde am 24. August 1987 am Kaiser-Wilhelm Koog an der schleswig-holsteinischen Westküste der erste deutsche Windenergiepark eingeweiht: 30 Stahlbeton-Riesen verwandelten hier Wind in elektrischen Strom, betrieben wurde und wird der Propeller-Parcours vor allem vom Schleswig-Holsteinischen Energieversorger Schleswag, der in einem Dokumentationszentrum ausgiebig über die Geschichte des Windparks informiert.

Zitat: "Windenergiepark Westküste (...) Vor Ihnen ein Schaufenster, so groß wie 14 Fußballfelder - ein Schaufenster wirtschaftlicher und technischer Innovationen zum Thema Wind und Windenergie. Unterschiedlichste Windkraftanlagen mit Leistungen von 25 bis zehn Kilowatt jagen hier - im wahrsten Sinne des Wortes - dem Wind seine Energie ab. Der Standort wurde bewusst gewählt, ist doch der Kaiser-Wilhelm-Koog eines der windreichsten Gebiete der Bundesrepublik Deutschlands."

Die Eröffnung des Windenergieparks Westküste war der Beginn eines wahren Windenergie-Booms. Windräder schossen wie die Pilze aus deutschem Boden. (Schon war von einer Verspargelung der Landschaft die Rede). Bereits im Rekordjahr 1995 installierten die Windmüller in der Bundesrepublik mehr Turbinen als in jedem anderen Land der Welt. Damals waren es etwa 3500 Windkrafträder; heute drehen sich bundesweit fast 8000 Windturbinen - sie decken etwa zwei Prozent des deutschen Stromverbrauchs.

Allerdings sind Windkraftanlagen nicht unumstritten. Etliche Anwohner haben sich dem Kampf gegen die Windmühlen verschrieben, weil sie sich durch den Lärm der Rotoren gestört fühlen. Und ein Nachteil der Windenergie liegt klar auf der Hand: Sie ist nicht planbar. Niemand kann vorhersagen, wann und wo die Windenergieanlagen wie viel Strom erzeugen.


Arndt Hellmann von der Schleswag glaubt deshalb nicht, dass man mit Windenergie eines Tages andere Kraftwerke vollständig ersetzen kann. Er ist davon überzeugt, dass sie, wenn überhaupt, "immer nur ein kleiner Baustein in einem großen Energiemix bleiben wird. Wenn wir in die USA schauen und dort gucken, was mit der Windenergie passiert ist, nachdem die Subvention ausgelaufen ist, dort stehen jetzt die ganzen Spargel an der Westküste Kaliforniens auf den Hügeln, keiner kümmert sich mehr darum; die rosten vor sich hin. Also das möchte ich nun nicht gerade auf Deutschland übertragen, aber es wird ein baldiges Ende geben, was den Ausbau anbelangt. Es sei denn ungeahnte technische Fortschritte werden noch gehoben; aber ich kann mir das noch nicht vorstellen."

Im Bundeswirtschaftsministerium zum Beispiel sieht man das anders. Fachleute dort gehen davon aus, dass mit Windenergie in den kommenden Jahren bis zu 15 Prozent des deutschen Strombedarfs gedeckt werden könnten.

Autorin: Klaudia Pape
   
Zitat des Tages
    
Zitat des Tages
Das Paradies habe ich mir immer als eine Art Bibliothek vorgestellt.
  > Jorge Luis Borges
> RSS Feed
  > Hilfe
In welchem Jahr wurde das verschüttete Pompeji wiederentdeckt?
  1903
  1829
  1748