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30.7.1967: Krupp-Konzern in Stiftung umgewandelt
Als Alfried Krupp von Bohlen und Halbach am 30. Juli 1967 stirbt, geht eine Epoche zu Ende. Denn er war der letzte seines Namens an der Unternehmensspitze und auch der letzte Stahlbaron an der Ruhr. Krupp, das war durch Jahrzehnte ein Synonym für die deutsche Wirtschaftsmacht, war ein Symbol für Fortschritt und Erfolg, war auch ein Paradebeispiel für das deutsche Wirtschaftswunder der letzten Nachkriegszeit.

Doch spätestens in den 1960er-Jahren ging die Zeit der Montanindustrie und der Stahlproduktion ihrem Ende zu. An der Ruhr hatte das Zechensterben begonnen, und auch der Stahlindustrie wehte der Wind stärker ins Gesicht.

Alfried Krupp jedoch hatte genaue Vorstellungen davon, wie er den Familienbetrieb in eine neue Zeit hinüber retten konnte: Der Konzern musste in eine Stiftung umgewandelt werden. Und er hatte auch den Mann dafür, dieses Ziel zu erreichen. Dieser Mann stand in jeder Beziehung zwischen Alfried Krupp und seinem Sohn und Erben, seinem designierten Nachfolger Arndt: Berthold Beitz.

Traditionen

Auf der einen Seite stand Beitz, der Generalbevollmächtigte und enge Vertraute des Firmenchefs, seinem Vorgesetzten sozusagen distanziert nahe: "Also ich habe mich mit Alfried Krupp nie geduzt. Er hieß für mich Herr von Bohlen, und ich hieß für ihn Herr Beitz."

Dem Sohn und Erben jedoch war er ein beinahe väterlicher Freund. Dieser, in allem das genaue Gegenteil des Vaters, sollte der Familientradition folgend der nächste Firmenchef werden. Doch erschien es unvorstellbar, dass dieser weich und nachgiebig wirkende junge Mann die Fähigkeiten entwickeln würde, die für die Leitung eines solchen Unternehmens unverzichtbar sind.

Bertold Beitz sah ihn so: "Arndt war hochbegabt, er war hochbegabt. Er war glänzend begabt, aber hatte nicht den Willen, sich die Zwangsjacke eines Firmenchefs, von morgens bis abends hier am Schreibtisch zu sitzen oder im Betrieb zu sein."

Nachfolgeregelung

Für den Konzern bahnte sich Mitte der 1960er-Jahre eine Katastrophe an. Die unsicheren Ostgeschäfte, die generell nicht mehr überzeugende Ertragslage, die Ausfallbürgschaften von Bund und Land. Und dazu die unausweichlich scheinende Nachfolgeregelung. Nicht nur, dass der designierte Nachfolger allen Beobachtern völlig ungeeignet schien, allein die fällige Erbschaftssteuer musste die Firma Krupp ruinieren.

Die Umwandlung in eine Stiftung schien der einzige Ausweg. Doch auf diesem Königsweg lag eine Hürde: Arndt musste sein Erbe ausschlagen und damit auf umgerechnet geschätzte 2,5 Milliarden Euro verzichten. Wie er hatte überzeugt werden können, ist nie bekannt geworden, doch für die öffentliche Meinung war schnell klar: Da war es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein.

In der Tat war es Bertold Beitz gewesen, der mit Arndt gesprochen und ihn zum Verzicht bewegt hatte. Doch Beitz bestand immer darauf, dass Arndt nicht über den Tisch gezogen worden sei und dass alles keineswegs in einer, wie manche es sahen, "Nacht und Nebel Aktion" abgelaufen war, er sagte dazu später: "Das war in keiner geheimnisvollen Nacht, das war ein vernünftiges Gespräch bei mir zu Hause. Das war an einem Abend (...). Arndt hatte eben eine andere Lebensauffassung, und er war nicht bereit in den Zwang, den er sah. Denn es ist natürlich ein großer Zwang, der Chef von so einem Unternehmen zu sein. Er wollte sein Leben leben, und da sagte er: 'Berthold, ich sehe es ein.'"

Umwandlung in eine Stiftung

Mit dem Erbverzicht des Sohnes war dann der Weg frei, den Konzern in eine Stiftung umzuwandeln. Zunächst hatte man so Erbschaftssteuern in Milliardenhöhe gespart und den schon unausweichlich scheinenden Ruin abgewendet. Mittelfristig kamen auch die Vorzüge der neuen Unternehmensstruktur zum Tragen, man spielte nun wieder mit als Global Player. Nicht mehr ganz so groß und bedeutend wie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, aber doch fähig, im Wettbewerb zu überleben.


Autor: Dirk Kaufmann
   
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