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1.12.1946: Herstellung von Penicillin in Deutschland
Bis in die 1940er-Jahre hinein waren viele Infektionskrankheiten lebensbedrohlich. Scharlach, Diphtherie, Blutvergiftung oder Lungenentzündung, die Ärzte standen meist hilflos davor. Zwar war das Mikroskop längst bekannt und man wusste auch schon, welche Mikroorganismen diese Krankheiten verursachten, aber es gab noch kein wirksames Gegenmittel.

Zufällige Entdeckung

Entdeckt worden war Penicillin schon 1928 von dem schottischen Mikrobiologen Alexander Fleming, zur Seite stand ihm dabei Bruder Zufall. Lady Amalia Fleming, seine Frau und Mitarbeiterin sagte zur Entdeckung: "Er arbeitete an Stephalokokken und hatte im Laboratorium einige Petrischalen, das sind flache Glasschalen mit Kulturen dieser Krankheitserreger. In einer dieser Schalen mit den Bakterienkulturen entdeckte er nach einiger Zeit Schimmelpilze auf dem Nährboden.

Schimmelbildung war und ist an sich nichts Ungewöhnliches - wenn man etwas zu lange stehen lässt. Ungewöhnlich war, dass Fleming etwas beobachtete, was vorher noch niemand gesehen hatte: Rings um den blau-grünen Schimmel waren die Bakterien verschwunden. Er schloss daraus, dass der Schimmelpilz eine Substanz enthielt, die die Mikroben vernichtete. Fleming begann diesen Schimmelpilz sorgfältig zu untersuchen. Es ergab sich, dass er der Gruppe Penicillium angehörte und er nannte die neue Substanz daher Penicillin.

Späte Umsetzung

Es sollte aber noch zwölf Jahre dauern bis Penicillin erstmals zur Behandlung kranker Menschen eingesetzt werden konnte. Der Grund für diese Verspätung: Flemings Chef glaubte nicht an die Wirksamkeit der neuen Substanz. Ohnehin wurde Flemings Schimmelpilz-Entdeckung von den meisten Kollegen nicht ernst genommen. Die vorherrschende Meinung der Zeit war, dass man Infektionskrankheiten mit chemischen und nicht mit biologischen Mitteln bekämpfen müsse.

Vor allem Paul Ehrlichs Salvarsan, mit dem es zum ersten Mal ein wirksames Mittel gegen die Volksseuche Syphilis gab, schien das zu bestätigen. Außerdem wurde in Deutschland ein konkurrierender Weg eingeschlagen, der mehr Erfolg versprach: 1932 hatte Gerhard Domagk Prontosil produziert, ein Sulfonamid, das einen verblüffenden Heileffekt bei sonst tödlichen Infektionen gezeigt hatte. Die Sulfonamide ließen sich einfacher und billiger in der Retorte herstellen, die Penicillin-Forschung wurde eingestellt.

Ein großer Erfolg

Erst als im Zweiten Weltkrieg deutsche Medikamente nicht mehr nach Großbritannien eingeführt werden konnten, besann man sich der Forschungsarbeiten von Fleming. Schon bald stellte sich heraus, dass Penicillin sehr viel vielseitiger einsetzbar war als die Sulfonamide. Schnell wurde das Medikament in großem Stil produziert. In den USA wurde ein gigantisches Penicillin-Programm aus dem Boden gestampft - zunächst Top Secret. Mit einem strikten Publikationsverbot wurde verhindert, dass Penicillin dem Feind in die Hände fiel. Nach Deutschland kam Penicillin dann erst mit den Invasionstruppen.

Die ersten Züchtungsanstalten für Penicillin waren in Göttingen und Dresden. Aber erst Ende der 1940er Jahre begann man Penicillin im größeren Stil herzustellen. Trotz des Riesenerfolges von Penicillin und der vielen anderen Antibiotika, die in der Folge entwickelt wurden, ist der überschäumende Optimismus, die Infektionskrankheiten ein für alle mal zu besiegen, längst verflogen.


Autor: Ramón García-Ziemsen
   
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