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1.1.1829: Konrad Duden geboren
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Das Portrait des alten, weißbärtigen Mannes täuscht: Konrad Duden war nicht der typische Gymnasial-Pauker - und auch nicht der gütige Großvater der deutschen Rechtschreibung. Konrad Alexander Friedrich Duden, am 3. Januar 1829 bei Wesel am Niederrhein geboren, war bis ins hohe Alter von über achtzig Jahren hinein ein aktiver, moderner Mann, ein fortschrittlicher Lehrer. Er war ein Reformer mit revolutionären Ideen.

Das bestätigt im Mannheimer Bibliografischen Institut Dr. Matthias Wermke, Leiter der Dudenredaktion: "Konrad Duden ist nach allem, was man weiß, ein ausgesprochen engagierter Pädagoge gewesen, vor allem auch ein sehr beliebter. Er war geradezu revolutionär veranlagt, wenn ich das so sagen darf, im Hinblick auf seine ursprünglichen Forderungen an eine deutsche Rechtschreibung, die ihm eine Rechtschreibung für das einfache Volk sein sollte - nicht etwa für die Gebildeten, für die höheren Klassen, wie es damals geheißen hat, sondern für das einfache Volk."

Gutes Deutsch und Sicherheit in der Rechtschreibung, das weiß Konrad Duden, gehören zu den Voraussetzungen für ein erfolgreiches Leben im heraufziehenden Industriezeitalter, aber auch: moderne Fremdsprachen und Kenntnisse in den Naturwissenschaften.

Als Schuldirektor im thüringischen Schleiz und später in Hersfeld, in der preußischen Provinz Hessen-Nassau, entspricht er geradezu vorbildlich den Anforderungen einer sich demokratisierenden Gesellschaft. Er tritt für konfessionelle Toleranz ein, engagiert sich in öffentlichen Angelegenheiten und gründet volkshochschulähnliche Bildungsvereine. Für Schüler, die nicht studieren wollen, richtet er erstmalig Realschulklassen ein, in denen berufsbezogen ausgebildet wird, und auf ihn geht auch die Verlängerung der Schulzeit für Abiturienten auf 13 Jahre zurück.

Es waren bewegte politische Jahre damals. Hautnah erlebt Duden Ausbruch und Niedergang der 48er Revolution, den Beginn des industriellen Zeitalters, den deutsch-französischen Krieg von 1870/1871 und die Reichsgründung. Während all dieser Jahre setzt er sich unermüdlich für die Vereinheitlichung der Orthographie ein: 1871 und 1872 erscheinen seine ersten Veröffentlichungen zur deutschen Rechtschreibung, 1876 nimmt er an der Rechtschreibe-Konferenz in Berlin teil, 1880 dann erscheint in Leipzig der erste "richtige" Duden: "Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache".

Beharrlich, aber kompromissbereit widersteht Konrad Duden auch prominenten Gegnern, so Dr. Mathhias Wermke: "Einer der bekanntesten Gegner, vor allem der preußischen Rechtschreibung interessanterweise, war Bismarck, Reichskanzler Bismarck, der sich für die Vorschläge von 1876 überhaupt nicht erwärmen konnte."

Zu den Gegnern einer einfacheren Rechtschreibung gehörten konservativ orientierte Kreise, die oft in Unkenntnis der Sprachgeschichte meinten, Duden und Seinesgleichen vergingen sich am Deutschen. Skeptisch waren auch etliche Schriftsteller.

Als Lehrer und Schuldirektor war Dr. Konrad Duden wegen seiner fachlichen Kompetenz und seines pädagogischen Einfühlungsvermögens anerkannt und beliebt. Als Verfechter einer modernen Rechtschreibung wurde er prominent und war bald hoch angesehen. Sein orthographisches Regelwerk kann auch als gesellschaftliches Reformwerk gelten: Weiten Bevölkerungskreisen erschloss es neue Bildungs-Chancen: "Der Duden ist sehr schnell eine Art Volkswörterbuch geworden."

Und das ist er uneingeschränkt noch immer. Er hat die politische Trennung Deutschlands mit einem eigenen DDR-Lektorat in Leipzig und der Duden-Redaktion Mannheim in der Bundesrepublik überstanden und erscheint nach der Wiedervereinigung wieder als das einheitliche Standardwerk für die deutsche Rechtschreibung. Dieses umfangreiche Werk erläutert in seiner aktuellen Auflage ausführlich die neuen Rechtschreibregeln mit ihren zahlreichen Schreibvarianten. Diese haben in der Duden-Redaktion einige Bedenken hinterlassen. Konrad Duden hatte ja für eine einheitliche Rechtschreibung gekämpft.

Dr. Matthias Wermke: "Mit der Neuregelung wird nun in diesem Punkt, nach der Einschätzung der Duden-Redaktion, durchaus ein gewisser Rückschritt getan."

Autor: Hanno Murena

 
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