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29.8.1885: Motorrad wird patentiert
Erst verkörperte es technischen Fortschritt und Geschwindigkeit, später wurde es zum Symbol für Freiheit, Staub und harte Männer - das Motorrad hat seit seiner Erfindung 1885 von seiner Popularität nichts eingebüßt. "Reitwagen auf zwei Rädern", so hieß die von Gottlieb Daimler konstruierte hölzerne Konstruktion mit seitlichen Stützrollen, die das Umkippen verhindern sollten. Für Daimler war diese Entwicklung nur ein Experiment auf dem Wege zur technischen Revolution, deshalb hat er sein Gerät auch nie selbst benutzt.

Trotzdem, im Gegensatz zu den von Nikolaus Otto erfundenen schweren Viertakt-Motoren, war Daimlers Erfindung ein Meisterwerk: schnell laufend, leicht und mit Benzin anstatt wie sonst üblich mit Gas gespeist, brachte es sein motorisierter Reitwagen auf zwei Rädern immerhin auf eine Geschwindigkeit von acht Stundenkilometern und bestand seinen Probelauf von drei Kilometern zwischen Cannstatt und Untertürkheim mit Bravour.

Das Zweirad setzte sich zunächst nicht durch, nur in der besseren französischen Gesellschaft wurde es als schick angesehen, einen solchen Benzinrenner zu besitzen. In Deutschland begann die Massenproduktion erst um die Jahrhundertwende. 1897 ließ die Münchener Firma Hildebrandt und Wolfmüller die Bezeichnung "Motorrad" beim kaiserlichen Patentamt eintragen.

Überall stellten sich nun Fabriken auf die Herstellung von Motorrädern ein, allerdings meist für den Export, denn die Deutschen machten sich eher lustig über das stinkende knatternde Gefährt. Es ging sogar das Gerücht um, der Fahrer könne platzen, wenn er bei flottem Tempo auf dem Gefährt den Mund aufmache.

Die US-Amerikaner und Briten dachten da fortschrittlicher. Im Ersten Weltkrieg verfügten die britischen Streitkräfte über 50.000 Maschinen vom Typ Douglas und Triumph, und die US-Amerikaner setzten über 10.000 Harley Davidsons und Indians ein - auf deutscher Seite kamen nur etwa 5000 Motorräder zum Einsatz.

Nach dem Ersten Weltkrieg wendete sich das Blatt. Die Bayerischen Motorenwerke schufen mit der R 32 ein Modell, was es immerhin schon bei 8,5 PS auf 92 Stundenkilometer brachte. Die R 32 galt als zuverlässig und sogar schon ein kleines bisschen sportlich.

Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg dann waren die Blütezeit des Motorrades. Es galt als günstig und damit als erschwingliches Fortbewegungsmittel für den kleinen Mann. Ein Vergleich: 1956 kostete die NSU MAX nur knapp 1000 Euro, hatte 17 PS und war 126 Stundenkilometer schnell. Der VW Käfer dagegen kostete fast 2000 Euro bei 30 PS und 120 Stundenkilometern ein teures Vergnügen. Ein Arbeiter war damals froh, wenn er in der Woche 30 Euro verdiente.

Damit boomte auch die deutsche Industrie DKW, Adler, Tornax, Horex und Zündap, Maiko und Kreidler brachten ihre Modelle auf den Markt. Daneben gab es noch die teueren US-amerikanischen Exportmaschinen, wie HD und Indian, die beliebten Briten Norton und Triumph und die sportlich getrimmten Italiener Motor Guzzi, Gilera und Benelli.

In der Zeit des sogenannten Wirtschaftswunders stiegen allerdings mehr und mehr Leute wieder auf das komfortablere Auto um, die Absatzzahlen für Motorräder gingen zurück. Erst die Japaner setzten dieser Entwicklung ein Ende. Sie änderten das Image und damit die Verkaufsstrategie: Als erster verkaufte Soichiro Honda den US-Amerikanern seine Motorräder als das Schönste für Hobby und Abenteuer: die ganz große Freiheit eben.

"You meet the nicest people on a Honda" war der erste Werbe-Slogan, und die Leute bissen an. Motorrad fahren wurde zu einer teuren und exklusiven Angelegenheit, neben dem Allerweltsbesitz Auto.

Der Film "Easy Rider" trug dann in den 1970ern den Duft nach Abgas und Straßenstaub in die ganze Welt und machte Motorradfahren zum Kult: Ausbruch, Rebellion, Spaß in möglichst schräger Lage. "Good Vibrations" sangen die Beach Boys, und überall auf der Welt lachten sich Biker tot über den alten Witz: "Ich weiß nicht, wohin ich fahre, aber ich bin viel schneller da."

Heute noch ist Motorradfahren ein beliebtes Hobby. Dem Zweiradliebhaber winkt ein vielfältiges Angebot. Von der gezähmten Grand-Prix-Maschine mit bissigem Zweitaktmotor bis zum Soft-Chopper im US-Look, von der Enduro für Straße und leichtes Gelände bis zum Viertakt-Tourer mit Windschutzscheibe und riesigen Seitenkoffern - es gibt etwas für jeden Geschmack.

Und Gottlieb Daimler hat es selbst vorausgesagt: "Es wird etwas unbeschreiblich Schönes sein, ein motorisch getriebenes Fahrzeug zu besitzen, das eine entsprechende Geschwindigkeit entwickelt und es wenigstens einer Person gestattet, frei und ungebunden die Landstraßen zu benutzen."

Autor: Tom Buschard / Manfred Böhm
Redaktion: Stephanie A. Hiller
   
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