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18.1.1993: "Focus" erscheint
Es war nicht der erste Versuch, dem "Spiegel" in Hamburg Konkurrenz zu machen: etwa 50 ähnliche waren dem schon vorausgegangen - und alle kläglich an der Überlegenheit der Blattmacher aus Hamburg gescheitert.

Anders erging es "Focus". Dies alles ist in erster Linie das Verdienst eines Mannes. Er heißt Helmut Markwort und ist Gründer, Chef und "Kopf" des ganzen Unternehmens. Markwort hat Journalismus von der Pike auf als Volontär und in verschiedenen Lokalredaktionen gelernt. Er sagte darüber in einem Gespräch mit der Deutschen Welle: "(...) dann bin ich übergestiegen ins Illustriertengeschäft und wurde Düsseldorfer Nordrhein-Westfalen-Büroleiter vom "Stern", zwei Jahre Reporter beim "Stern" und dann bin ich zu den Zeitschriften gegangen. (…) ich bin seit mehr als 40 Jahren Journalist."

Nachrichten zum "Danach-Richten"

Mit keinem Wort hatten die "Spiegel"-Macher den Konkurrenten in ihrer Montags-Konferenz erwähnt als "Focus" 1993 auf dem Markt erschien. "Aufbewahren, hat Seltenheitswert", soll damals Rudolf Augstein seinen Mitarbeitern geraten haben. Mit ihnen waren viele in der Branche der Überzeugung, dass dieser Neuling nicht nur nicht überlebensfähig, sondern wohl auch nicht überlebenswürdig sei. "Ein Parvenu im Blätterwald", der sich da bunt und lebhaft am Kiosk neben den steifen "Spiegel" klemmt - so lachten viele, denen das Lachen mittlerweile vergangen ist.

Überaus bunt, kleinteilig in der Aufmachung, voller Bildchen, Balken, Tabellen und Grafiken - "und das auch noch für die Info-Elite" spotteten die Kollegen. Markwort verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass "Focus" das Thema "Nachrichtenmagazin" erweitert habe. Nicht nur die Nachrichten aus dem täglichen Koalitionsgezänk seien in seinem Blatt zu finden, sondern auch Nachrichten zum "Danach-Richten". Dazu gehören zum Beispiel die Listen über die besten Ärzte und die besten Anwälte; um die es übrigens zunächst sehr heftige juristische Auseinandersetzungen gegeben hat.

"Fakten, Fakten, Fakten - und immer an die Leser denken", trompetete der Chefredakteur höchstpersönlich in den Werbespots des Fernsehens. "Informationsorientierten Journalismus" soll geboten werden.

Ein Riesenerfolg

Auf die Frage nach dem politischen Standort von "Focus" meinte er zwar, mit dem Parteiprogramm dieser oder jener Gruppe könne man sich nicht identifizieren, aber: "Das ist eher ein liberales Blatt (...). Wir sind absolute Anhänger der Marktwirtschaft. Wir wollen weniger Staat, wir wollen freie, verantwortungsvolle Bürger und für die schreiben wir auch und die mögen auch 'Focus'."

Markwort sieht seine Leser in der "Info-Elite", wie er sie nennt. Soziografisch aufgeschlüsselt nach den vorliegenden Untersuchungen seien es Leute: "(...) denen es ziemlich gut geht, die gut gebildet sind, die Freude an Innovation haben und die gern vorwärts kommen möchten. Die suchen auch Nachrichten, die ihnen im Leben, im Beruf, auch in ihrem sozialen Umfeld weiterhelfen".

Nicht immer und überall hat "Focus" die Nase vorn - kann es auch gar nicht haben. Insgesamt aber ist das Blatt ein Riesenerfolg, an den zu Anfang nicht einmal der Chefredakteur selbst zu glauben wagte. Sein Ehrgeiz, so bekennt er, ist es nicht, andere Blätter zu überholen. Vielmehr möchte er ein erfolgreiches Blatt im Markt positionieren. Und das möchte er gern verteidigen.


Autor: Otto Busch
   
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