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10.1.1971: Coco Chanel stirbt
Paris 1919: Coco Chanel eröffnet ihr Modehaus in der französischen Hauptstadt. Hier residiert fortan die Königin der Modewelt, deren sich spiegelnde Initialen als Symbol für weibliche Eleganz und gleichzeitige Emanzipation gelten.

Die französische Modedesignerin hat in der Welt der Damenmode ihre persönliche Revolution vorangetrieben, hat radikal gebrochen mit einem von Männern entworfenen und erdachten Damenbild, um ihre eigene Vorstellung von Weiblichkeit und Eleganz an die Frau zu bringen. "Ich habe dem Körper der Frau die Freiheit wieder gegeben", so Coco Chanels Bekenntnis.

Frauen nicht in Hosen

Coco Chanel wird als die Jeanne d'Arc der Mode gefeiert. Ihre Vorstellung von weiblicher Mode hat Coco Chanel selbst mit diesen Worten geschildert: "Ich bin gegen Hosen! Auf dem Lande kann man sie gerne tragen, aber wie ein Mann gekleidet durch die Straßen zu spazieren, ich weiß nicht, was das soll? Frauen in Hosen geben hässliche Männer ab. Hosen machen Frauen hässlich, es ist an der Zeit an die Weiblichkeit zu denken. Frauen sind stark, wenn sie weiblich sind."

Coco Chanel ist eine starke Frau. Sie wird am 19. August 1883 in Saumur geboren, als zweite uneheliche Tochter des Hausierers Albert Chanel und seiner Geliebten Jeanne Devolle. Als Gabrielle zwölf Jahre alt ist, stirbt ihre Mutter, die Kinder kommen in ein Waisenhaus, und der Vater ward nie wieder gesehen.

Im Kloster beginnt sie das Schneidern

Mit 18 kommt sie in ein Kloster nach Moulins, dort beginnt sie zu nähen und zu schneidern. An den Beginn ihrer Karriere erinnert sich Coco Chanel später so: "Ich war 18, als ich zum ersten Mal in Erscheinung trat in der Modewelt. Ich war damals Klosterschülerin, und ich besaß nichts anderes als die Kleidung, die ich mir selber maßgeschneidert hatte. Und darin lag der Erfolg, alle drehten sich nach mir um. Da sagte ich mir, wenn den Leuten meine Entwürfe so gut gefallen, dann kann ich das auch herstellen und verkaufen. 1910 habe ich das Haus Chanel gegründet. Schon am Morgen nach der Eröffnung war alles ausverkauft. Ich selbst war damals eher schlank, und habe bei meinen Entwürfen auf Korsetts und derartige Dinge verzichtet. Manche Sachen waren ja sehr schön, aber ich hatte da nichts hineinzustecken, und das war mir immer etwas peinlich."

Chanel prägt einen Stil, der wiederum ein Frauenbild prägt: schnörkellos, sportlich und geradlinig. Der Rocksaum wandert in die Höhe, frau zeigt Bein und vor allem ihre natürliche Silhouette. Coco Chanel verbannt Korsetts und lange Röcke aus ihren Kollektionen, ihre Mode ist zweckmäßig und schwarz ihr Lieblingsfarbe.

Keine Zeit zum Kleidermachen

Dann kommt der Zweite Weltkrieg. "Keine Zeit zum Kleidermachen", befindet Mademoiselle Chanel, 57-jährig, und schließt ihr Pariser Modehaus. Der Mann an ihrer Seite während dieser Jahre ist der deutsche Diplomat Hans Günther von Dincklage.

1943 unternimmt Coco Chanel einen Versuch, ihre Beziehungen für den Frieden einzusetzen: Sie ist mit dem britischen Premier Churchill bekannt und möchte diesen zu einem Sonderfrieden mit Hitlerdeutschland bewegen. Das "Unternehmen Modellhut" wird im April 1943 in Berlin gestartet und scheitert im Dezember desselben Jahres, nachdem Churchill sich geweigert hat, sie zu empfangen.

Chanel bleibt Chanel

Nach dem Krieg kehrt sie, 70-jährig, nach Paris zurück, eröffnet ihr Modehaus und erntet mit ihrer ersten Kollektion vernichtende Kritiken: Unmodern und spießig sei sie, befinden die Kritiker. Doch Mademoiselle bleibt die Antwort nicht schuldig. Ein Jahr später präsentiert sie ihren noch immer ungeschlagenen Klassiker: Das Chanel-Kostüm, bequemer Rock, hüftlange Jacke mit Goldknöpfen und kleinen Taschen.

1971 stirbt Coco Chanel im Alter von 87 Jahren in ihrem Appartement im Hotel Ritz. Ihr gespiegeltes Doppel-C ziert inzwischen selbst Gummistiefel und Minibikinis. Hier hört allerdings die Eleganz auf, deren Verfechterin Coco Chanel stets war, und deren Leitmotiv für Damenmode lautete: "Eine Frau muss jederzeit in der Lage sein, im Laufen einen Bus zu erreichen."


Autorin: Mirjam Gehrke
   
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