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27.1.1973: Vietnamkrieg beendet
Von Napalmbomben verbrannte Vietnamesen, der Kopfschuss des Saigoner Polizeipräsidenten aus nächster Nähe, das Massaker von My Lai durch Soldaten der US-Armee: Die Wirklichkeit des Vietnamkriegs. Über eine Mio. Vietnamesen und 55.000 US-amerikanische Soldaten starben im Verlauf der militärischen Auseinandersetzung.

Die Hoffnungen waren daher groß, als am 27. Januar 1973 die Außenminister Nordvietnams und der Vereinigten Staaten das Vertragswerk unterschrieben. Denn mit dem Pariser Waffenstillstandsabkommen schien das Ende des Vietnamkrieges gekommen.

Das Waffenstillstandsabkommen

US-Präsident Richard Nixon wollte damit die militärische Intervention der Vereinigten Staaten in Indochina beenden: "Ich spreche heute Abend in Radio und Fernsehen, um anzukündigen, dass wir ein Abkommen geschlossen haben, das den Krieg beenden und einen ehrenhaften Frieden für Vietnam und Südostasien bringen soll. Während der kommenden 60 Tage werden alle amerikanischen Streitkräfte aus Südvietnam abgezogen. Wir müssen anerkennen, dass die Beendigung des Krieges nur ein erster Schritt zum Frieden sein kann. Alle Kriegsparteien müssen jetzt begreifen, dass dies ein dauerhafter und heilsamer Frieden ist."

Das Waffenstillstandsabkommen sah zunächst den vollständigen Abzug der US-Streitkräfte vor. Im Gegenzug verpflichtete sich Nordvietnam, alle US-amerikanischen Kriegsgefangenen freizulassen. Außerdem erkannte Hanoi das Recht Südvietnams auf Selbstbestimmung an. Schließlich wurde vereinbart, einen nationalen Versöhnungsrat einzuberufen: Unter dem Vorsitz des südvietnamesischen Präsidenten Thieu sollten mit den Vietcong, also den Kommunisten im Süden, und anderen oppositionellen Gruppen freie Wahlen in Südvietnam durchgeführt werden.

Der Pariser Vertrag

Zu den Architekten des Pariser Vertrages gehörten die beiden Chefunterhändler Le Duc Tho für Nordvietnam und Nixons Sonderbeauftragter Henry Kissinger. Beide erhielten später für ihre Initiative den Friedensnobelpreis. Vor allem Kissinger war es, der den Wandel in der US-Außenpolitik vorantrieb. Nicht ein kommunistisches Vietnam gefährde die Interessen der USA, so sein Argument, sondern die Verstrickung in einen unlösbaren Konflikt.

Auch der damalige deutsche Bundeskanzler Willy Brandt begrüßte in einer Regierungserklärung das Pariser Abkommen: "Die Bedingungen für den Weltfrieden sind dadurch günstiger geworden. Die befreiende Wirkung für Millionen direkt betroffener Menschen empfinden wir mit. Die unglücklichen Menschen in Vietnam haben fast eine Generation lang unter Krieg und Bürgerkrieg schwer leiden müssen."

Kurz vor dem Abschluss der Verhandlungen hatte Präsident Nixon noch einmal Nordvietnam bombardieren lassen. Die Ende Dezember 1972 begonnene "Weihnachtskampagne", wie es zynisch-verklärend in der Sprache der US-Militärs hieß, gehörte zu den schwersten Luftangriffen des gesamten Krieges. Einer der B-52-Piloten umschrieb das so: "Es ist nur ein Job. Andere Leute liefern Milch, ich liefere Bomben."

Der Pseudowaffenstillstand: Makulatur

Doch das Waffenstillstandsabkommen blieb wirkungslos. Nach Abzug der letzten US-Truppen versuchten alle Kriegsparteien, die von ihnen kontrollierten Gebiete mit Waffengewalt zu vergrößern. Als die USA auch ihre finanzielle Hilfe für Südvietnam einstellten, löste sich deren Armee rasch auf. Am 21. April 1975 schließlich trat deren Präsident Thieu zurück. Neun Tage später wurde Saigon von Einheiten Nordvietnams und des Vietcong besetzt. Der Pseudowaffenstillstand vom Januar 1973 war längst Makulatur.


Autor: Michael Marek
   
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