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30.3.1867: USA kaufen Alaska
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Die Kritiker waren sich einig. Der Kauf des Gebiets von Russisch-Amerika am 30. März 1867 war eine Riesendummheit: 7,2 Millionen Dollar in Gold für 1,5 Millionen Quadratkilometer Land. Ein Land voller Eisberge und voller Robben, deren Fell zugegebenermaßen noch ganz. nützlich war.

Gerade mal mit einer Stimme Mehrheit passierte dann der Verkaufsvertrag auch den Senat. Eine Stimme, der die Amerikaner in den nachfolgenden Jahren noch sehr dankbar sein würden. Doch dazu später.

Herbst 1853: Russland und die Türkei führen Krieg, Großbritannien und Frankreich stellen sich auf die Seite. der Türken. Aus einem kleinen Balkanscharmützel droht ein Groß-Krieg der europäischen Mächte zu werden. Das ferne Territorium der Russen jenseits der Bering-Straße, Russisch-Amerika genannt, ist schutzlos einem möglichen Angriff der britischen Marine ausgeliefert.

Einige Pelzhandelshandelshütten und ein paar militärische Forts - das ist alles, was der Zar in dem kaum besiedelten Territorium besitzt. Eine russisch-amerikanische Handelsgesellschaft hält das Gebietsmonopol. Diese wird 1854 beauftragt, rein theoretisch, wie man immer wieder betont, zu prüfen ob die USA an einem Kauf des arktischen Gebietes interessiert wären.

'Russland braucht Geld' ist die verdeckte Botschaft. Minister William Marcy und der kalifornische Senator William Gwin signalisieren Kaufbereitschaft Doch als sich die britische Regierung bereit erklärt, Russisch-Amerika explizit aus dem Krim-Krieg herauszuhalten, verschwinden die Verkaufspläne zunächst wieder.

Doch die Finanznöte des Zaren bleiben bestehen. Der vermeintlich geringe wirtschaftliche Nutzen des Territoriums fördert 1857 auf russischer Seite erneut das Nachdenken über einen Verkauf. Großfürst Constantin, ein Bruder von Zar Alexander II, will, dass Russland sich stärker auf die Innenpolitik konzentriert. Russisch-Amerika ist für ihn ein Luxus, den sich das Land nicht leisten kann.

Also wird dem Gesandten des Zaren in den USA, Eduard von Stoeckl, freie Hand gegeben, den Amerikanern auf geheimen Kanälen Verkaufsbereitschaft zu signalisieren. Aber diesmal kommt der amerikanische Bürgerkrieg dazwischen. Vier Jahre gehen ins Land - vier Jahre. in denen man sowohl in Russland als auch in den Vereinigten Staaten die Pläne und Verkaufsvorschläge vergisst.

Als 1866 aber der Aktienkurs der Russisch-Amerikanischen Handelsgesellschaft rapide fällt, die Firma praktisch bankrott ist und den russischen Staat um Hilfe ruft, da erinnert man sich wieder an die Pläne, das Territorium zu verkaufen. Noch immer ist Eduard von Stoeckl Gesandter des Zaren und in einem seiner Berichte heißt es:

"Die amerikanische Regierung wird keine Vorbehalte gegen den Kauf der Kolonie haben. Schließlich haben die Vereinigten Staaten Louisiana von Frankreich erworben, Florida von Spanien und Texas und Kalifornien von Mexiko abgekauft."

Am 16. Dezember 1866 beschließt man in Sankt Petersburg endgültig, Alaska zu verkaufen. Der amerikanische Außenminister William Seward ist ein begeisterter Expansionist; in einem Kauf von Russisch-Amerika sieht er die Herstellung von Ordnung auf dem Kontinent. Die Vertragsverhandlungen beginnen am 10. März und dauern gerade mal vier Tage.

Artikel 6 des Vertrags legt den Kaufpreis auf sieben Millionen US-Dollar in Gold fest. Von Stoeckl war instruiert worden, als Minimum fünf Millionen zu akzeptieren. Durch diverse Nebenbedingungen des Vertrages betrug der tatsächliche Kaufpreis dann schließlich 7,2 Millionen, das sind umgerechnet auf den Quadratkilometer gerade mal vier Dollar 80. Ein Preis, der sich gelohnt hat:

Alaska ist heute der größte Lachsproduzent der Welt, Hochburg der US-amerikanischen Holzproduktion und Alaska heißt im Volksmund längst "Oil-aska". Knapp zwei Millionen Barrel werden täglich aus den Ölfeldern des flächenmäßig größten US-Bundesstaates abgepumpt. Und auch Gold liegt noch reichlich in Alaskas Erde.

Kein Wunder also, dass der russische Politiker Alexei Dagatow sich 1997 zu einer öffentlichen Rückgabeforderung hinreißen ließ. Alaska sei gar nicht an die USA verkauft worden, sondern nur verpachtet.

Aber seit dem 3. Januar 1959 ist Alaska ganz offiziell der 49. Staat der USA. Und für einen Rückkauf, nun, dafür fehlt den Russen wohl immer noch das Geld.

Autor: Jens Teschke

   
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