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20.6.1963: "Heißer Draht" Washington-Moskau
Man schrieb das Jahr 1962. Sowjetische Raketen waren auf dem Weg nach Kuba und US-Präsident Kennedy drohte mit den US-amerikanischen Atomwaffen. Die Welt stand kurz vor einer nuklearen Auseinandersetzung.

In jenen Tagen dramatischer Spannung zwischen den damaligen Supermächten USA und Sowjetunion dauerte es bis zu 18 Stunden, bis Nachrichten die Strecke zwischen dem Kreml und dem Weißen Haus zurückgelegt hatten, immer wieder auf dem Umweg über die jeweiligen Botschaften.

Für den damaligen US Präsidenten Kennedy ein unhaltbarer Zustand. Weniger als ein Jahr später hatte er Abhilfe geschaffen: Beim Abrüstungsgipfel der Supermächte im Juni 1963 wurde - es war der einzige greifbare Erfolg dieses Treffens - die Einrichtung einer ständigen Fernschreibverbindung zwischen Washington und Moskau vereinbart.

Damals analysierte Professor Erhard Forndran die Situation in einem Gespräch mit der Deutschen Welle: "In der Krise war es oft so, dass man zum Teil auf Rundfunkbotschaften reagiert hat und nicht mehr offiziell die Texte des anderen hatte, weil der Zeitdruck zu groß wurde. Damit das alles besser wurde hat man sozusagen die Erfahrungen aus der Krise genutzt, um dann die Kommunikationswege zu verbessern. Man hat daraus geschlossen, dass die Militärs nicht allein entscheiden dürfen, dass die politische Entscheidung wichtig bleiben muss. Und dass die Politiker da sicher sein müssen."

Über zwei verschiedene Kabel konnten der US-Präsident und der sowjetische Staats- und Parteichef fortan schnell und ungestört schriftliche Botschaften austauschen. So sollten Krisen verhindert, katastrophale Missverständnisse vermieden werden.

Originalton deutscher Rundfunkreportage, 1967: "(...) an der israelischen Südfront schwere Kämpfe im Gange sind."

Als das Radio die ersten Meldungen vom Ausbruch des Sechs-Tage-Krieges zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn nach Deutschland trug, lief der heiße Draht auf Hochtouren.

Bislang lösten nur die Nahostkriege und -krisen 1967, 1970 und 1973 einen regen Fernschreibverkehr auf dem heißen Draht aus. Seitdem sagen sich dort wieder die Füchse gute Nacht.

Noch immer besteht der heiße Draht aus einer Fernschreibleitung, nur die Datenübertragung ist moderner geworden. Längst huscht das regelmäßig ausgestrahlte Testsignal per Satellit um die Welt. "Der schnelle braune Fuchs springt über den faulen Hund" heißt die Nachricht, die da regelmäßig seit Jahrzehnten die Erde umkreist. Und solange der Fuchs springt, werden keine schlafenden Hunde geweckt.

Beverly Crawford ist Professorin der Universität Berkley. Sie arbeitet zur Zeit an der Freien Universität Berlin an einer Geschichte des Kalten Krieges und des heißen Drahtes: "Das hatte vor allem eine psychologische Wirkung, dass man wusste, dass man zu jeder Zeit kommunizieren konnte."

Vieles hat sich geändert seit dem Ende des Kalten Krieges, aber nach wie vor drohen nukleare Waffen mit einem globalen Armageddon. Und nach wie vor sind es die USA und Russland, die den größten Teil dieses Vernichtungspotentials kontrollieren.

Die Vergangenheit brachte immer wieder Zwischenfälle, die die empfindliche Balance zwischen Abschreckung und Bedrohung aus dem Gleichgewicht zu bringen drohten. Raketentests und Radarstörungen, Terrorakte und internationale Krisen. Und nach wie vor springt der schnelle braune Fuchs über den faulen Hund.

Autor: Robert Burdy
   
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