Kalenderblatt dw.com
 
1.9.2004: Das Geiseldrama von Beslan
Der 1. September 2004 war der erste Schultag für die Kinder einer alten Schule in der nordossetischen Kleinstadt Beslan. Nach dreimonatigen Sommerferien betraten Lehrerinnen und Lehrer, Eltern, Schülerinnen und Schüler das Schulgebäude. Die fröhliche Atmosphäre wandelte sich rasch in groβe Aufregung als um 8.24 Uhr 17 schwer bewaffnete, maskierte Geiselnehmer das Gebäude stürmen. Das Kommando, Männer als auch Frauen, bringt mehrere Hundert Menschen in ihre Gewalt.

Die Turnhalle

Die Geiseln wurden in der Turnhalle zusammengetrieben, wo sie drei Tage lang hungerten. Die Turnhalle wurde mit Sprengstoff verkabelt. Die Terroristen drohten das Explosionsmaterial zu zünden, sollte die russische Armee eingreifen. Außerdem informierten sie den Polizeichef von Nordossetien, dass sie für jeden getöteten Rebellen fünfzig Kinder töten wollten und für jeden Verletzten zwanzig.

Am 3. September, kurz bevor russische Sondereinsatzkräfte die Schule stürmten und die Kontrolle übernahmen, war eine Explosion zu hören. Das Dach der Turnhalle stürzte ein. In der Nähe des Hauses, wo sich die Geiselnehmer angeblich verschanzt hatten, folgten weitere Explosionen. Kampfhubschrauber, Soldaten und freiwillige Helfer stürmten das Schulgebäude.

Den meisten Geiseln gelang es zu fliehen. Etwa vierhundert Verletzte wurden in Krankenhäuser gebracht. Über dreihundert Menschen, viele davon Kinder, kamen ums Leben. Russland und die ganze Welt trauerte um die Betroffenen.

Die Hintergründe

Angeblich forderten die Geiselnehmer die Unabhängigkeit Tschetscheniens und die Freilassung tscheschenischer Rebellen. Allerdings machten verschiedene politische Vertreter deutlich, dass die Geiselnahme für die Unabhängigkeit Tschetscheniens nicht nützlich sein würde. Im Gegenteil, die Brutalität gegen Kinder sonderte Tschetschenien nur noch weiter von der Welt ab.

Nach Angaben einer Rebellen-Website bekannte sich der tschetschenische Terrorist Schamil Bassajew zur Geiselnahme in Beslan. Er hatte schon andere Terroranschläge auf Russland geleitet. Ihm wurde unter anderem die Geiselnahme im Moskauer Theater im Jahre 2002 zugeschrieben.

Politikwissenschaftler erklärten die Brutalität der Geiselnahme mit der Verknüpfung von traditioneller, archaischer Familienjustiz und politischer Verzweifelung. Auch ist in Tschetschenien Blutrache nicht unüblich.

Die Folgen

Den größten Schaden nahmen die Kinder, die tagelang Angst und Gewalt erlebten. Aus der Traumaforschung weiß man, dass besonders Kinder unter zehn Jahren am stärksten unter solchen Erlebnissen leiden.

In Reaktion auf die mehrfachen Terroranschläge auf die russische Bevölkerung wandte sich der russische Präsident Putin in einer politischen Stellungnahme an sein Volk und versprach Strategien gegen Terrorismus zu entwickeln. In diesem Punkt, dem Kampf gegen Terror, stimmten die meisten Regierungen auch anderer Nationen überein. Viele Vorschläge die internationale Sicherheit zu fördern, wurden bereits umgesetzt - auch militärisch.

Der brutale Angriff auf die Schule in Beslan war ein Schock für die ganze Welt und löste Angst und Trauer unter den Menschen aus. Und bleibt unbegreiflich.


Autorin: Lena Walther

Die Autorin gewann mit diesem Textbeitrag einen Sonderpreis (Kategorie Sek I) bei dem Wettbewerb "Schüler schreiben Geschichte", der 2004 erstmalig von der Deutschen Welle und Lehrer-Online ausgerichtet wurde.
   
Zitat des Tages
    
Zitat des Tages
Man weiß nie was das Leben für einen bereit hält, ich bin aber sicher, dass für jeden etwas dabei ist, durch das er durch muss.
  > Gloria Estefan
> RSS Feed
  > Hilfe
Welchen Tag beschreibt James Joyce in seinem Roman "Ulysses"?
  31. Dezemebr 1899
  16. Juni 1904
  24. Dezember 1914