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14.5.1692: Erste Wetterprognosen in der Presse
Die erste veröffentlichte Wetterprognose im Jahre 1692 – es war der 100-jährige Kalender des Abtes Moritz Knauer aus Bamberg, der damals von Christoph Ellwig erstmals herausgegeben wurde. Ein Büchlein, das sich schnell großer Beliebtheit erfreute, auch wenn die Eintreffwahrscheinlichkeit der mönchischen Beobachtungen doch sehr vom Zufall bestimmt war.

Abt Moritz hatte nämlich einfach seine Wetter-Wahrnehmungen von sieben Jahren, was der damals bekannten Zahl der Planeten entsprach, hochgerechnet - nicht ganz zulässigerweise, denn das Wetter wiederholt sich nicht so einfach.

Professor Horst Mahlberg vom Meteorologischen Institut der Freien Universität Berlin hat auf jeden Fall seine klare Meinung zum 100-jährigen Kalender: "Beim 100-jährigen Kalender können sie auch würfeln. Wenn es da heißt, dass in der Zeit bis zum zehnten eine große Kälte kommt und das der Wind auffrischt und ähnliches, dann trifft das mal zu und dann trifft das mal nicht zu. Und wenn sie das mal auswerten, dann stellen sie heute fest, das ist 50 zu 50. Damit können sie wirklich nichts anfangen, den könnte man glattweg vergessen."

Das Wetter vorherzusagen ist ein alter Traum der Menschen. Zu wissen, ob es ein guter Sommer, ein harter Winter wird, das war vor allem für die Bauern wichtig. Und sie beobachteten sehr genau, lebten in Einklang mit der Natur. Und so entstanden die holprigen aber durchaus zutreffenden Prognosen-Verse der Feld- und Wiesen-Meteorologen: die Bauernregeln.

"Wie das Wetter im Juni soll sein, Wärme, Regen, Sonnenschein", heißt es da etwa und zeigt uns, dass der vermeintliche Sommermonat Juni durchaus noch ganz durchwachsenes Wetter haben kann, ja, haben soll.

"Je goldner die Juli Sonne strahlt, desto goldner sich der Roggen mahlt" - dagegen gibt der Hoffnung auf einen sonnigen und trockenen Juli Ausdruck.

Und besonders holpernd im Reim: "September Regen - dem Bauern Segen, dem Winzer Gift, wenn es ihn trifft."

Durchschnittlich zwei Drittel der Bauernregeln treffen zu. Bei kurzfristigen Beobachtungen, wie etwa "Wenn Schäfchen Wolken am Himmel stehn', dann kann man ohne Schirm spazieren gehen" liegt die Trefferquote sogar bei 80 Prozent.

Und manche Regel gilt dem Meteorologen Horst Mahlberg auch in Zeiten von Computerprognosen als geradezu unumstößlich: "Zum Beispiel die Bauernregel, 'Ist der Oktober lind und fein, so folgt ein strenger Winter drein' - diese Bauernregel hat eine Eintreffwahrscheinlichkeit von weit über 90 Prozent. Es gibt in diesem Jahrhundert nur eine einzige Ausnahme und auch der letzte strenge Winter 1995/1996, als schon alle meinten der Treibhauseffekt habe die strengen Winter abgeschafft, nein, mit dieser Regel konnte man auch den Winter 1995/1996 richtig prognostizieren."

Seit den Tagen des 100-jährigen Kalenders und der Bauernregeln hat sich die Welt verändert, nicht so sehr das Wetter. Mit den Erfindungen des Thermometers, des Barometers und auch des Telegrafen, um die Wetterbeobachtungen an verschiedenen Orten schnell austauschen zu können, begann die moderne Meteorologie. Heute senden Satelliten ihre Beobachtungssignale aus dem Weltall, ein Netz von Wettermessstationen umspannt die Erde.

Horst Mahlberg: "Alle drei Stunden werden dort zahlreiche Wetterelemente beobachtet und werden im Wetternet international ausgetauscht. Die gehen dann alle in einen Großrechner rein und werden analysiert, also wie die augenblickliche Wettersituation auf unserem Globus ist, und dann werden daraus Prognosen berechnet. Um eine Prognose für 24 Stunden zu berechnen, sind sieben Milliarden Rechenoperationen notwendig. Das kann man mit Bleistift und Radiergummi nicht mehr machen, so dass also die Qualität der Prognosengüte ganz wesentlich davon abhängig ist, wie sehr die Kapazität der Rechner gesteigert worden ist, also wieviel schneller sie geworden sind. Je schneller die Rechner werden, desto besser werden auch unsere Vorhersagen werden."

Selbst wenn also die Wetterprognosen seit 1692 beständig besser geworden sein sollten, so finden wir doch auch in den Bauernregeln zeitlose, ewig wahre, hoffnungsvolle Beobachtungen: "Wenn es regnet vor deinem Stall, glaube nicht, es regnet überall."

Autor: Jens Teschke
   
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