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29.3.1912: Scott-Expedition endet tragisch
"Seit dem 21. hat es unaufhörlich aus West-Südwest und Südwest gestürmt. Wir hatten am 20. noch Brennstoff, um jedem zwei Tassen Tee zuzubereiten und trockene Kost auf zwei Tage. Jeden Tag waren wir bereit, nach unserem nur noch 20 Kilometer entfernten Depot zu marschieren, aber draußen vor der Zelttür ist die ganze Landschaft ein durcheinanderwirbelndes Schneegestöber. Ich glaube nicht, dass wir jetzt irgendwie auf Besserung hoffen können. Aber wir werden bis zum Ende aushalten; freilich werden wir schwächer und der Tod kann nicht mehr fern sein. Es ist ein Jammer, aber ich glaube nicht, dass ich noch weiter schreiben kann."

Es war eine große menschliche Tragödie, die sich am 29. März des Jahres 1912 in der Antarktis abspielte. Der Verfasser dieser Zeilen, der Brite Robert Falcon Scott starb gemeinsam mit zwei Mitgliedern seiner Expeditionsmannschaft in einem kleinen Zelt inmitten einer unwirtlichen Eiswüste. Nur noch einen weiteren Satz schrieb er mit erfrorenen Fingern in sein Tagebuch, das man später fand: "Um Gottes willen - sorgt für unsere Hinterbliebenen!"

Scott starb rund zwei Monate nachdem er den Südpol erreicht hatte, im Schneesturm und auf dem Rückweg von einer Expedition, die ihm eigentlich Anerkennung und Ruhm bringen sollte. Eine erste Tragödie hatte sich schon an jenem 16. Januar ereignet, als die - damals noch fünf Männer - den südlichsten Punkt der Erde erreicht hatten. Im Tagebuch notierte Scott:

"Da erblickte Bowers vor uns einen schwarzen Fleck! Ein natürliches Schneegebilde war das nicht - konnte es nicht sein - das sahen wir nur zu bald! Geradewegs marschierten wir darauf los und was fanden wir? Eine schwarze, an einem Schlittenständer befestigte Fahne! In der Nähe ein verlassener Lagerplatz - Schlittengleise und Schneeschuhspuren kommend und gehend - und die deutlich erkennbaren Eindrücke von Hundepfoten - vieler Hundepfoten - das sagte alles! Die Norweger sind uns zuvorgekommen - Amundsen ist der erste am Pol!"

Nach einer mehrere tausend Kilometer langen Reise, die übermenschliche körperliche und seelische Kräfte erforderte, bei der die Männer Entbehrungen aller Art erlitten hatten - Kälte, Erfrierungen, Hunger, waren sie entkräftet, aber zunächst voller Zuversicht am Pol angekommen. Doch dann folgte der Schock: Amundsen war ihnen um einen Monat zuvorgekommen.

Scott notierte in dieser niederschmetternden Stunde: "Alle Gedanken, die in uns aufstiegen, alle Worte, die fielen - alles endete mit dem einen furchtbaren: zu spät! Und als es dann stille wurde im Zelt - da brüteten wir gewiss alle über der einen finsteren Vorstellung: Mir graut vor dem Rückweg!"

Dass Scott und seine Begleiter den Rückweg nicht mehr schafften, hatte mehrere Gründe. Der kurz vor dem rettenden Lebensmitteldepot über sie hereinbrechende Sturm war nur einer davon. Die angeknackste Psyche nach der Enttäuschung am Pol sicher ein anderer. Doch Scott war bei aller akribischen Planung im Vorfeld der Expedition auch ein entscheidender Fehler unterlaufen: Während Amundsen bei seinem Marsch zum Südpol auf Schlittenhunde setzte, hatte Scott auch Motorschlitten und Ponys mitgenommen. Das sollte sich als fataler Irrtum erweisen. Die Schlitten gaben in der arktischen Kälte schnell den Geist auf, die Ponys mussten erschossen werden, weil sie mit den klimatischen Bedingungen nicht zurechtkamen. Das raubte den Männern entscheidende Kräfte.

Für Scott und seine Mannschaft mag es im nachhinein ein Trost sein, dass die Welt ihn ebenso in Erinnerung behalten hat wie den Südpolbezwinger Amundsen. Und aufgrund der tragischen Umstände ist es der Brite, der in die Herzen der Menschen eingegangen ist und nicht der Norweger.

Autor: Jochen Kürten
   
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