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9.7.1922: "Tarzan" schwimmt Weltrekord
Er war Tarzan. Als der Mann aus dem Dschungel mit dem legendären Schrei wird Johnny Weissmüller in Erinnerung bleiben. Dabei hatte der gebürtige Siebenbürger Sachse, dessen Eltern kurz nach seiner Geburt in die USA ausgewandert waren, bereits vor seiner Filmkarriere als Schwimmer Weltruhm erlangt.

Weltrekordler über 100 Meter Freistil ist Weissmüller bereits, als er am 9. Juli 1922 in das Becken in Alameda in Kalifornien eintaucht, um die magische Marke von einer Minute zu unterbieten. Die Uhr bleibt bei 58,6 Sekunden stehen, eine sensationelle Bestzeit. Auch 1924 bei den Olympischen Spielen in Paris bleibt Weissmüller unter einer Minute.

Mit drei Goldmedaillen ist er der zweiterfolgreichste Athlet hinter der Läuferlegende Paavo Nurmi aus Finnland. Vier Jahre später in Amsterdam gewinnt Weissmüller zwei weitere Goldmedaillen. Zehn Jahre lang, bis zum Ende seiner Amateurkarriere im Jahr 1929, bleibt der US-Amerikaner auf den Freistil-Distanzen zwischen 50 yards und einer halben Meile ungeschlagen. 67 Weltbestzeiten finden sich unter seinem Namen in den Rekordlisten.

Von 1932 an ist Johnny Weissmüller vor allem Tarzan. Angeblich hat ein Drehbuchautor der mächtigen Filmgesellschaft MGM den 1,95 Meter großen und 100 Kilogramm schweren Modellathleten in einem Hotelpool in Hollywood schwimmen gesehen und für die Rolle vorgeschlagen.

Mit Maureen O'Sullivan als Jane bildet Weissmüller das klassische Dschungelpaar: MGM zahlt der Frau des Ex-Schwimmers 10.000 Dollar für die Scheidung, als Single lässt sich Weissmüller besser vermarkten. Johnnys Tarzanschrei geht um die Welt.

Weissmüller erzählt später, er habe sich dabei vom deutschen Jodeln inspirieren lassen. Angeblich rettet der Tarzanschrei ihm einmal sogar das Leben. 1959 während der kubanischen Revolution - so die Legende - wird Weissmüller mit einigen Golffreunden von bewaffneten Anhängern Fidel Castros umringt. Geistesgegenwärtig lässt er seien berühmten Schrei ertönen. Die Revolutionäre erkennen ihn sofort und eskortieren daraufhin die Gruppe in sicheres Gebiet.

Für insgesamt zwölf Tarzanfilme bindet sich Weissmüller den Lendenschurz um. Anschließend folgen noch 16 Jungle-Jim-Streifen mit einer ähnlich angelegten Hauptrolle. 1955 endet Weissmüllers Filmkarriere.

In Deutschland bleibt der Auftritt Weissmüllers 1971 im Aktuellen Sportstudio unvergessen. Sheeta, ein Schimpanse, den sich das ZDF für die Sendung vom Duisburger Zoo ausgeliehen hat, reißt Weissmüllers sechster Ehefrau Maria die Perücke vom Kopf.

Privat hat Weissmüller weniger zu lachen: Gescheiterte Ehen, Anklagen wegen säumiger Zahlung von Alimenten, geschäftliche Flops und als Folge immer wieder finanzielle Schwierigkeiten. Auch die Gesundheit macht nicht mehr mit. Nach mehreren Schlaganfällen in den letzten Lebensjahren verfällt Weissmüller immer häufiger in geistige Umnachtung. Fast pausenlos lässt er in solchen Phasen den Tarzanschrei los.

Am 20. Januar 1984 stirbt er im Alter von 79 Jahren. Auf seinem Grabstein in Acapulco in Mexico stehen nur drei Worte: Johnny Weissmüller, Tarzan.

Autor: Stefan Nestler
   
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