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26.7.1882: Uraufführung von Parsifal
"Wein und Brot des letzten Mahles wandelt einst der Herr des Grales durch des Mitleids Liebesmacht in das Blut, das er vergoss, in den Leib, den dar erbracht."

Vor seiner Kreuzigung teilt Christus mit seinen Jüngern ein letztes Abendmahl. In dem Kelch, aus dem er trinkt, dem "Gral", werden später seine letzten Blutstropfen aufgefangen. Ein Soldat stößt dem Gekreuzigten einen Speer in die Seite. Ein Weib lacht.

"Des Heilands, ach, so spät, den einst ich kühn geschmäht."

Das Weib und den Soldaten trifft Gottes Fluch. Als Widergänger mit Namen Kundry und Klingsor durchwandern sie die Jahrhunderte. Ebenso Speer und Gral, die heiligsten Reliquien der Christenheit. Gehütet von einer geheimnisvollen Ritterschaft um König Amfortas. Klingsor raubt Amfortas den Speer und fügt ihm damit eine Wunde zu, die nicht mehr heilt.

"Oh Strafe, Strafe ohnegleichen, des - ach! - gekränkten Gnadenreichen."

Nur ein Mensch, der frei von Schuld ist, kann Amfortas erlösen. Fern von den Menschen ist der Knabe Parsifal aufgewachsen. Er ist ahnungslos und frei von Schuld und Bosheit. Aber die Erlösung gelingt ihm nicht gleich, erst muss er alle Seiten der menschlichen Seele erfahren und zu leben lernen. Als gereifter Mensch darf er Amfortas heilen und ihm auf den Thron folgen.

"Sei heil, entsündigt und gesühnt, denn ich verwalte nun Dein Amt."

Conlon: "Parsifal ist eine Oper, die kann man dirigieren und wiederdirigieren, die verliert nie ihre Macht zu überzeugen und zu berühren."

James Conlon ist erster Dirigent der Oper in Paris und Generalmusikdirektor der Oper in Köln. Häufig auf seinem Spielplan: "Parsifal" von Richard Wagner. Der entdeckt den Mythos bei Wolfram von Eschenbach. Er entwirft eine Opernskizze und schickt sie seinem großen Gönner, König Ludwig II. von Bayern. Der ist hingerissen und schreibt zurück:

Ludwig II.: "Oh Parsifal, wann wirst du geboren werden? Ich bete sie an, diese höchste Liebe, das Versenken, das Aufgehen in den qualvollen Leiden des Mitmenschen! Wie hat mich dieser Stoff ergriffen - ja, diese Kunst ist heilig, ist reinste, erhabenste Religion."

25 Jahre muss der König noch warten, bis Wagner mit dem Parsifal fertig ist. Wagner schafft in dieser Zeit ein Werk, das aufs tiefgründigste christliche Mythen mit abendländischer Philosophie und buddhistischer Wiedergeburtslehre verbindet. Und mit Wagners Lieblingsmotiv, der Erlösung durch Liebe. Wagner schreibt den Text zur Oper selber. So schafft er ein Gesamtkunstwerk aus Sprache und Musik.

"Das ist eine Musik, die ist so geistlichreich, so tief, so weitgehend, das ist ein Moment, da möchte ich in die Ewigkeit gehen." Die Uraufführung des "Parsifal" findet in Wagners Festspielhaus in Bayreuth statt, der Meister selber führt Regie. Die Oper wird vom Publikum begeistert aufgenommen.

Ein Kritiker schreibt: "Und welcher Reichtum an glänzenden szenischen Bildern, an neuen Effekten breitet sich im Parsifal aus! Und glänzender als irgendwo muss dies alles in dem ideal konstruierten Theater von Bayreuth unter der unausgesetzten Anleitung Richard Wagners, dieses ersten Regisseurs der Welt, zusammenwirken."

Parsifal wird Richard Wagners letzte Oper sein, die Arbeit daran hat ihn völlig ausgelaugt. Nur wenige Monate nach der Uraufführung stirbt er an Herzversagen.

Autorin: Catrin Möderler
   
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