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8.12.1985: "Lindenstraße"
Begeisterung und Ablehnung spielen bei den Zuschauern seit dem Start der Serie 1985 gleichermaßen mit. Damals äußerten sich Zuschauer zu dem neuen Format, das ein Dauerbrenner werden sollte, zur "Lindenstraße", folgendermaßen:

"Sehr geehrter Herr Geißendörfer, ich bin ein großer Fan von der Lindenstraße. Es ist ganz toll, wie Sie da die ganzen Probleme ansprechen, die alltäglich in unserer Welt passieren."

"Es muss für einen echten Schauspieler ein Segen sein, aus dieser Primitiv-Serie des größenwahnsinnigen Herrn Geißendörfer, gegen die Dallas und Denver geradezu Filmklassiker sind, aussteigen zu können."

"Ich wünsche mir für mich und alle anderen Lindenstraßen-Fans, dass die Serie niemals zu Ende geht und wir darauf nie verzichten müssen."

"Wer sich einmal richtig über das Fernsehprogramm ärgern will, sollte sich die Lindenstraße anschauen."

Spiegelung des realen Lebens

Welchen Anspruch hatte der Regisseur Hans W. Geißendörfer an die Lindenstraße? Er sagte in einem Interview 1999: "Dinge, die jedem einzelnen Zuschauer auch wirklich passieren können und ihm vielleicht schon passiert sind, sind Gegenstand der Handlung. Das Land soll sich irgendwie wieder finden, die Menschen sollen sich wieder erkennen in dieser Serie. Es wird auch mal klargemacht, dass es aus bestimmten Konflikten kein Entrinnen gibt. Und dass es auch mal eine Katastrophe gibt oder eben ein Konflikt in der Katastrophe endet und nur durch das Chaos quasi der Neuanfang entstehen kann."

Katastrophen und Konflikte hat es nun in der Tat genug gegeben. Nicht nur, dass die Vorzeigefamilie Beimer auseinanderbrach, auch der Tod ist ständiger Begleiter der Serie. Ob Krebs oder Aids, ob Unfall, Mord oder Selbstmord, der Sensenmann schlägt unermüdlich zu, die Zahl seiner Opfer werden auch die treuesten Fans kaum nachhalten können. Das muss wohl auch so sein, denn erstens sind viele Schauspieler der ersten Stunde längst abgesprungen oder aber auch verstorben, und zweitens lebt die Serie von immer neuen Typen, die frischen Wind in die Münchener Filmstraße bringen.

Darsteller der ersten Stunde

Eine Filmstraße, die in Wirklichkeit übrigens in Köln steht. Die Serie aber lebt auch von der Beständigkeit. Die Zuschauer erinnern sich noch an Typen der ersten Stunde: den militaristischen und ewig Gestrigen Onkel Franz, dargestellt von Martin Rickelt, oder die intrigante und bis zur Peinlichkeit neugierige Hausmeisterin Else Kling, dargestellt von Annemarie Wendl. In einem Interview von 1999 sagte der 2004 verstorbene Martin Rickelt zu seiner Rolle als Onkel Franz:

"Diese Rolle hier, die sollte eben zeigen, dass es heute noch furchtbar viele Menschen gibt, die sagen: Och, das ist ja fabelhaft beim Militär, das war damals ganz toll und wunderbar und so schön. Man kennt ja so die Leute, die am Stammtisch sitzen und solche Reden führen und sagen: Haben Sie gedient, da musst Du mal hingehen zum Militär, da lernen Sie erstmal richtig, da werden die Hammelbeine lang gezogen, sollen Sie mal sehen, das ist gut für Ihre Zukunft usw. Ich find das schrecklich, ich finde das entsetzlich."

Und Annemarie Wendl, die 2006 verstarb, meinte 1999 in einem Interview zu ihrer Rolle als Hausmeisterin Else Kling: "Die Else Kling, das ist sozusagen der böse Geist der Lindenstraße. Die sagen alle, ich bin die böse Alte, aber so böse bin ich ja auch gar nicht. Ich spiele die Rolle sehr gern, und die Figur fand ich für die Lindenstraße ungeheuer wichtig, nicht bloß weil ich sie spiele, sondern an sich. Denn war auch sozusagen das Bindeglied von einer Folge zur anderen."

Fester Bestandteil des Sonntags

Die Bindung der Zuschauer an die Serie allerdings beginnt zu bröckeln. Traumhafte Einschaltquoten gehören der Vergangenheit an. Die Lindenstraße also auf absteigendem Ast? Nein, meinte Regisseur Hans W. Geißendörfer 1999: "Es gibt eine Unmenge mehr an Konkurrenz als noch vor zwei Jahren oder vor zehn Jahren und wir liegen mit unseren sechs Millionen im Durchschnitt einfach glänzend. Wir werden nach wie vor sehr, sehr häufig gesehen, wenn man fair urteilt und wenn man die Relationen zu den vielen, vielen Konkurrenzprogrammen beachtet."


Autor: Joachim Falkenhagen
Redaktion: Stephanie A. Hiller
   
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