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24.3.1969: Schlafen für den Frieden
Die Präsidentensuite des Amsterdamer Hilton-Hotels im Frühjahr 1969: Ein Journalist gratulierte John Lennon: "Well, first of all, let me say congratulations on your marriage and that in Dutch is Gefiliciteerd met je getrouw."

Frisch vermählt verbrachten John Lennon und Yoko Ono dort ihre Flitterwochen und funktionierten sie in einen ungewöhnlichen Friedensprotest um. Am 24. März gaben John Lennon und Yoko Ono im Bett liegend Presseleuten aus aller Welt Interviews.

Sieben Tage lang verbrachten John Lennon und Yoko Ono im Bett, um gegen die Gewalt in aller Welt zu protestieren. Es war für Lennon ein weiterer Schritt der Loslösung von den Beatles, die bereits 1966 begonnen hatte, als die einzelnen Beatles eigene Projekte zu verwirklichen begannen und Lennon die japanische Avantgarde-Künstlerin Ono in London kennen lernte.

Botschaft für den Frieden

Anfang 1969 trafen sich die Beatles zu Film- und Schallplattenaufnahmen in den Londoner Twickenham Studios. Yoko Onos Versuche, bei diesen Sessions mitzuwirken, stießen bei George Harrison, Ringo Starr und vor allem bei Paul McCartney auf Ablehnung. John Lennon zog sich daraufhin noch mehr von den übrigen Beatles zurück und heiratete am 20. März Yoko Ono auf Gibraltar. Dort kamen sie auch auf die Idee, den mit ihrer Hochzeit verbundenen Medienrummel mit dem Bed-in in Amsterdam für den Frieden zu nutzen.

John Lennon erklärte damals im Amsterdamer Hotel: "Uns geht es darum, der Welt und vor allem der Jugend und denen, die für Frieden und gegen Gewalt protestieren wollen, eine Botschaft zu übermitteln. Auf intellektueller Ebene sind alle für den Frieden. Jeder redet vom Frieden, aber keiner tut etwas dafür. Mit diesem Bett-Happening in Amsterdam zeigen wir den Leuten, was man alles machen kann, um zu protestieren. Man kann sich die Haare für den Frieden wachsen lassen oder auf eine Woche Urlaub für den Frieden verzichten. Auf jeden Fall lässt sich Frieden nur mit friedlichen Mitteln erreichen. Das Establishment mit seinen eigenen Waffen zu bekämpfen wäre ein Fehler. Das Spiel gewinnen sie immer, seit Tausenden von Jahren. Sie kennen sich im Umgang mit der Gewalt zu gut aus. Wenn sie dich ausmachen, bringen sie dich um. Aber mit Humor, mit friedlichem Humor können sie nicht umgehen, Das ist unsere Botschaft."

"Bed Peace. Hair Peace. Hair Peace. Bed Peace"

Zurück in London planten Lennon und Ono ein ähnliches Bed-Happening in den Vereinigten Staaten. Sie wollten sich Ringo Starr, Peter Sellers und weiteren Mitwirkenden des Films "Magic Christian" anschließen, als diese auf dem berühmten Passagierschiff "Queen Elisabeth II" von England nach New York fuhren.

Das Gepäck der Lennons war schon an Bord, als die Einreisegenehmigung in die USA verweigert wurde. Man teilte Lennon mit, dass er wegen eines Drogendeliktes unerwünscht sei. Kurzerhand verlegten John und Yoko ihr geplantes Bed-I nach Montreal. Im dortigen Queen-Elizabeth-Hotel ließen sie sich für zehn Tage nieder und nahmen im Juni 1969 im Bett des Hotelzimmers Nr. 1742 den Titel "Give Peace A Chance" auf.

Lennons Friedenskampagne erstreckte sich über fast zehn Monate, von März bis Dezember 1969. Dabei fand er, unterstützt durch Yoko Ono, immer wieder neue Möglichkeiten, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. So schickte er im November 1969 seinen Orden "Member of the Order of the British Empire" an den Buckingham Palace zurück, um damit u. a. gegen die britische Einmischung in Biafra und die Unterstützung der US-Amerikaner im Vietnam-Krieg zu protestieren.


Autor: Michael Kleff
   
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