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29.5.1953: Mount Everest Besteigung
Habeler: "Die entscheidende Barriere vor dem Gipfel war eine 25 Meter hohe Felsstufe, spiegelglatt und fast ohne Tritte und Griffe. An der Ostseite der Felsstufe klebte eine riesige Schneewehe, hier beschlossen sie hinaufzugehen. Hillary ging als erster am Seil, während Tensing auf festem Boden sicherte. (...) Mit Knien, Schultern und Armen stemmte Hillary sich immer höher, bis er oben festen Grund erreichte und erschöpft niedersank. Dann folgte Tensing auf demselben Weg. Diesmal sicherte Hillary. (...) Immer höher ging es auf dem Grat. (...) Die Minuten verrannen, und sie hatten es immer noch nicht geschafft. Es wurde inzwischen ein echter Wettlauf gegen die Zeit und den zu Ende gehenden Sauerstoffvorrat. Und dann stellte Hillary plötzlich fest, dass es vor ihm nicht mehr hinauf-, sondern hinunterging. Er stand auf der höchsten Erhebung der Erde. Tensing grinste (...) und dann umarmten sich die beiden ungleichen Männer."

Dies schreibt der bekannte österreichische Bergsteiger Peter Habeler über den Triumph des Neuseeländers Edmund Hillary und seines Sherpa-Gefährten Tensing Norgay: Zum ersten Mal war am 29. Mai 1953 der Himalaya-Gigant bestiegen worden, nach über 30 Jahren vergeblicher Expeditionen und etlichen tödlich endenden Versuchen.

25 Jahre später, am 8. Mai 1978, gelang auch Habeler zusammen mit dem Südtiroler Reinhold Messner der Aufstieg auf den höchsten Bergriesen der Erde - ohne Sauerstoffflaschen. Habeler hat diese bergsteigerische Großtat in seinem Buch "Der einsame Sieg - Mount Everest '78" beschrieben. Und Messner schaffte es erneut drei Monate danach, im August 1978, im Alleingang, wiederum ohne Sauerstoffdusche. Die Ehre aber, als Erste oben gewesen zu sein, gebührt Hillary und Norgay.

Jahre später erzählt der inzwischen geadelte Hillary: "Nun, als ich den Gipfel betrat, hatte ich nicht das Gefühl großer Erregung, wie die Leute vielleicht denken könnten. Wir waren natürlich müde, und uns wurde klar, dass wir noch das Riesenproblem hatten, wieder heil hinunterzukommen. Hauptsächlich fühlte ich eine fast ruhige Genugtuung in mir und auch ein wenig Überraschung. Denn vor uns hatten sehr gute Expeditionen den Everest zu bezwingen versucht, aber wir waren hier oben, Tensing und ich, wir hatten die unterschiedlichsten Probleme bewältigt und schließlich unseren Fuß auf den Gipfel gesetzt. Ja, ich spürte diese Befriedigung, aber auch: warum hatten gerade wir dieses Glück gehabt?"

Seit den 1920er Jahren hatten vor allem die Briten, aber auch Angehörige anderer Nationen versucht, den Everest und die übrigen 13 Achttausender im Himalaya und Karakorum zu besteigen. Der 8125 Meter hohe Nanga Parbat wurde zum so genannten "Schicksalsberg" der Deutschen. Sie schafften es nicht, sondern der Innsbrucker Hermann Buhl bezwang ihn im Alleingang, ebenfalls 1953.

Über 20 Gruppen quälten sich nach Hillary und Tensing bis 1978 mit Sauerstoffmasken auf den Everest, bis zu jener Pioniertat Messners und Habelers, die auf Atemgeräte verzichtet hatten. In der Todeszone über 7600 Meter eine unglaubliche Leistung! Reinhold Messner ist übrigens der erste Bergsteiger, der alle 14 Achttausender bezwingen konnte.

Längst ist der Mount Everest zur Touristenattraktion verkommen, alljährlich lassen sich tausende von unzulänglich vorbereiteten Leuten gegen hohe Bezahlung durch professionelle Bergführer auf das "Dach der Welt", den "Sitz der Götter", schleppen. Mit hohem Risiko wegen der Sauerstoffarmut, des geringen Luftdrucks und der eisigen Temperaturen in jenen mörderischen Höhen.

Viele haben am Berg ihr Leben gelassen, bis in die jüngste Zeit, als eine US-amerikanische Expedition in einer Katastrophe endete.

Legendenumwoben aber ist der Versuch des englischen Bergsteigers George Mallory und seines Kameraden Andrew Irvine. 1924 waren sie am Everest aufgestiegen, zuletzt gesichtet wurden sie in rund 8600 Meter Höhe. Sie blieben verschollen. 1933 fand man einen Eispickel der beiden.

Erst 1998 stieß eine US-amerikanische Gruppe auf Mallorys unverwesten Leichnam. Hatte er den Everest fast 30 Jahre vor Hillary geschafft? Wir wissen es nicht - seine Kamera mit Fotos, die den Gipfelsturm hätten beweisen können, wurde nicht gefunden.

Reinhold Messner aber ist ziemlich sicher, dass der Engländer es nicht geschafft hat: Die glatte Felswand unter dem Gipfel, nach Edmund Hillary benannt, sei zu jener Zeit noch nicht zu erklimmen gewesen.

Autor: Karl-Heinz Lummerich
   
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