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19.4.1995: Anschlag in Oklahoma
Der 31-jährige Feuerwehrmann Chris Fields blickt fragend auf das tote Baby in seinen Armen. Hinter ihm schlagen die Flammen aus dem US-Behördenhaus noch hoch in den Himmel über Oklahoma-City. Dieses Bild ging um die Welt und machte Geschichte. Damals stand es als Symbol für den aus US-amerikanischer Sicht bis dahin "furchtbarsten Terroranschlag" in der US-Geschichte. Am 19. April 1995 kamen 168 Menschen, darunter viele Kinder, ums Leben, als ein mit Sprengstoff beladener LKW vor dem Behördenhaus explodierte. Wenige Minuten später am Ort des Geschehens.

Eine Augenzeugin beschreibt, was passiert war: "Das war eine starke Kraft. Jeder hier in unserem Büro hat etwa abkommen, Rückenverletzungen, Kopfverletzungen, Schnitte, Glas."

Mehr als 500 Menschen erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Von dem Hochhaus blieb nicht viel mehr als eine brennende Ruine übrig. In der Mitte des Gebäudes klaffte ein riesiges Loch. Während die Rettungsmannschaften sich um die Opfer vor Ort kümmerten, lief bundesweit eine Großfahndung nach den Tätern an.

Der damalige US-Präsident Bill Clinton versprach in einer Fernsehansprache, man werde die Schuldigen finden und bestrafen: "Der Bombenanschlag von Oklahoma City war ein Anschlag auf unschuldige Kinder und wehrlose Bürger. Das war ein Akt der Feigheit und es war böse. Die Vereinigten Staaten werden das nicht tolerieren."

Für einen der beiden Hauptverdächtigen dauerte die Flucht vom Tatort keine zwei Stunden. Ein ungültiges Autokennzeichen wurde ihm zum Verhängnis. Justizministerin Janet Reno konnte einen schnellen Fahndungserfolg verkünden:

Reno: "Timothy Mc Veigh, 27 Jahre alt, den wir früher John Doe Nummer Eins genannt haben, der Mann mit dem hell braunen Bürstenschnitt, ist von der lokalen Polizei am Mittwoch morgen anderthalb Stunden nach der Explosion etwa 60 Meilen von Oklahoma City wegen Verkehrsverstößen festgenommen worden."

Kurz darauf konnte auch der zweite Verdächtige, Terry Nichols, verhaftet werden. Nichols soll die tödliche Sprengstoffladung zusammengebaut haben. Der Schock der US-Amerikaner saß tief. Im "Heartland", fernab der Zentren an Ost- und Westküste, hatten zwei weiße Männer, Patrioten und angeblich auch Christen, ein Verbrechen verübt, das Volkes Meinung eigentlich nur islamischen Terroristen zugetraut hatte.

Im Laufe der Ermittlungen stellte sich heraus, dass die beiden Golf-Kriegs-Veteranen sich in rechtsextremen Kreisen bewegten. Auch dort hat der 19. April eine besondere Bedeutung. Das nämlich war der Tag als die Bundespolizei 1993 in der Nähe der texanischen Stadt Waco eine von rechten Sektierern gehaltene Ranch stürmte. Die 60 Toten von damals haben in der Szene Märtyrerstatus. Timothy McVeigh und Terry Nichols sahen sich berufen, gegen eine angebliche Verschwörung von gottlosen Minderheiten in Washington ein Fanal zu setzten. Die Vorlage dafür lieferten das Buch eines verrückten Physikprofessors.

Das öffentliche Urteil über McVeigh war schon gesprochen, bevor das Geschworenengericht in Denver im Juni 1997 die Todesstrafe gegen Bombenleger von Oklahoma City verhängte. Regungslos nahm McVeigh das Urteil damals entgegen, und nach dem Urteil fiel ihm nicht viel ein, was er zu bereuen hätte: "Das war ein tragisches Ereignis. Mehr möchte ich dazu nicht sagen."

Während McVeigh in der Todeszelle auf die Vollstreckung des Urteils wartete, versuchten seine Anwälte in diversen Verfahren das Leben ihres Mandanten zu retten. Am 11. Juni 2001 wurde Timothy McVeigh durch eine Giftinjektion hingerichtet.


Autor: Thomas Spang
   
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