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14.3.1892: Erster deutscher Gewerkschaftskongress
14. März 1892: im Tanzsaal einer Kneipe in Halberstadt eröffnet Carl Legien die "Gründungskonferenz der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands". 57 Einzelverbände bestellen hier ihren ersten Dachverband. Legien und seine Getreuen haben unendliche Mühen und Verfolgungen hinter sich, bis es zu diesem Tag gekommen ist.

Noch 1878 hat der Reichskanzler Otto von Bismarck das "Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie" - das so genannte "Sozialistengesetz" - im Reichstag durchgesetzt. Bis zu dessen Ende 1890 werden auch zahlreiche Gewerkschaften aufgelöst und verboten.

Dennoch zählen diese Gewerkschaften in Deutschland um 1900 herum bereits etwa 850.000 Mitglieder. Unter ihnen setzt sich der Gedanke durch, die Gesellschaft nicht durch Revolutionen, sondern durch Reformen zu verändern. Allerdings muss zunächst der Erste Weltkrieg zu Ende gehen, ehe sie 1918 offiziell als Vertreter der Arbeiter anerkannt werden. 1933 werden die Freien Gewerkschaften von den Nazis zerschlagen, christliche und liberale Verbände zur Selbstauflösung gezwungen.

Bald nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges beginnen sich die Arbeitnehmer neu zu organisieren - im Westen sind die Gewerkschaften frei, im Osten Deutschlands werden sie der Herrschaft der kommunistischen SED unterworfen.

Inzwischen sind sie weit über ihre ursprünglichen Ziele hinausgewachsen, die soziale Situation ihrer Mitglieder zu verbessern - also zum Beispiel Lohnerhöhungen und Arbeitszeitverkürzungen durchzusetzen. Vielmehr weist der Pressesprecher des DGB, Bernhard Schulz, auf die Notwendigkeit hin, die Interessen von Beschäftigten und von Arbeitslosen auch gegenüber der Politik wahrzunehmen:

"Das findet am deutlichsten seinen Niederschlag im Bündnis für Arbeit, wo wir uns zum Ziel gesetzt haben, die Arbeitslosigkeit deutlich zu reduzieren. Aus der Erfahrung der Vergangenheit aber auch sagen: es geht nur gemeinsam. Wenn alle das gegeneinander betreiben, dann ist das nicht sehr effektiv."

Rückblickend auf mehr als 50 Jahre Demokratie in Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges haben die Gewerkschaften für sie durchaus wichtige Ziele durchgesetzt. Dazu gehören nach Darstellung von Schulz in erster Linie zwei Themenfelder. Das erste: "Das, was wir in 50 Jahren an Mitbestimmungsmöglichkeiten in der Bundesrepublik auf betrieblicher Ebene durchgesetzt haben."

Einen weiteren grundlegenden Erfolg sehen die Gewerkschaften darin, den Lebensstandard der Beschäftigten der allgemeinen - in erster Linie wirtschaftlichen - Entwicklung der Bundesrepublik angeglichen zu haben.

Natürlich hat sich für die Gewerkschaften nicht nur in Deutschland ein neues Problemfeld aus dem ergeben, was unter dem Stichwort "Globalisierung" der Wirtschaft zusammengefasst wird. Daraus ist zunächst in Europa ein größerer Koordinierungsbedarf zwischen den nationalen Arbeitnehmer-Vertretungen entstanden, der grenzüberschreitende Konsequenzen hat. Dazu noch einmal der Gewerkschaftssprecher:

"Ich nenne als Beispiele 'Europa-Betriebsräte', Richtlinien über Arbeitsschutzmaßnahmen, die europaweit gelten. (...) Und auf der tariflichen Ebene sieht das ja mittlerweile so aus, dass in einzelnen Branchen und Regionen schon über die Grenzen hinaus Tarifkommissionen zusammengesetzt sind, um zu überlegen, wie können wir mit dieser eigentlichen Konkurrenzsituation über die Grenzen hinweg zurechtkommen."

Tatsache ist allerdings auch, dass trotz der über die nationalen Grenzen hinauswachsenden Aufgaben der Gewerkschaften deren Mitgliederzahlen in Deutschland gesunken sind. Erklärt wird das einmal mit dem Abbau von Arbeitsplätzen; zum anderen aber auch damit, dass die Gewerkschaften offenbar deutliche Schwierigkeiten haben, Mitglieder da zu organisieren, wo sich Zukunftsperspektiven auftun und wo sich Mitspracheform und Beteiligungsform verändert haben. Das gilt insbesondere im Bereich von jungen Menschen, von Frauen und von Hochqualifizierten. Hier soll - wie der DGB-Vorsitzende Dieter Schulte erläuterte - unter anderem mit einer Zehn-Millionen-Mark-Kampagne "der Sinn gewerkschaftlicher Arbeit im öffentlichen Bewusstsein neu" geprägt werden.

Autor: Otto Busch
   
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