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3.12.1967: Die erste Herzverpflanzung
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Es war genau 5 Uhr 25 in der Frühe des 3. Dezember 1967. Zum ersten Mal begann das Herz eines verstorbenen Menschen in der Brust eines anderen zu schlagen. Die erste Herztransplantation war geglückt, am Grote-Schuur-Krankenhaus in Kapstadt. Der leitende Chirurg war der damals 44 Jahre alte Professor Christiaan Barnard:

"Wir in Südafrika mussten entscheiden, was zu tun ist. Wir sahen jeden Tag viele Patienten, denen nicht geholfen werden konnte. Die einzige Möglichkeit, ihnen zu helfen, war die Transplantation eines Herzens."

Louis Waskansky war der Erste, dem von Barnard und seinem südafrikanischen Team ein fremdes Herz eingepflanzt wurde, 53 Jahre alt. In einer fünfstündigen Operation hatte er das Herz einer tödlich verunglückten 25-jährigen Frau erhalten. Aber Waskansky starb 18 Tage nach dem historischen Eingriff an den Folgen einer Lungenentzündung. Der Kampf der Ärzte gegen die Abwehrreaktion des Körpers hatte Waskanskys Abwehrkräfte zu sehr herabgesetzt.

Erfolgreicher war die zweite Transplantation Barnards einen Monat nach seiner spektakulären ersten Herzverpflanzung: Der Zahnarzt Philip Blaiberg lebte mit seinem neuen Herzen ein Jahr und sieben Monate.

Schneller als ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht von der ersten Übertragung eines Herzens von einem Menschen auf einen anderen. Etwas Unvorstellbares, eine Grenzüberschreitung schien stattgefunden zu haben - obwohl Transplantationen etwa von Nieren, Augenhornhäuten oder Gehörknöchelchen längst üblich waren. Moralische Bedenken aber hatten das Herz lange Zeit zu etwas Unantastbarem gemacht. Galt es doch als Sitz der Seele, als ein Organ, das eben nicht nur Organ ist, sondern gleichzeitig auch Kern alles Menschlichen, das Zentrum der Persönlichkeit.

Barnard: "Von einem gewissen Punkt an wird man zu einem reinen Herzforscher. Man muss sich an die Tatsachen halten. Und das Herz ist eine reine Pumpe. Eine Herzverpflanzung ist nichts anderes als eine Nieren- oder Leberverpflanzung."

Das größte Problem damals war die Abstoßung. Ein Organismus wehrt sich gegen jedes Fremde, Andersartige, das ihm eingepflanzt wird. Die Gefahr der Abstoßung war und blieb lange Zeit Schiedsrichter über Erfolg und Misserfolg einer Herzübertragung.

Heute aber wird durch die Entwicklung gezielt wirkender Medikamente eine Organabstoßung meist unterdrückt. Allein in Deutschland werden mittlerweile jährlich knapp 550 Herzen transplantiert. Professor Ernst Reiner de Vivie, Herzspezialist an der Universitätsklinik in Köln:

"Das Hauptproblem ist nie die Technik gewesen. Bei Herzen muss man nur zwei Gefäße miteinander verbinden. Das Problem ist immer die Abstoßung gewesen. Aber das haben wir sehr gut im Griff, so dass auch die Frühsterblichkeit unter zehn Prozent liegt fürs erste Jahr und das ist schon ein großer Erfolg."

Als wäre ein Tor aufgestoßen worden, begannen unmittelbar nach Barnards Pioniertat mehrere Chirurgenteams gleichfalls Herzen zu verpflanzen - etwa in New York, Palo Alto und Stanford, dem Transplantations-Zentrum, in dem schon lange Zeit auf eine Herzverpflanzung hingearbeitet wurde.

De Vivie: "Da muss man in Erinnerung rufen, dass eine Arbeitsgruppe um Prof. Shamway an der Stanford University Californien eigentlich der eigentliche Vater der Herztransplantation gewesen ist, der über Jahre hinweg diese Operation tierexperimentell vorbereitet hat, sehr solide und wissenschaftlich. Christian Barnard war einer seiner Mitarbeiter in dieser Zeit und war dort als Gast aus Südafrika und hat gelernt, wie man eine Transplantation macht."

Shumway hatte nur sieben Wochen nach Barnard sein erstes Herz verpflanzt. Wie er sich fühle, fragte ihn damals ein Kollege. Shumway antwortete: "Erinnern Sie sich an den zweiten Mann, der den Nordpol erreichte?"

Autorin: Maren Hellwege
   
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