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4.4.1968: Martin Luther King erschossen
King: "Ich habe das gelobte Land geschaut. Vielleicht werde ich nicht mir euch dorthin gelangen. Aber ich will, dass ihr wisst, unser Volk wird ins gelobte Land gelangen."

Als Martin Luther King, der schwarze Pfarrer und Bürgerrechtler, diese Rede hielt, hatte er noch 24 Stunden zu leben. Aber der Tod - ein gewaltsamer Tod - war ihm schon länger gegenwärtig, seit er sich den USA der 1950er und 1960er für die Gleichstellung der Schwarzen einsetzte. Schon mehrfach hatten weiße Rassisten Anschläge auf ihn und seine Familie unternommen, schon einige Male war er nur knapp mit dem Leben davon gekommen. Am Abend des 4. April 1968 wurde Dr. Martin Luther King Jr. auf dem Balkon eines Hotels in Memphis erschossen.

Was war das nur für ein Mann, der die Nation so teilte, der solchen Hass heraufbeschwor? Die USA in den 1950er Jahren: eine Supermacht im Kalten Krieg, eine reiche Nation, eine rassistische Nation. Im Land der Freiheit leben die Bürger in Rassentrennung, Schwarze werden in allen Bereichen diskriminiert: sozial, politisch und wirtschaftlich. Das Wahlrecht wird ihnen verweigert, sie werden mit "Nigger" oder "Boy" angeredet, sie haben schlecht bezahlte Jobs, Übergriffe auf Schwarze sind an der Tagesordnung.

Im Dezember 1955 geschah etwas wie eine Initialzündung: In Montgomery weigerte sich die 42-jährige schwarze Näherin Rosa Parks, ihren Sitzplatz im Bus an einen weißen Fahrgast abzugeben. Nach ihrer Verhaftung begann Martin Luther King, Gemeindepfarrer in Montgomery, einen Busboykott zu organisieren. Dies brachte ihn ins Rampenlicht der Öffentlichkeit.

Innerhalb eines Jahres wurde Martin Luther King der Führer einer schwarzen Bürgerrechtsbewegung, wie sie die USA noch nicht gesehen hatte. Der Busboykott von Montgomery war nur der Anfang. Bald zogen Martin Luther King und Tausende von Bürgerrechtlern in Freiheitsmärschen durch das Land, sie übertraten massenhaft die Rassentrennungsgesetze, benutzen weiße Warteräume und Restaurants und ließen sich weder durch brutale Polizeiübergriffe noch durch Verhaftungen einschüchtern oder aufhalten.

King: "We must forever conduct our struggle to the high plain of dignity and discipline. We must not allow our creative protest to degenerate into physical violence. Again and again we must rise to the majestic heights of meeting physical force with soul force."

Die Kraft der Seele setzen gegen die rassistische Gewalt, die Aggression überwinden durch die Kraft der Liebe, eine Theorie, die sich reichlich illusorisch anhört, ein Traum, der aber erstaunliches in Bewegung brachte: der Traum der schwarzen Bevölkerung ein ganz neues Selbstbewusstsein vermittelte, der die Weißen zu einer Entscheidung zwang, weil er durch die Gewaltlosigkeit des Protests die Gewalt des rassistischen Systems demaskierte.

Ein Traum, der auf Staats- und Bundesebene die Aufhebung der Rassentrennung durchsetzte, die Colleges und die Wahlämter, die Behörden und den öffentlichen Raum für Schwarze zugänglich machte. Der große Traum aber des Martin Luther King, dass eines Tages die Menschen nicht mehr nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilt würden, er ist auch Jahrzehnte nach seiner Ermordung nicht erfüllt - weder in den USA noch sonst wo auf der Welt.

King: "I still have a dream that one day my four little children will one day live in a nation where they will not be judged by the color of their skin but the content of their character. I have a dream today (...)"

Autorin: Rachel Gessat
   
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