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21.3.1919: Eröffnung des "Bauhaus" in Weimar
Oskar Schlemmer, die expressionistischen Maler Paul Klee und Wassily Kandinsky, der Architekt Walter Gropius, sie alle gehörten zum so genannten "Bauhaus" - und "Bauhaus" war mehr war als nur eine Kunstbewegung.

"Es gab ja sogar ein Sprichwort in Weimar, wenn ein Kind nicht artig war, dann konnte ihm seine Mutter drohen, wenn du so weiter machst, dann kommst du in das Bauhaus. Das war ja gleich wie Irrenhaus oder Irrenanstalt fast", erzählte ein Stadtführer in Weimar. Denn die Baushäusler mit ihren neuen Ideen, und ihrer merkwürdig klingenden Musik waren den Weimarern suspekt.

1919 gründete der Architekt Walter Gropius als Leiter der großherzoglichen Kunstgewerbeschule in Weimar das "Bauhaus", eine künstlerische Lehranstalt mit avantgardistischen Ideen. So wurde zum Beispiel die bis dahin gültige Trennung von Kunst und Handwerk aufgehoben. Gemeinsam wollte man die Lebensbedingungen der Menschen mit einfachen Mitteln verbessern. Ein Experimentierfeld für Lehrende und Studierende. Walter Gropius sagte 1968: "Es lag mir ganz besonders daran, was ich immer nenne, die Autonomie des Lernprozesses zu zeigen. Das heißt, dass der Studierende daran verhindert wird seinen Meister zu imitieren. Was der Lehrer tun kann ist stimulieren, aber das ist alles. Sonst muss er sich selber aufbauen."

Das Haus am Horn

Es war die Zeit der Wirtschaftskrise und gleichzeitig eine Zeit der wachsenden Industrialisierung. "Bauhäusler" entwickelten den Gedanken, mit einfachen Formen Gebrauchsgegenstände kostengünstig in Serie zu produzieren. Das gleiche Prinzip übertrugen sie auf die Architektur. Einfache Bauteile sollten beliebig kombiniert werden, um Häuser billig zu gestalten.

Das einzige Muster "Bau-Haus", das in Weimar je gebaut wurde, ist das Haus am Horn. Vom Maler und Bauhausmeister Georg Muche entworfen wurde es 1923 mit Hilfe sämtlicher Studenten in nur einem Jahr Bauzeit fertig gestellt.

Georg Muche erinnerte sich 1979 in einer Sendung des damaligen DDR- Fernsehens: "Da brachten die in der Nacht alle Gegenstände, die sie gemacht hatten, hier durch den Park herauf, und ich war nun gespannt und neugierig, wie das denn aussehen würde. Die Maße stimmten zwar, das wusste ich, aber wie es wirken würde, das wusste ich nicht. Es hatten so viele gemacht, aber alle aus demselben Impuls, alle wollten neue Formen haben und so stimmt das dann zusammen."

Unter dem Schutz der Unesco

Wie ein Tempelbau mit quadratischem Aufsatz in der Mitte liegt das Haus auf einer Anhöhe. Auf den ersten Blick ein gewöhnlicher Bungalow. Auch das Innere wirkt nüchtern. Statt der Fenster in Augenhöhe ragt der Mittelraum über das Dach der umliegenden Räume hinaus und erhält seine Helligkeit durch Oberlichter, was dem ganzen den Eindruck einer Amtsstube gibt.

1971 zog Marlis Grönwald mit ihrer Familie in das Haus am Horn, das heute Museum ist. Zusammen mit Hochschulkollegen beantragte ihr Mann, Professor Bernd Grönwald, noch zu DDR Zeiten das Musterhaus auf die Weltkulturerbeliste zu setzen. Seit 1996 stehen sowohl die Weimarer Bauhausuniversität und das Haus am Horn als auch die Bauhausgebäude in Dessau unter dem Schutz der Unesco. Doch bis dahin war es ein langer Weg.

Die konservativen Weimarer hatten für die Bauhäusler und ihre neuen Ideen damals nicht viel übrig. 1925 strichen die Stadtväter die finanziellen Zuschüsse und vertrieben das Bauhaus. Viele Ideen, die in Weimar entstanden waren, wurden am neuen Standort in Dessau verwirklicht. Zum Beispiel ein neues Universitätsgebäude nach den Plänen von Walter Gropius.

Dessau und Weimar

1932 hatte die deutsch-nationale Mehrheit im Landtag entschieden, die "undeutsche" Schule in Dessau zu schließen. Während die Bauhausuniversität in Weimar heute eine Hochschule mit Lehrbetrieb ist, hat man in Dessau eine "Stiftung Bauhaus" gegründet, die sich mit Forschung und Gestaltung befasst. In Anlehnung an die früheren Ideen soll das Bauhaus in Dessau heute wieder Lebensentwürfe schaffen. Allerdings nicht für eine Welt, die von der Industrialisierung geleitet wird, sondern für eine Welt, in der die Schäden der Industrialisierung behoben werden müssen.

Autorin: Gaby Reucher
   
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