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23.5.1934: Bonnie und Clyde erschossen
Auktionator: "Und als nächstes nun, dieses Hemd! Mindestgebot 35.000 Dollar! Originalblutflecken, aufgeschlitzt vom Leichenbeschauer und mindestens 30 Schusslöcher!"

Das blaue Stück Stoff, das am 14. April 1997 in San Francisco versteigert wurde, war als historisches Todeshemd im Auktionskatalog angepriesen worden. Außerdem im Angebot: eine Winchester und die Original Taschenuhr von Clyde sowie ein Taschentuch, ebenfalls mit Originalblut von Bonnie.

Clyde? Bonnie? Bonnie und Clyde!

Das berüchtigste Gangsterpärchen der US-amerikanischen Geschichte sorgte also noch einmal für Schlagzeilen, 63 Jahre nach dem dramatischen und tragischen Ende der beiden, 1934.

Seit zwei Jahren jagte die Polizei das Gangsterpaar. Von Texas über Oklahoma bis Iowa zitterten die Tankstellenbesitzer. Bankfilialen und Tante Emma-Läden wappneten sich gegen drohende Überfälle. Bonnie und Clyde, das war ein Synonym für mitleidlose Brutalität und gleichzeitig, in der Zeit der wirtschaftlichen Depression, für viele ein Zeichen des Aufbegehrens gegen die Armut. Die US-Amerikaner waren hin- und her gerissen zwischen der Faszination des Bösen und der Ächtung der Verbrechen.

Die Faszination geht auch von der Liebesgeschichte des Gangster-Pärchens aus. Clyde Chestnut Barrow, oder wie er sich selber lieber nannte, Clyde Champion Barrow, wuchs in den Slums von West-Dallas auf. 1909 geboren, sammelte er schon früh kriminelle Erfahrungen, vom Truthahn-Diebstahl als 16-Jähriger angefangen bis hin zu Einbrüchen in mehrere Wohnungen und Geschäfte und einen Auto-Diebstahl.

Bonnie Parker zog mit ihrer Mutter 1920 nach West Dallas. In der Schule wird Bonnie mit zahlreichen Preisen für Gedichte und Theaterstücke ausgezeichnet. Bei einer Nachbarin trifft sie 1928 den jungen Clyde. Beide verlieben sich sofort und unsterblich ineinander.

Doch der Mann ihrer Träume wird wenige Tage nach der ersten Begegnung von der Polizei verhaftet und zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Aus Liebe wird auch Bonnie kriminell: sie schmuggelt einen Revolver ins Gefängnis, Clyde kann fliehen. Doch wenige Wochen später wird er wieder erwischt und diesmal zu 14 Jahren verurteilt. 1932, nach nur zwei Jahren Haft, wird Clyde allerdings begnadigt. Ab jetzt beginnt das wilde Leben, die Bonnie und Clyde-Story.

Überfall folgt auf Überfall, bis es dann im April 1932 mehr durch einen unglücklichen Zufall als aus Absicht zum ersten Mord kommt. Jetzt wird die Fahndung der Polizei intensiv. Die beiden sind ständig auf der Flucht, immer mit gestohlenen Autos, immer schwer bewaffnet. Dem ersten Mord folgen mindestens zwölf weitere. Immer wieder will die Polizei zuschnappen, immer wieder gelingt es den Gangstern in letzter Sekunde zu entkommen. Die gesamte USA verfolgt die blutige Spur des Verbrecher-Duos.

Erstmals kennt das Verbrechen keine Grenzen mehr - von Arkansas bis Michigan, überall rauben und morden sie. Anfang Januar 1934 befreien Bonnie und Clyde drei ehemalige Bandengenossen aus dem Gefängnis, und wieder beginnt ein Leben voller Verfolgungsjagden durch drei Bundesstaaten. Ernst wird es, als der Leiter des Gefängnisses den ehemaligen Texas-Ranger Frank Hamer einschaltet.

Dieser nimmt Kontakt zum Vater eines mit Bonnie und Clyde herumziehenden Gangsters auf und stellt ihm Straffreiheit für seinen Sohn in Aussicht, wenn er ihm hilft, die beiden in die Falle zu locken. Und die schnappt zu: Hinter dem scheinbar liegen gebliebenen Auto des Mit-Ganoven auf einer Landstraße in Louisiana verstecken sich sechs Scharfschützen. Als Bonnie und Clyde das ihnen bekannte Auto sehen und ihre Fahrt stoppen wollen, um zu helfen, die Panne zu beheben, wird das Feuer auf sie eröffnet.

Es ist ein blutiges Ende. 167 Schüsse durchlöchern am 23. Mai 1934 den Ford von Bonnie und Clyde.


Autor: Jens Teschke
   
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