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31.3.1999: "The Matrix" kommt in die Kinos
"The Matrix" war der erste große Coup der Brüder Larry und Andy Wachowski. Nachdem ihr erster Film „Bound“ von 1996 schnell in den Archiven verschwand, landeten sie 1999 mit "The Matrix“ den großen Durchbruch. 60 Millionen Dollar ließ sich Warn. Brothers, eine Tochter von AOL Time Warner, die Dreharbeiten kosten. Die Investition lohnte sich: Schon nach sechs Wochen hatte "The Matrix" in den USA 133 Millionen Dollar eingespielt. Nach einigen Monaten war der Film zum Kult geworden.

"The Matrix" als Meilenstein der Filmgeschichte

"The Matrix" ist eine Zukunftsvision, die in solcher Perfektion noch nie auf den Leinwänden zu sehen war. Nicht nur die existenzialistische Auseinandersetzung mit der These, wir lebten in einer Scheinwelt (einer Matrix) war neu im Kino. Auch Effekte wie die so genannte "Bullet-Time" waren eine Revolution in den Kinosälen.

Joel Silver, der die Rechte des Filmes kaufte, wusste vermutlich schon damals, dass "The Matrix" ein Meilenstein der internationalen Filmgeschichte werden sollte. Er kannte sich mit Zukunftsvisionen aus, denn er hatte sich zuvor mit den Scripts der Filme "Predator" und "Demolition Man" auseinander gesetzt.

„Kennst du das Gefühl, wenn du nicht weißt, ob du wach bist oder träumst?“

Sie liegen in kleinen Kapseln, wie Maden in ihrem Kokon. Doch sie können nicht schlüpfen, wenn ihnen die Hülle zu eng geworden ist. Sie sind gefangen in einer schleimigen Flüssigkeit, angeschlossen an Kabel und Drähte.

"The Matrix" erzählt, dass im 22. Jahrhundert die Menschen den Maschinen ihren Dienst erweisen müssen. Die Computer, in Form von riesigen Metallkraken, führen ein eigenständiges Leben. Sie nutzen die Erdenbewohner als Energielieferanten um ihr eigenes Leben führen zu können. Die Menschen liegen bewegungslos in Kapseln, in denen ihnen, wie Batterien, über Kabel die Energie entzogen. Um die Menschen ruhig zu stellen, hat man eigens für sie ein Computerprogramm entwickelt, in dem jeder Einzelne ein bewegtes Leben führt - die Matrix. Es wird gelacht, geweint, gehasst und geliebt– nicht in der Realität, sondern in einer Scheinwelt, die kaum ein Mensch als solche erkennt.

Der philosophische Diskurs des 21. Jahrhunderts

Die Wachowski-Brüder erklären ihre Intention wie folgt: "Unser Ausgangspunkt bei "The Matrix" war die Annahme, dass jeder Grundsatz, an dem wir heutzutage glauben, und jede Einzelheit unserer physikalischen Dreidimensionalität in Wirklichkeit nur in der Scheinwelt eines elektronischen Universums funktioniert“

In einer Kapsel liegt Thomas Anderson (Keanu Reeves). Anderson arbeitet in der Matrix als Computerexperte. Nachts hackt er sich als „Neo“ durch das Internet. Eines Abends stößt die Hackerin Trinity auf ihn. Sie gehört zu einer Gruppe von Rebellen, die die Scheinwelt in den Kapseln überwunden haben. Nun kämpfen sie außerhalb der Matrix für die Wiederbelebung der Menschheit. Sie sehen in „Neo“ eine Art Messias. In ihren Augen ist er der lang angekündigte Weltenretter, der ihnen auf ihrer Mission helfen soll. Neo lernt den Rebellenführer Morpheus kennen, der ihn vor eine Entscheidung stellt: Entweder er entscheidet sich für die wirkliche Wirklichkeit und lässt sein ganzes gegenwärtiges Bewusstsein zurück, oder er entscheidet sich für die Matrix und lebt weiter in seiner Scheinwelt.

„Realität ist nicht das, was wir sehen, sondern das, was man uns glauben macht“, warnt Morpheus. Neo tritt ins wirkliche Leben ein, wird aus seiner Scheinwelt gerissen und verlässt seinen Kokon. Er will den Menschen ihre Menschlichkeit zurückholen.

Die Wachowskies als Philosophen

Larry und Andy Wachowski bedienten sich munter an der philosophischen Warentheke. Hier flackern Elemente des platonischen Höhlengleichnisses, da findet sich ein Gedanke Descartes: Die Matrix ist wie die platonischen Höhle: Menschen, wie Nero vor seine "Befreiung", sitzen angekettet an der Felswand und sehen nur Schatten der eigentlichen Wirklichkeit. Durch methodischen Zweifel gelangt Neo, ähnlich wie Descartes, zu der Erkenntnis, dass die „Realität“ anderswo programmiert sein muss.

Frei nach Decartes heißt es nun nicht mehr "Cogito ergo sum" (Ich denke also bin ich) sondern "Matrix ergo sum" (Ich bin, weil die Matrix existiert). Immer wieder finden sich im Film Zitate von der griechischen Mythologie bis hin zur Bibel. Schon die Namen der Protagonisten sprechen Bände: Orpheus ist der Gott des Traumes, Trinity ist die Dreifaltigkeit.

Bullett-Time und Drahtseilakt

Aber auch die Namen hinter den Kulissen sollte man sich merken: John Geata, die rechte Hand der Wachowski-Brüder, ist der Miraculix der Filmbranche. Er kümmerte sich bei Matrix um die Spezial-Effekte. Mit seinen extra für den Film entwickelten Special-Effects unternahm er eine kleine Revolution in der Filmgeschichte. In „The Matrix“ ist es das erste Mal möglich, eine Szene in Zeitlupe zu zeigen, jedoch die Perspektive in Normalzeit zu wechseln. 120 Hochgeschwindigkeitskameras mit 12000 Einzelbildern pro Sekunde waren nötig, um die so genannte "Bullet-Time" realisieren zu können. Zwei Jahre brauchte Geata für die Montage von real gefilmten Szenen und Grafikelementen. Heraus kam wohl eine der bekanntesten Matrix-Szenen: Keanu Reeves kann einem Beschuss von Pistolenkugeln ausweichen.

Die Wachowski-Brüder zeichneten jede Szene, bevor sie gefilmt wurde, damit sie auch ganz genau nach ihren Vorstellungen umgesetzt werden konnte. Vor allem die perfekten Kampfszenen machen "The Matrix" zu einer Seltenheit. Sechs Monate trainierten die Hauptdarsteller mit dem Stuntspezialisten Yuean Wu Ping aus Hongkong. Mit Drahtseilen und ausgereifter Computertechnik entstanden atmenberaubende Kampfsequenzen, die die Grenzen physikalischer Gesetze überschritten.

Neben drei MTV Movie Awards und weiteren Acadamy Awards in der Rubrik „bester Film, bester männlicher Darsteller und beste Kampfszene“ erhielt der Film jeweils einen Oscar für Sound, Soundschnitt, visuelle Effekte und Schnitt.

Die Wachowski-Wahrheit

"The Matrix" ist ein völlig durchdachter Film. Nicht nur die Fäden, die während des Filmes gesponnen werden, können (fast) alle wieder aufgenommen werden. Auch entfernt von Popcorn und Leinwand funktioniert "The Matrix" perfekt: Brillen, Poster, Bücher, und ein aufwändiges Computerspiel stehen in vielen Läden.

"The Matrix" ist aber nur die erste Dimension einer Triologie, die sich 2003 mit "Matrix Reloaded" und "Matrix Revolutions" fortsetzte. Die ganze Welt der Matrix kann nur verstehen, wer alle Elemente kennt. Nur dann kommt man der Wahrheit näher - der Wachowski-Wahrheit.

Die Wachowski-Brüder haben mit "The Matrix" gezeigt, wie schnell Maschinen uns dominieren können. Sie zeigten ihr Misstrauen gegenüber der technisierten Welt. Auch wenn wir glauben,wir seien von dieser Horror-Vision noch weit entfernt: Verdanken wir nicht auch einen großen Teil von „The Matrix“ den Maschinen ? Verdanken wir "The Matrix" nicht vor allem den Kameras, den Mischpulten und der Hollywood-Maschinerie? Und haben wir nicht auch ab und zu gedacht, der Film sei Realität?

„Willkommen in der wirklichen Welt“

Autorin: Laurafabienne Schneider-Mombaur
   
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