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17.4.1961: Schweinebucht
Seit zwei Jahren mussten die USA nun schon mit anschauen, wie sich in ihrem Hinterhof auf der Zuckerrohrinsel Kuba die Revolution des Fidel Castro etablierte und in alle Bereiche der Politik, der Wirtschaft und der Gesellschaft vordrang. Castro betrieb intensiv die Vertiefung der Beziehungen zur Sowjetunion und verteufelte gleichzeitig die USA. Die Enteignung und Verstaatlichung US-amerikanischen Eigentums auf der Insel schritt voran. In vielen anderen lateinamerikanischen Staaten wurden derartige Maßnahmen mit Sympathie beobachtet, die Rolle der USA wurde im Lichte nicht nur der kubanischen Ereignisse immer kritischer beleuchtet.

Einen vorläufigen Tiefpunkt erreichten die kubanisch-amerikanischen Beziehungen gleich zu Beginn des Jahres 1961, als Castro am 2. Januar die USA aufforderte, das Botschaftspersonal innerhalb von 48 Stunden von 87 auf elf US-Amerikaner zu reduzieren. 80 Prozent der insgesamt 300 Botschaftsangestellten würden für das FBI spionieren, so der Vorwurf Kubas. Daraufhin brach die Eisenhower-Administration die diplomatischen Beziehung ganz ab und forderte alle US-Bürger auf, Kuba zu verlassen.

Kuba scheiterte im UN Sicherheitsrat mit dem Versuch eine Resolution gegen die USA durchzubringen. Angeblich war die Invasion Kubas bereits beschlossene Sache, und sowohl in Florida als auch in Honduras und Guatemala würden amerikanische Söldner trainieren, so der Vorwurf Castros.

Die Anschuldigungen nahmen in der Folgezeit an Schärfe zu: Die kubanische Presse berichtete von der Verhaftung von Terroristen, die aus dem kubanischen Exil eingeschleust worden seien. Es folgte eine Welle der Verhaftungen gegen mutmaßliche Agenten und Dissidenten. Kuba machte mobil, da die Invasion noch vor der Amtsübernahme von Präsident Kennedy am 20. Januar 1961 befürchtet wurde. Dazu kam es nicht, aber auch nach dem John F. Kennedy ins Weißen Haus eingezogen war entspannte sich die Lage keinesfalls.

Auch Vermittlungsversuche von Seiten Argentiniens wurden von beiden Seiten abgelehnt: Kuba hielt die USA auf Grund ihrer offiziellen Äußerungen für nicht verhandlungsbereit, und Washington stellt im Gegenzug die Bedingung, Castro müsse sich zunächst von den imperialistischen Maximen der Sowjetunion und Chinas distanzieren.

Unterdessen hatte das kubanische Exil in den USA begonnen, innere Spaltung und Rivalitäten zu überwinden. Ende März fand in Miami ein Treffen zweier verfeindeter Gruppierungen statt, die sich zu einer vereinigten Front zusammenschlossen und von Florida aus die kubanische Bevölkerung zur Revolte gegen Castro aufrief.

Im Hintergrund trainierten bereits seit Mai 1960 kubanische Gurrilias in sieben verschiedenen Camps in Guatemala, und zwar unter Aufsicht eines US-Offiziers. Amerikanische Piloten übernahmen die Schulung kubanischer Flieger. Unter Eisenhower waren die Pläne zur Invasion Kubas bereits weit ausgereift, doch sein Nachfolger im Weißen Haus gegen ein derartiges Vorhaben. Kennedy versprach lediglich, kubanische Rebellen mit Schiffen und Ausrüstung zu unterstützen. Auf diese Weise sollten die Rebellen auf die Insel gelangen und dort die Reihen der Castro Gegner verstärken.

Doch die Rechnung ging nicht auf. Die Landung in der Schweinebucht scheiterte. 500 Rebellen drangen in das Landesinnere vor, wo sie auf eine 20.000 Mann starke kubanische Truppe trafen, die die Invasion innerhalb von 24 Stunden beendete. Über 1000 Rebellen kamen in kubanische Gefangenschaft, und Castro versuchte einen Monat später, sie gegen 500 Bulldozer gewissermaßen auszutauschen, sozusagen als eine Art Wiedergutmachung für die durch die Invasion entstandenen Schäden.

Die Regierung Kennedy ging auf diesen Tausch nicht ein, unterstütze aber die Bemühungen eines Bürgerkomitees, Geld zu sammeln, um die Bulldozer zu finanzieren. Auch diese Mission scheiterte, Castro stellte laufend neue Bedingungen und erhöhte seine Forderungen.

Die Verwicklungen der CIA in die gescheiterte Landung in der Schweinebucht wurden später nur spärlich untersucht. Die kubanischen Exilorganisationen in den USA beschuldigten zwar die CIA, durch übereiltes Handeln zum Scheitern beigetragen zu haben. Präsident Kennedy beeilte sich jedoch, persönlich die politische Verantwortung für die fehlgeschlagene Invasion zu übernehmen, und somit die CIA aus der öffentlichen Diskussion zu nehmen.

Die gescheiterte Landung in der Schweinebucht brachte international eher dem Castro Regime Sympathien ein. In den folgenden Tagen fanden in Europa und Lateinamerika antiamerikanische Massenkundgebungen statt, die größte von ihnen in Mexiko, wo am 21. April 15.000 Castrosympathisanten auf die Straße gingen; in Montevideo waren es am selben Tag 8000 Demonstranten. Auf Kuba selbst hingegen fand in den folgenden Monaten eine Welle der Verhaftungen statt, der sich einige zum Teil hochrangige Regierungsbeamte allein dadurch entziehen konnten, in dem sie in lateinamerikanischen Botschaften um Asyl ersuchten.

Autorin: Mirjam Gehrke
   
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