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20.11.1805: "Fidelio"
Fidelio, Ludwig van Beethovens einzige Oper, hieß bei ihrer Uraufführung eigentlich noch "Leonore". Der Text, "Léonore ou l`amour conjugal", stammt aus der Feder eines Aktiven der Französischen Revolution. Nicolas Bouilly erzählt die Geschichte eines zu unrecht Eingekerkerten. Um sich vor den Mitrevolutionären nicht verdächtig zu machen, verlegt Bouilly die Handlung nach Spanien. Leonore, die mutige Gattin des Gefangenen Florestan, schmuggelt sich in Männerkleidern unter dem Namen Fidelio in den Kerker. Sie will ihren Mann aus der Gewalt des bösen Gouverneurs Don Pizarro retten.

Beethoven begeisterte sich sehr für den spannenden Stoff, als ihm das Theater an der Wien im Jahr 1804 den Auftrag erteilte, daraus eine Oper zu machen. Er sah die Möglichkeit, seiner persönlichen Begeisterung für die Ideale der Französischen Revolution Ausdruck zu verleihen. Das Werk sollte eine Hymne an Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit werden. Aber die Zeit hatte ihn überholt. Napoleon herrschte inzwischen in Frankreich und war dabei, Europa zu erobern. Als Beethovens Oper zum ersten Mal aufgeführt wurde, waren seine Truppen gerade in Wien einmarschiert.

"Die Uraufführung stand unter einem sehr ungünstigen Stern. Wien stand in kriegerischen Auseinandersetzungen mit Frankreich, war unter französischer Besatzung. Das hat dem Erfolg großen Abbruch getan", so Professor Doktor Dietrich Kämper, Musikwissenschaftler an der Universität zu Köln. Tatsächlich wurde Beethovens Oper schon nach zwei Aufführungen wieder abgesetzt.

Beethoven, der große Symphoniker, hatte sich schwergetan mit seinem "Fidelio". Niemand konnte so wie er edle Gedanken in Musik umsetzen. Aber auf der Opernbühne musste er dazu noch bestimmte Formen erfüllen. So verlangte es der Zeitgeschmack, dass neben dem Heldenpaar immer noch ein komödiantisches Paar auftrat. Für Beethoven nur störend.

Prof. Dr. Dietrich Kämper: "Ich denke, dass Beethoven einen Konflikt gespürt hat zwischen dem engen Gattungskonventionen des Singspiels und der opéra comique, in die ja der Fidelio hineingehört, und diesen großen Ideen, die er dort vertritt. Wir spüren ja einen seltsamen Zwiespalt zwischen diesen kleinbürgerlichen Szenen im Hause Roccos, des Kerkermeisters und später den großen Kerkerszenen, wo Florestan und Leonore die Protagonisten sind. Wir spüren diese Diskrepanz und ich denke, die hat auch Beethoven gespürt."

Widerwillig arbeitet er seine Oper noch zweimal um. Am 23. Mai 1814 hat schließlich die dritte Fassung am Kärntnertortheater in Wien Premiere. Jetzt hat die Oper die Form, in der sie bis heute aufgeführt wird. Sie heißt jetzt endgültig "Fidelio".

Die Premiere der dritten Fassung wurde ein rauschender Erfolg. Bis heute ist der "Fidelio" eine der meistgespielten Opern weltweit. Nur Beethoven hatte genug. "Fidelio" blieb seine einzige Oper, aber es war ihm gelungen, mit diesem Stück den Höhepunkt und gleichzeitig den Abschluss des damals so beliebten Genres der "Schreckens- und Rettungsoper" zu erschaffen.

Prof. Dr. Dietrich Kämper: "Wie der Name schon sagt, wird da jemand gerettet aus einer Gefangenschaft, aus einer Kerkersituation, in die er in den meisten Fällen unverschuldet geraten ist. Und die Rettung ist sozusagen der Zielpunkt der dramatischen Handlung."

Denn kaum will Don Pizarro seinen Feind Florestan im Kerker meuchlings ermorden und Leonore gleich mit, erscheint der gütige Minister Don Fernando und erkennt in Florestan seinen totgeglaubten Freund. Im letzten Moment wird alles gut.

Don Fernandos Versöhnungsarie ist Beethovens persönlichstes Bekenntnis zu Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.

Autorin: Catrin Möderler
   
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