Kalenderblatt dw.com
 
21.4.1918: Der "Rote Baron" stürzt ab
Als Zehnjähriger war Manfred von Richthofen, wie viele Söhne adeliger Gutsbesitzer, in das kaiserliche Kadettenkorps eingetreten und danach Kavallerieoffizier geworden. Die Offizierslaufbahn ließ ihm genügend Zeit, seiner großen Leidenschaft, der Jagd, zu frönen. Als nach Beginn des Ersten Weltkriegs Flugzeuge zunehmend die bisherigen Aufgaben der Kavallerie, also der Erkundung und Aufklärung, übernahmen, wechselte er zu den neu aufgestellten Luftstreitkräften. Er wurde als Beobachter ausgebildet und flog nun Aufklärung anstatt sie zu reiten.

Im Frühjahr 1916 wurde Leutnant von Richthofen zum Jagdflieger umgeschult. Er galt als unerschrockener Draufgänger und hatte bald 16 britische und französische Flugzeuge abgeschossen. Dafür bekam er den Orden "Pour le Mérite" und wurde Führer einer eigenen Jagdstaffel. Seine Gegner betrachtete der passionierte Jäger als Freiwild: er schoss sie ab wie die Hasen, wo immer sie sich zeigten. Manchmal waren es zwei oder drei feindliche Flugzeuge am Tag, einmal sogar vier, mit kleinen Pausen dazwischen - zum Auftanken und zur Erledigung natürlicher Bedürfnisse.

Als im Herbst 1916 die ersten Fokker-Dreidecker an die Front kamen, gehörte Richthofen zu den ersten, die damit Einsätze flogen. Der Dreidecker war ein außerordentlich wendiges und steigfähiges Flugzeug. Er stieg in nur zehn Minuten auf 4.000 Meter Höhe und erreichte eine Geschwindigkeit von 160 Stundenkilometern. Bewaffnet war er mit zwei starr eingebauten Maschinengewehren, die durch den Propellerkreis schossen. Der Pilot zielte praktisch mit der ganzen Maschine. Die Taktik war, sich aus großer Höhe und möglichst aus der Sonne heraus auf den Gegner zu stürzen, sich hinter ihn zu setzen und aus 100 bis 200 Meter Entfernung das Feuer zu eröffnen.

Helden der Lüfte

Von der Kriegspropaganda wurden die Jagdflieger damals als Helden der Lüfte gefeiert und als ritterliche Kämpfer verklärt, und zwar nicht nur auf deutscher Seite, sondern auch von den Kriegsgegnern. Im Luftkampf stand Mann gegen Mann, Maschine gegen Maschine. Abschüsse von Gegnern wurden wie Trophäen gesammelt und vorgezeigt. Die Zahl der Abschüsse wurde weithin sichtbar auf die eigene Maschine aufgemalt.

Richthofen ließ seinen Dreidecker provozierend rot anstreichen. Jeder sollte ihn an der Farbe des Flugzeuges erkennen, sollte wissen, dass er dem erfolgreichsten deutschen Jagdflieger gegenübersteht. Damit war der Begriff des roten Kampffliegers geboren, des "Red Baron" auf der anderen Seite der Front. Als sich die Gegner im Luftkampf zunehmend auf die rote Maschine stürzten, wurden alle Flugzeuge seiner Staffel rot angestrichen. Es gab nun viele Richthofens, die dem Gegner Angst und Schrecken einjagen sollten.

Im Frühjahr 1918 war Richthofen Rittmeister und Führer eines Jagdgeschwaders, als ihn das gleiche Schicksal ereilte, das er zuvor 80 Gegnern bereitet hatte. Am 21. April, kurz vor einem 26. Geburtstag, wurde er hinter den feindlichen Linien abgeschossen, als er in geringer Höhe eine britische Maschine verfolgte.

Mit militärischen Ehren

Der kanadische Fliegerhauptmann Roy Brown hatte nach seiner Aussage den roten Dreidecker entdeckt, sich von hinten auf ihn gestürzt und aus naher Distanz das Feuer eröffnet. Gleichzeitig beschossen ihn Infanteristen vom Boden aus mit dem Maschinengewehr.

Auf einem kleinen Soldatenfriedhof in Nordfrankreich haben die Briten ihn mit militärischen Ehren beigesetzt. Sieben Jahre später wurde der Leichnam auf Wunsch der Familie exhumiert, nach Deutschland überführt und auf dem Invalidenfriedhof in Berlin bestattet - auch hier mit militärischen Ehren und unter großer Beteiligung der Bevölkerung.

Die deutsche Fliegertruppe verlor im Ersten Weltkrieg 7.700 Piloten durch Tod oder schwere Verwundung. Der rote Fokker-Dreidecker aber ist heute als Nachbau in fast allen Luftfahrt- und Technikmuseen der Welt ausgestellt. Nach seinem populärsten Piloten Manfred von Richthofen sind noch in unseren Tagen Jagdgeschwader, Kasernen, Straßen und Plätze benannt.



Autor: Werner Schwipps
   
Zitat des Tages
    
Zitat des Tages
Eine ideale Ehefrau ist jede Frau, die den idealen Gatten hat.
  > Elisabeth II.
> RSS Feed
  > Hilfe
Wann bestieg Königin Elizabeth II. den Thron?
  1952
  1956
  1950
  Newsletter abonnieren
  Versenden Sie virtuelle Grüße