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23.8.1887: "Made in" als Markenzeichen
"Mein Unternehmen selber macht 90 Prozent der Umsätze im Ausland. Immer wieder stoßen wir auf die Tatsache, dass die Produkte mit 'Made in Germany' in vielen Ländern Vorteile genießen - aufgrund der Tatsache, dass 'Made in Germany' mit hoher Qualität und hoher Zuverlässigkeit verbunden ist", stellt der damalige Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages, Hans-Peter Stihl, fest.

Mit dem "Merchandise Mout Act" führte Großbritannien 1887 erstmalig die Herkunftsbezeichnung für Waren zum Schutz der einheimischen Industrie ein. Ziel war es, die ausländische Konkurrenz auf dem Weltmarkt, der damals wesentlich von der britischen Kolonialindustrie beherrscht war, zu diskreditieren und die einheimische Industrie zu schützen.

Die Maßnahme richtete sich vor allem gegen die mächtig aufkommende Industrie des jungen Deutschen Reiches. Zunächst ging die Rechnung auch auf, denn die deutschen Fabrikate hatten damals den Ruf, billig aber auch schlecht zu sein. Die von England geforderte Kennzeichnung der Industrieprodukte führte tatsächlich dazu, dass deutsche Produkte auf den internationalen Märkten zunehmend schlechter abzusetzen waren.

Der Unternehmer Werner von Siemens erkannte als Erster, dass man die Exportfähigkeit nur dadurch herstellen konnte, indem man die deutsche Industrie in "Leistungen und Ansehen der fremden ebenbürtig" mache.

Und mit steigender Qualität stieg auch die Nachfrage nach deutschen Produkten. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte die Kennzeichnung deutscher Produkte auf ausländische Käufer dann wieder eine eher abschreckende Wirkung. Dies verstärkte sich noch während des so genannten Dritten Reiches und erst recht im Zweiten Weltkrieg.

Nach Kriegsende war es nicht zuletzt die Exportwirtschaft, die für das hoch gelobte deutsche Wirtschaftswunder sorgte. Das "Made in Germany" war endgültig zum Gütezeichen geworden. Nachkriegs-Deutschland war einerseits ein Billiglohn-Land, andererseits zeichneten sich seine Produkte durch Qualität, Präzision und Zuverlässigkeit aus. Das galt insbesondere für West-Deutschland, die spätere Bundesrepublik. Der VW-Käfer wurde weltweit das Aushängeschild für "Made in Germany", das Gleiche gilt bis heute auch für die Automarke Mercedes.

Anlässlich des 110-jährigen Bestehens des Bundespatentamtes bemerkte der damalige Ministerpräsident des Freistaates Bayern, Franz-Josef Strauß, in seinem Grußwort zur Einführung des "Made in ..." genüsslich: "Eine Formel, die geschaffen wurde, unsere Produkte zu diskreditieren, steht heute weltweit für Qualität!"

Gilt dies eigentlich noch heute, in Zeiten globalisierter Märkte? VW lässt Motoren in Tschechien, Mercedes einen Großteil seiner Antriebsaggregate in Ungarn produzieren. Teile des Airbus werden in vier verschiedenen Ländern hergestellt, Einzelkomponenten sogar weltweit eingebaut.

Macht es da noch einen Sinn, ein Produkt mit "Made in ..." zu kennzeichnen? Welches "Made in ..." müsste dann bei einem Airbus verwendet werden? Müsste es nicht eher heißen "Made by ..."?

Hans-Peter Stihl: "Made in Germany bedeutet eben eine insgesamt hohe Qualität der Produkte. Es bedeutet eine hohe Zuverlässigkeit der ganzen Struktur, bedeutet eine hohe Zuverlässigkeit bei Ersatzteilen, auch lange nachdem das Produkt ausgeliefert worden ist. Auch wir beziehen natürlich in zunehmendem Maße Komponenten aus dem Ausland. Aber es sind alles Firmen, die im Rahmen der bei uns geltenden Qualitätsrichtlinien sich als Lieferant qualifiziert haben."

Anders jedoch sieht dies der damalige Vorstandsvorsitzende von Daimler- Chrysler, Jürgen Schrempp. In der FAZ erklärte er kurz und knapp: "Leitlinie ist heute 'Made by Daimler' - nicht mehr das 'Made in Germany'."

Seit Jahren blüht das Geschäft mit der Produktfälschung. Gehobene Produkte und Erzeugnisse der Luxusklasse wie Parfums, Kleidung, Lederwaren, Elektronik oder auch Maschinen werden gefälscht und weltweit zu einem Spottpreis verkauft. Das geht soweit, dass die Fälscher in die Fälschung auch noch das "Made in ..." einarbeiten und sogar die Original-Produktnummer.

Macht da eigentlich das "Made in …" noch einen Sinn? Ist dies nicht eine Gefahr für den Hersteller? Dazu sagt der damalige DIHT-Präsident Hans-Peter Stihl gelassen: "Allerdings merkt der Kunde relativ schnell, dass die Qualität eben nicht identisch ist mit dem Original, denn die Lebensdauer solcher Maschinen ist - im Vergleich zum Original - erheblich kürzer."

Autor: Ewald Rose
   
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