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5.6.1967: Ausbruch des Sechstagekriegs
Seit sieben Uhr morgens befinden sich die meisten Flugzeuge der israelischen Luftwaffe im Einsatz: Die einen sind nach Westen auf das Mittelmeer hinausgeflogen und dann nach Süden und wieder nach Osten abgedreht, um ägyptische Militärflugplätze aus der ägyptisch-libyschen Wüste heraus anzugreifen. Die anderen Maschinen dringen im Tiefflug in die Sinai-Halbinsel ein. Die ägyptische Luftwaffe wird völlig überrumpelt. Eine Stunde später gibt es sie nicht mehr.

Der dritte Nahostkrieg hat begonnen. Für die Israelis ist dieser Krieg angeblich die Rettung vor der aus Kairo und Damaskus angedrohten Vernichtung, für die Araber ist er ein weiterer Beweis für Israels vermeintlichen Expansionsdrang. Möglicherweise aber ist er keins von beiden, sondern eher das Ergebnis einer sowjetischen Strategie, im Nahen Osten für Spannung zu sorgen, um hier mehr an Einfluss zu gewinnen und den USA Paroli zu bieten.

Moskau nämlich lässt im Mai 1967 seine ägyptischen und syrischen Freunde wissen, dass Israel größere Truppenbewegungen gegenüber der Waffenstillstandslinie mit Syrien durchführe und offenbar einen Angriff vorbereite.

In Kairo mobilisiert der Präsident seine Streitkräfte, und er fordert den Abzug der UNO-Truppen, die seit dem Sinai-Feldzug von 1956 entlang der Waffenstillstandslinie stationiert sind. Generalsekretär Thant zieht die Truppen ab, auch von Tiran, der Meerenge am Südende des Golfes von Aqaba.

Und Kairo beschließt, die verlassenen Stellungen zu übernehmen und die Meerenge für israelische Schiffe zu schließen, obwohl Jerusalem genau dies zum 'casus belli' deklariert hat. Präsident Nasser überschwänglich vor ägyptischen Soldaten:

Nasser: "Willkommen. Wir sind bereit zum Krieg, unsere Streitkräfte sind bereit. Der Golf von Aqaba ist Teil Ägyptens. Wir werden den Israelis unter keinen Umständen die Passage durch den Golf gestatten. Sie drohen mit Krieg, die Juden. Bitte schön, wir sind bereit für den Krieg. Wir werden nie auf unser Recht verzichten."

Auch in Israel macht man mobil, weil man einen ägyptischen Angriff befürchtet.

Außenminister Abba Eban: "Ich bin hierher gekommen um herauszufinden, was die Vereinigten Staaten vorhaben."

Washington warnt vor einer Überreaktion der Israelis. Ähnlich werden ägyptische Emissäre in Moskau vor einem Angriff gewarnt. Die Supermächte versprechen ihren Schützlingen Hilfe nur, wenn diese nicht den ersten Schlag führen.

Während die israelischen Militärs drängeln, zögert Levi Eshkol. Dann aber beruft er Moshe Dayan zum Verteidigungsminister. Der Held des Sinai-Feldzuges von 1956 zeigt sich siegessicher: "Obwohl die Zahl ihrer Truppen größer ist als die der unsrigen, hoffe und bete ich, dass wir Erfolg haben werden. Aber viel, sehr viel hängt davon ab, wo die Schlacht stattfindet."

Israel beschließt, den Kriegsschauplatz selbst zu bestimmen und am 5. Juni beginnt es den Angriff. Nachdem die ägyptische Luftwaffe zerschlagen ist, fliehen die Bodentruppen vom Sinai: Mindestens 15.000 Ägypter kommen dabei um - Israel verliert 338 Soldaten.

In Amman weigert sich unterdes der jordanische König Hussein, sein Beistandsabkommen mit Kairo zu ignorieren und still zu halten, wie Israel es ihm nahe legt. Auch in die Westbank rücken nun israelische Truppen vor, und in Jerusalem wird gekämpft.

Drei Tage später ist das gesamte Gebiet westlich des Jordan unter israelischer Kontrolle, und auch mit Syrien beginnt der Krieg, vor dem die Sowjets gewarnt hatten: Die Golan-Höhen werden erobert.

Levi Eshkol versichert, dass Israel nicht an Gebietsgewinnen interessiert sei: "Wir brauchen kein zusätzliches Gebiet. Wir wollen nur das Gebiet aufbauen, das wir schon haben. Wir brauchen kein zusätzliches Land."

Man hofft, dass man Frieden im Austausch für die Gebiete bekommen kann, und zunächst scheint es eine Chance dafür zu geben, denn in Kairo verkündet Präsident Nasser seinen Rücktritt:

Nasser: "Ich habe beschlossen, von allen offiziellen und politischen Ämtern vollständig und unwiderruflich zurückzutreten und zurückkehre in die Reihen der Bürger. Und ich werde wie jeder andere Bürger meine Pflicht erfüllen."

Das Volk aber lässt ihn nicht gehen und Nasser bleibt. Er ist nicht bereit, sich mit der Niederlage abzufinden, und er weigert sich, nun auf Frieden hinzuwirken. Es soll Jahre dauern, bis Ägypten unter Nassers Nachfolger Sadat Frieden schließt und die 1967 verlorene Sinai-Halbinsel zurückerhält.

Noch länger dauert es, bis Jordanien seinen Anspruch auf die Westbank aufgibt und die Palästinenser mit Israel in Verhandlungen eintreten. Auch Syrien hat mit Israel inzwischen verhandelt, von einer Rückkehr auf den Golan und von einem Frieden ist es aber auch heute noch weit entfernt.

Autor: Peter Philipp
   
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