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4.12.1926: Das neue Bauhaus in Dessau
Nach der Vertreibung aus dem konservativen Weimar wirkte es wie ein Paukenschlag: das neue Bauhaus im sozialdemokratisch regierten Dessau. Der Gropius-Bau ist Atelier, Werkstatt und Tempel der Moderne zugleich: ein strahlend weißer Solitär aus Beton, Stahl und Glas. Geradezu revolutionär die vorgehängte Glasfassade, nach deren Vorbild bis heute weltweit gebaut wird.

Direktor Omar Akbar zu den Vorzügen und Nachteilen des Bauhausgebäudes: "Das Schöne an diesem Haus ist, dass es so transparent ist. Und das noch Schönere an diesem Haus ist, dass Sie zum Beispiel im Winter frieren und dass es im Sommer so heiß wird, dass Sie kaum arbeiten können. Es sieht schön aus, es ist wunderbar, aber heutzutage würde ich sagen, es ist auch sehr schwer, in diesem Haus wirklich zu arbeiten."

Omar Akbar tut dies seit einem Jahr als Direktor der Stiftung Bauhaus. Deren Aufgabe ist es, das historische Erbe zu bewahren und öffentlich zu machen. Was eine kritische Sicht nicht ausschließt, gerade auch hinsichtlich des Bauhausgebäudes:

"Das ist natürlich immer sehr schön, radikal zu sein. Aber es ist natürlich immer ein Problem, wenn diese Form von Radikalität in Richtung eines Gesamtkunstwerkes endet. Und ein Gesamtkunstwerk hat natürlich einen Nachteil: es ist totalitär. Und ich glaube, Gesamtkunstwerk hießt auch: Umerziehung der Menschen. Und das ist etwas, was das Problem auch der klassischen Moderne ist meiner Ansicht nach."

Ein Problem unserer Zeit ist, dass die Bauhaustradition bei vielen in Verruf oder gar in Vergessenheit geraten ist. Der Mensch auf der Straße denkt bei dem Wort Bauhaus meist zuerst oder nur noch an den Baumarkt gleichen Namens. Da müsse schon erinnert werden, so Akbar, an das, was die Urväter des Designs eigentlich wollten: Hochwertige Alltagskunst für alle, schnell und günstig produziert - vom Geschirr bis zur Wohnung - nach gemeinsamen Entwürfen von Künstlern und Handwerkern. Und das haben die Bauhäusler unter wechselnden Direktoren auch geschafft. Wobei Walter Gropius noch ein besonderes Verdienst zukommt.

Omar Akbar: "Er hat es geschafft, dass er Künstler - an sich meinen wir, dass Künstler etwas komplizierte Menschen seien - sehr unterschiedliche Künstler zusammengebracht hat aus der internationalen Szene, aus sehr unterschiedlichen Disziplinen, und hat sie unter ein Dach gebracht und die haben gemeinsam produziert, gemeinsam Dinge entwickelt in diesem Hause, die letztendlich zu Weltrang gekommen sind. Auf der anderen Seite, das darf man auch nicht vergessen - viele wissen das gar nicht - hier waren Studierende aus drei Kontinenten, insgesamt aus 29 Ländern. Zwanzig Prozent der Studierenden waren ausländische Studenten. Man muss heute fragen, wieviel Prozent an den deutschen Universitäten heute noch ausländische Studenten sind. Die Zahl nimmt ab. Ich glaube, um 10 Prozent bewegt sich das."

Omar Akbar selbst kommt übrigens aus Afghanistan. Der promovierte Architekt lebt seit 1960 in Deutschland. Vor seiner Berufung ans Bauhaus hatte er eine Professur an der Dessauer Abteilung der Fachhochschule Anhalt inne. Sein Fachgebiet: der Städtebau. Und der wird in der künftigen Arbeit der Stiftung Bauhaus eine gewichtige Rolle spielen.

Omar Akbar: "Wir müssen uns als Gestalter einmischen - und das ist die Differenz zum historischen Bauhaus - in das urbane Leben, in die Stadt müssen wir uns begeben. Und wenn ich sage: Stadt - die gesamte Welt ist urbanisiert, auf der einen Seite. Auf der anderen Seite stellen wir fest, dass, obwohl sie urbanisiert ist, die Stadt historische Strukturen aufgegeben hat. Zersiedlung existiert. Innenstadt ist zerstört worden. Brachen haben wir mitten in der Stadt. Das ist aber nur ein Thema. Das andere ist: gesamtstädtisch wird gar nicht mehr gedacht. Und ich denke mir, dass es hier notwendig ist, eine Haltung dazu zu gewinnen und dass sich nicht unbedingt nur Stadtplaner damit auseinandersetzen, sondern dass auch die Künstler gefragt sind."

Das Thema Städtebau und Zersiedlung ist auch Gegenstand des ersten Bauhaus-Kollegs in diesem Herbst, der ersten Lehrveranstaltung am Bauhaus überhaupt - nach dem Verbot der Institution durch die Nazis 1933.

Omar Akbar: "Unser Ziel ist eigentlich, aus der internationalen Szene die Kollegiaten nach Dessau zu bringen, mit ihnen an einer Thematik zusammen zu arbeiten. Das heißt, die Lehre wird in das Haus wieder reingeholt."

Autor: Werner Herzog
   
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