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27.9.1589: Baubeginn des Hofbräuhauses
Das ist schon eine Ironie sondergleichen: Die Hymne für das sicher berühmteste Wirtshaus Deutschlands - vielleicht auch der Welt, aber wir wollen nicht übertreiben - die Hymne schrieb ein Preuße, Wiga Gabriel, im Jahre 1936. Da war das Wirtshaus am Platzl im München schon eine Institution, und bis heute hat sich daran nichts geändert.

Bis zu 35.000 Gäste aus aller Welt kommen heute, in erster Linie, um einmal da gewesen zu sein. 160.000 Knödel gehen jährlich über den Tresen, und Würste, die, wenn man sie aneinander legte, eine Strecke von 6500 Kilometer ereichten. 220 Mitarbeiter hat das Hofbräuhaus, es erwirtschaftet Jahr für Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag - und geht mit der Zeit: Die Internet-Homepage registriert monatlich etwa 30.000 Zugriffe.

Am 27. September 1589 wurde der Grundstein gelegt. Herzog Wilhelm V. ließ Brauerei und Wirtshaus errichten, um das Volk mit billigem und vor allem eigenem Bier zu versorgen, bezogen die Bayern doch bis dahin den Gerstensaft aus Einbeck bei Hannover. Die Brauerei wurde Ende des 19.Jahrhunderts ausgelagert.

Am Platzl baute Architekt Littmann das neue Hofbräuhaus. Immer zählten Prominente zu den Stammgästen, auch solche, die man heute nur noch verwünschen möchte. Am 24. Februar 1920 verkündete Adolf Hitler im Hofbräuhaus das Programm der NSDAP. Bei einer bierseeligen Parteiversammlung 1944 erinnerte er sich daran:

(...) Hitler: "Der 24.Februar ist für uns immer ein tiefer Erinnerungstag. Für die Bewegung begann an diesem Tag aus diesem Saal der staunenswerte Siegeszug, der sie an die Spitze des Reiches, zur Führung der Nation und damit zur Gestalterin des deutschen Schicksals machte."

Das Schicksal, dass sich die Nazis für Deutschland erdacht hatten, führte zu Millionen von Toten und zur Zerstörung - auch des Hofbräuhauses. Bald wiedererrichtet, widmete man sich im berühmten Restaurant wieder der Wirtshaus - spezifischen Drei-Klassen-Gesellschaft. In der Schwemme im Erdgeschoss werden Touristen und einfaches Volk verköstigt. In den letzten Jahren kommen mehr und mehr Japaner, sie haben die Amerikaner vom ersten Tabellenplatz in Sachen Hofbräuhaus verdrängt.

Im Stockwerk darüber sitzen die rund 5000 Stammgäste, viele davon übrigens aus München, um mit dem Vorurteil aufzuräumen, die Münchner würden sich selbst nicht in das Wirtshaus trauen. Und darüber residieren dann die 424 Auserwählten, die ein eigenes Fach im Safe besitzen.

Lenin war Stammgast im Hofbräuhaus, Kaiserin Sissi von Österreich kam bald nach der Eröffnung 1897. Helmut Schmidt hielt 1982 nach dem Bruch der SPD/FDP Koalition in München ein Rede und erwähnte den, so der Kanzler, Verräter Genscher, der gerade im Hofbräuhaus sprach. Genscher verließ wegen zahlreicher aufgebrachter Sozialdemokraten das Wirtshaus durch den Hintereingang.

Und Bayern Regierungschef Max Streibl nahm in der Schwemme vor der Presse 1992 zum Polizeiverhalten während des Münchner Weltwirtschaftsgipfels Stellung und verkündete, es sei bayerische Art, andere Leute ab und an ein bisschen zu verprügeln. Und all das erleben die Stammgäste live und bei einer Maß Bier mit, wie dieser Herr, der zunächst erklärt, wie oft er am Platzl zu finden ist:

Zitat: "Zehnmal des Monats, zehnmal monatlich, dreimal die Woche. Ich komme seit 1939 hierher. Es hat sich schon verändert, nach dem Krieg war es ja zerstört. In der Kriegszeit war das Bier auch nicht so gut, da war es mehr Wasser. Jedenfalls das Hofbräuhaus, Sie sehen ja, ist immer voll. Im Sommer ist es immer voll, und das ist eine Geldmühle für die bayerische Landesregierung. Deswegen sauf ich trotzdem das Bier. Ich bin jetzt Stammgast hier - kann man sagen - seit 30 Jahren. Wenn ich komm, dann müssen sie den Platz frei machen - das geht nicht so einfach!"

Das Hofbräuhaus gehört dem Freistaat Bayern, der Wirt heißt seit 1980 Michael Sperger. Die weiblichen Bedienungen gelten als stämmig, hemdsärmelig und unfreundlich - aber das kann nur das Urteil der männlichen Gäste sein, die wieder mal zu tief ins Glas geschaut haben.

Den meisten Besuchern gefällt es im berühmtesten Lokal zumindest Deutschlands, das kann man auch im Internet nachlesen. Im Computer-Gästebuch schreibt etwa ein transatlantischer Gast: "I am looking forward to my next mass and Haxn!" Na dann. Prosit!

Autor: Jens Thurau
   
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