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12.4.1984: Startbahn West eröffnet
"Meine sehr verehrten Damen und Herren, Sie haben soeben den ersten Start auf der 18 West miterlebt, damit ist ein in der öffentlichen Meinung zugegeben umstrittenes Verkehrsprojekt in Betrieb genommen worden." Als der damalige Sprecher des Frankfurter Flughafens die Einweihung der 18 West, so der Fachbegriff für die Startbahn West, am 18.April 1984 unter großem Polizeieinsatz verkündet, ist ein jahrzehntelanger Kampf um den Ausbau beendet.

Die Startbahngegner stoßen jenseits der Flughafenmauer ebenfalls auf die Eröffnung an. Mit einer Parodie: Bereits in den 1950er-Jahren plant die Flughafengesellschaft den Ausbau des Airports. Das Land Hessen gibt 1965 grünes Licht für eine reine Startbahn auf dem westlichen Flughafengelände, daher der Name Startbahn West. Dann folgt ein Rechtsstreit: 15 Jahre lang waren die Gerichte beschäftigt.

Hopp, hopp, hopp, Startbahn-Stop

Bürgerinitiativen wollen verhindern, dass rund 200 Hektar Wald für die neue Startbahn abgeholzt werden. Deshalb besetzen sie die betroffene Waldfläche im Mai 1980 und errichten ein Hüttendorf mit 70 Holzhütten und einer kleinen Kirche.

Eine Bewohnerin sagte damals: "Dieses Waldgebiet, das hier kaputtgemacht wird, das ist Landschaft, die zerstört wird, das ist unser Lebensraum, der wegkommt. Wir brauchen Luft zum Atmen, und wenn das alles kaputt gemacht wird, wo sollen wir denn dann noch hin?"

Im Oktober 1980 erklärt der Verwaltungsgerichtshof in Kassel den Flughafenausbau für rechtmäßig. Ein Jahr später wird das Hüttendorf zwangsweise abgerissen. Die Polizei vergisst, übernervös, die Verhältnismäßigkeit der Mittel.

Jutta Ditfurth, zu dem Zeitpunkt grüne Stadträtin von Frankfurt, erinnert sich: "Am Montag, den 2. November 1981 wurde das Dorf dem Erdboden gleichgemacht. Fotos gingen um die Welt, auf einem der berühmtesten springen Polizisten mit langen Knüppeln dem Fotografen Rolf Böhm ins Gesicht; er knipste, bevor er blutend zusammenbrach. Jagdszenen, so grausam, so blutig, dass sogar die Bild-Zeitung wie die reinste Revoluzzer-Postille protestierte."

Die Bürgerinitiativen geben nicht auf: Im November 1981 überreichen sie in Wiesbaden insgesamt 220.000 Unterschriften, um einen Volksentscheid zu bewirken. Das letzte legale Mittel gegen den Startbahnbau. Ohne Erfolg: Der hessische Staatsgerichtshof weist den Antrag als verfassungswidrig zurück. Von da an kommt es immer wieder zu Krawallen und Schlägereien an der Flughafenmauer, von denen sich die Bürgerinitiativen distanzieren.

Ein hoher Preis

Am 30. Januar 1982 werden bei einer der größten Auseinandersetzungen 140 Menschen verletzt, 90 Demonstranten festgenommen. Auch mit der Eröffnung der Startbahn West kehrt keine Ruhe ein. Schließlich der traurige Höhepunkt am 2. November 1987: genau sechs Jahre nach dem Abriss des Hüttendorfes schießen im Anschluss an eine Kundgebung militante Startbahngegner auf Polizisten, zwei Beamte bezahlen den Einsatz mit ihrem Leben.

Ein fassungsloser Walter Wallmann, damaliger Ministerpräsident Hessens, tritt vor die Presse: "Ohne im Augenblick sich von Gefühlen überwältigen zu lassen, sage ich aber mit aller Klarheit, dies wird Konsequenzen haben. Ich verhehle nicht, dass mit dem, was heute geschehen ist, alles andere, was ich bisher erlebt habe, überschritten ist. Von Demonstration kann überhaupt keine Rede sein, dies ist Gewaltanwendung, und dies wird sich der Staat nicht gefallen lassen."

Die Startbahn West und ihre Bilanz: die Flughafengesellschaft muss insgesamt umgerechnet zehn Mio. Euro investieren, um das Startbahngelände vor Gegnern zu schützen, das entspricht etwa zehn Prozent der Baukosten. Die Polizeieinsätze schlagen mit umgerechnet 17 Mio. Euro zu Buche.



Autor: Michael Schulte
   
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