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20.5.1873: Die Denim Blue Jeans wird patentiert
In den 1960er Jahren war die Jeans die Kluft der Jugend. Sie war Symbol eines gemeinsamen Lebensgefühls. Die Träger der ersten Jeans brachen nicht nur ein Tabu, sie revolutionierten vor allem Kleiderschränke und Kleinstädte. Damals vermittelte die Blue Jeans Gleichheit zwischen den Geschlechtern und Kulturen - zumindest vom Bauchnabel abwärts. Stundenlang verbrachten ganze Generationen mit ihren Jeans in brühheißem Badewasser, um sie hauteng einlaufen zu lassen. Die Jeans war und ist ein Kultobjekt: zerrissen, zerschlissen, verwaschen und eingefärbt. Doch ursprünglich hatte die Kulthose eine andere Funktion: Ihr Erfinder, Löb Strauss, wollte 1853 eine strapazierfähige Hose für Goldgräber entwickeln.

Löb`s persönlicher american dream

Löb Strauss, Sohn des Händlers Hirsch Strauss, wurde am 26. Februar 1829 im fränkischen Buttenheim geboren. In dem kleinen Dorf bei Bamberg wuchs Löb unter ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Vater betrieb einen kleinen Hausierhandel in dem er Stoffe und Kurzwaren verkaufte. Hier hatte Löb das erste Mal Kontakt mit dem Stoff aus dem später in Amerika sein Traum wurde.

Löbs Vater starb nach langer Krankheit 1846 an Tuberkulose. Das brachte die Familie in wirtschaftliche Schwierigkeiten und zwang sie nach Amerika auszuwandern. Löbs ältere Brüder Jonas und Louis hatten schon früher Buttenheim gegen New York eingetauscht. Sie waren jetzt die rettende Adresse für Löb und seine Familie.

Neues Land, neues Leben, neues Glück

Löb amerikanisierte seinen Namen nach seiner Ankunft in Levi. 1853 nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Levi lernte den Händlerberuf im Textilhandel seiner Brüder in New York. 1884 erreichten die ersten Nachrichten von Goldfunden in Kalifornien die Ostküste. Auch Levi zog es in Amerikas Westen. Doch er schürfte nicht nach Gold, sondern war auf dem Weg seine ganz persönliche Goldader zu finden.

Die Mienenarbeiter schufteten in den Stollen. Der junge Unternehmer Levi stand mit seinem Bruder Louis und seinem Schwager in ihrer 1853 eigens gegründeten Firma für Kurzwaren. „Levi Strauss & Co. Importeur, Makler, Bekleidung und Kurzwaren“- so waren sie in den Stadtregistern eingetragen. Knöpfe, Stoffe, Hosenträger, fast alles was die damaligen Arbeiter und Pioniere benötigten, ging über die Theke. Das Geschäft lief gut, sehr gut. Kunden waren vor allem die Minenarbeiter, die ihre Arbeitskleidung von Levi Strauss & Co bezogen. Levi hatte einen dunkelbraunen, hüfthohen „Waist Overall“ entwickelt. Die Hose war robust genug, um in den Minen eingesetzt zu werden. Die Goldgräberhosen fanden reißenden Absatz.

Die jungen Unternehmer erweiterten das Sortiment für ihre Kunden immer weiter. Schnell gab es mehr Ware als Quadratmeter. Der Umzug auf die Battery Street 14 - 16 ermöglichte „Levi Strauss & Co“ das nun größere Handelshaus mit neuen Waren zu bestücken- vor allem aber mit neuen Ideen.

Mit Nieten zum Erfolg

Die Idee, die Levi weltberühmt machte, kam 1872 per Post. Absender: Jacob Davis, Schneider aus Reno, Nevada. Davis war ein guter Kunde von Levi. Regelmäßig kaufte er Stoffballen für seinen Betrieb in Nevada. In seinem Brief berichtete er dem Lieferanten Levi von seiner Idee. Der Schneider Davis hatte erkannt, dass der Stoff der Goldgräberhosen zwar robust war, aber die Hose eine Schwäche hatte: die Nähte. Die Goldgräber waren es gewohnt, ihre Hosentaschen mit jeglichem Material aus den Stollen voll zu stopfen. Davis hatte es satt, die ausgerissenen Taschen seiner Kunden zu flicken. Er wusste die „Waist Overalls“ zu perfektionieren. Er befestigte kleine Metallnieten an den Ecken der Taschen und siehe da: die Hose hielt den Anforderungen in den Minen stand. Hätte Davis genug Geld besessen, hätte er sich die Idee patentieren lassen. Wir würden heute „Davis-Hosen“ tragen. Doch er bat Levi die Patentierung für die Denim Blue Jeans zu finanzieren und sich das Patent gemeinsam ausstellen zu lassen.

Born in the USA

Am 20. Mai 1873 erhielten Levi Strauss und Jacob Davis das Patent. Die Denim Blue Jeans war geboren. Levi`s Hosen bekommen die Produktionsnummer 501 R.1886 ist zum ersten Mal das „Two Horse Brand“-Lederetikett an den Hosen zu finden: Zwei Pferde versuchen vergeblich eine Levi`s-Jeans zu zerreißen.

Nimes, Genua, San Francisco, Buttenheim

Aber nicht nur Levi und Jacob sind die Levi`s- Jeans zu verdanken. Auch die Franzosen trugen dazu bei, die Denim Blue Jeans zu dem zu machen, was sie heute ist. Schon im 16. Jahrhundert stellte man in der südfranzösischen Stadt Nîmes ein blau gefärbtes Baumwollgewebe her. Als der Baumwollstoff seinen Weg nach Amerika fand, machte die Umgangssprache aus dem französischen „Serge de Nîmes“ schnell „Denim“. Auch das Wort Jeans ist dem amerkanischen Slang zu verdanken. „Genes“ sind eigentlich die zweckdienlich geschnittenen Hosen aus der Nähe von Genua. Erst knapp drei Jahrhunderte später verarbeitete Levi in seinem Konzern den Stoff aus Nîmes zu den ersten Blue Jeans mit Nieten.

Die Battery Street ist noch heute der Hauptsitz des Konzernes. Gegenwärtig gibt es über 30.000 Levi`s- shops weltweit. Levi Strauss, der Held der Hose, stirbt am 26. September 1902 in seinem Haus in San Francisco. Seine Jeans lebt weiter in: Stone washed, boot cut, twisted, baggy...


Laurafabienne Schneider- Mombaur
   
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