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19.7.1900: Metro wird eröffnet
Untergrundbahn, Arbeiten, Pennen. Es wäre schade, wenn der Pariser Alltag nur aus diesem Dreiklang bestände. Doch soviel ist richtig, im Leben eines jeden Bewohners von Paris spielt die "chemin de fer métropolitain", kurz die Metro, eine entscheidende Rolle.

Täglich von morgens bis nach Mitternacht sorgt die Pariser Untergrundbahn für einen zügigen Transport von A nach B. 16 Linien auf einer Gesamtstreckenlänge von 214 km gibt es mittlerweile, davon die meisten unter Tage. Die Metrotunnel durchlöchern die Pariser Unterwelt wie einen Schweizer Käse, fast jeder Winkel in Paris ist dadurch leicht zu erreichen.

Die Lösung von Transportproblemen

Das war jedoch nicht immer so. Mit ganzen acht Stationen der Linie 1 startete die Pariser Untergrundbahn am 19. Juli 1900. Die Linie 1 verbindet den Pariser Osten mit dem Pariser Westen: Porte de Vincennes bis Porte Maillot. Fast zwei Jahre dauerten die Bauarbeiten, gegraben wurde nah an der Oberfläche, um die Kosten zu senken. In einigen Straßen wie in der Rue Saint Antoine klafften daher tiefe Löcher in den Boden, es war einfacher, direkt von oben die Metroschächte auszuheben. Riesige Holzgerüste dienten der Befestigung der später unterirdischen Tunnelanlagen. Gerade noch rechtzeitig zur Weltausstellung wurde die Metrolinie 1 fertig.

Die Idee einer Pariser Untergrundbahn gab es schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts als Lösung der wachsenden Transportprobleme in der französischen Hauptstadt. Es war schließlich die Weltausstellung 1900, die den Stein ins Rollen brachte und die Planungen in Gang setzte. Am 19. Juli 1900 war es dann so weit.

Bereits kurz nach der Öffnung der ersten Metrolinie benutzten rund 130.000 Fahrgäste täglich die Metro. Heute sind es pro Tag mehrere Millionen. Um den großen Ansturm zu bewältigen, fahren die Untergrundbahnen im drei bis fünf Minutentakt.

Modern und schnell

Die ersten Metrozüge bestanden aus drei Holzwaggons mit damals noch unterschiedlichem Inventar für die erste und zweite Klasse: Ledersitze für die erste, Holzbänke für die zweite. Erst als es 1903 eine fatale Brandkatastrophe mit vielen Toten und Verletzen gab, wurde auf leicht entzündliche Materialien wie Holz verzichtet. Die Waggons bestehen seither aus Leichtmetall und Kunststoff.

Zwar ist die Geräuschkulisse immer dieselbe in den Pariser Metrostationen, jedoch ist jede Station anders gestaltet. Mal wird der Bahnsteig in eine Art Museum mit Ausstellungsvitrinen verwandelt wie in Louvre-Rivoli oder Saint Paul, mal ist die Station bunt angemalt wie in Cluny - La Sorbonne. In anderen Metrostationen wiederum schallt Musik aus Lautsprechern oder werden auf Monitoren kurze Filme gezeigt, wie in der Station Europe.

Nach zehn Jahren Neubau wurde im Herbst 1998 die modernste und schnellste Metrolinie, die Paris zu bieten hat, eingeweiht: Die Nummer 14. Mit 40 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit fährt sie doppelt so schnell wie die herkömmlichen Linien. Es ist vor allen Dingen die erste Metro weltweit, die keinen Fahrer braucht, sondern vollkommen automatisch und beinahe lautlos fährt. Dicke Glaswände und Türen schirmen die Fahrgäste von den Gleisen ab. Erst wenn eine Bahn einfährt, öffnen sich die schweren Glastüren gleichzeitig mit den Türen der Metro. Kontakt zur Außenwelt ermöglichen Lautsprechanlagen in den Waggons und auf dem Bahnsteig.

Ist das die Metro des 21. Jahrhunderts? Das werden wir wohl erst wissen, wenn die Metro ihren 200. Geburtstag im Jahr 2100 feiert.



Autorin: Anja Fähnle
   
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