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5.4.1951: Herz-Lungen-Maschine im Einsatz
Die Idee war bereits über 100 Jahre alt, denn schon Anfang des 19. Jahrhunderts versuchten Ärzte, einzelne Organe zu konservieren, indem sie Blut durch sie hindurch pumpten. Dies misslang unter anderem deshalb, weil man noch nicht wusste, dass in erster Linie nicht der Blutfluss uns am Leben erhält, sondern vor allem der Sauerstoff, der durch den roten Saft transportiert wird. Eine Herz-Lungen-Maschine muss deshalb beides können: Blut durch den Körper eines Patienten pumpen, dieses aber auch mit Sauerstoff beladen. Funktioniert dies reibungslos, kann das Herz des Patienten für kurze Zeit vom Blutkreislauf abgekoppelt und während dieser Zeit repariert werden.

Chefarzt Dr. Albrecht Bischoff vom Evangelischen Krankenhaus Köln-Weyertal erklärt, um welche Operationen es dabei geht:

"Sämtliche Operationen am offenen Herzen. Also Herzchirurgie im Sinne von Koronarchirurgie bei verstopften Herzkranzgefäßen, wo eine Überbrückung, ein Bypass gelegt werden muss. Dann Ersatz von defekten Klappen, des weiteren Korrektur von Missbildungen, die meistens angeboren sind - also das wäre die Kinderherzchirurgie am offenen Herzen."

Der Patient wird dazu zunächst in Tiefschlaf versetzt. Narkose, künstliche Beatmung, Katheter, die den Druck in den Arterien und Venen messen - die Liste der Vorbereitungen zu einer Herzoperation ist lang.

Dr. Bischoff: "Und dann wird der Patient in den Operationssaal gefahren, und ein Zugang zum Herzen muss dann geschaffen werden. Das wird in der Regel über einen Längsschnitt mitten durch das Brustbein hindurch bewerkstelligt. Und wenn das offen schlagende Herz vor dem Kardiochirurgen liegt, dann muss das venöse Blut abdrainiert werden in die Herz-Lungen-Maschine. Das wird dadurch bewerkstelligt, dass man Schlauchsysteme in bestimmte Venensysteme in den rechten Teil des Herzens einführt und das Blut dort sozusagen abfängt, es also nicht mehr zum Herzen hinfließen lässt, sondern abfängt in ein Reservoir."

Dieses Reservoir gehört bereits zur Herz-Lungen-Maschine. Diese besteht aus mehreren Teilen, die in der Nähe des OP-Tischs auf dem Boden stehen. Vom Reservoir wird das Blut in den Oxygenator gepumpt. Wie der Name schon sagt: an dieser Stelle wird es mit Sauerstoff beladen. Außerdem wird das Blut hier zu Beginn der OP von 37 Grad auf etwa 29 Grad Celsius abgekühlt. Denn:

Dr. Bischoff: "Man muss das Gewebe auch konservieren, in der Phase wo die Herz-Lungen-Maschine aktiv ist. Es darf natürlich nicht passieren, dass das still gestellte Herz in dieser Stillstandsphase, wo es ja nicht durchblutet wird, Schaden erleidet. Und deshalb wird mit Hilfe eines Wärmeaustauschers am Anfang der Phase das Blut abgekühlt - man weiß, dass abgekühlte Organe wesentlich weniger Energie verbrauchen und dementsprechend länger eine Phase überbrücken können, in der sie nicht durchblutet sind. Und am Ende der Operation, wenn der Organismus wieder hoch gekühlt werden muss, kann man mit Hilfe dieses Wärmeaustauschers auch das Blut wieder anwärmen."

Nachdem das Blut durch verschiedene Filter gewandert ist, wird es in die Hauptschlagader zurück gepumpt. Während der Chirurg dabei am offenen Herzen operiert, muss der künstliche Blutkreislauf genau überwacht werden.

Dr. Bischoff: "Das macht in der Regel ein Techniker, der sogenannte Kardiotechniker, der - wie man das bezeichnet - die Herz-Lungen-Maschine fährt. Der muss natürlich vorher genau wissen, mit wieviel Umdrehungen muss er das Blut wieder zurück in den Körper pumpen, das wird ausgerechnet anhand von Tabellen, das muss er selbstverständlich auch überprüfen, ob der Wert stimmt, ob er eingehalten wird, ob bestimmte Druckwerte eingehalten werden."

Damit das ganze überhaupt funktioniert, bekommt der Patient vor dem Eingriff ein Mittel gespritzt, das die Gerinnungsfähigkeit seines Bluts für die Dauer der Operation lahm legt, sonst würde das Blut in der Herz-Lungen-Maschine sofort verklumpen und den Apparat in kürzester Zeit verstopfen. Tödliche Thrombosen wären die Folge. Und es gibt noch andere, mögliche Komplikationen.

Dr. Bischoff: "Man kann sich vorstellen, dass natürlich in diesen Pumpen das Blut sehr starken Quetschungsmechanismen unterliegt. Die roten Blutzellen werden rein mechanisch zerstört. Es kommt also nicht nur zum Verlust von rotem Blutfarbstoff, sondern auch zum Austritt von Blutsalzen zum Beispiel aus diesen roten Blutzellen ins Blut. Das muss alles nicht nur überprüft sondern auch gegen korrigiert werden."

Normalerweise gelingt dies ohne Probleme. Aber auch für die Herzchirurgie gilt: die Patienten werden immer älter, die Eingriffe damit zum Teil sehr schwierig. Kritisch kann es insbesondere dann werden, wenn das Herz nach der Operation zu schwach ist, um seine Funktion wieder aufzunehmen.

Dr. Bischoff: "Und dann kann es durchaus passieren, dass Patienten den Abgang von der Herz-Lungen-Maschine nicht schaffen, sondern dass das Herzgewebe einfach irreversibel zerstört ist. Und dann bedeutet das, und das ist immer sehr bitter für alle beteiligten, dass der Patient sozusagen auf dem OP-Tisch stirbt, weil eben seine Herzfunktion durch nichts anderes mehr zu ersetzen ist."

Autorin: Ute Hänsler
   
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