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6.6.1907: Persil – Revolution im Waschzuber
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Um 1900 hätten sich Hausfrauen solche Zauberei nicht einmal träumen lassen, da war Wäschewaschen nicht nur Schwerstarbeit. Einweichen, kochen, rubbeln auf dem Holzbrett, spülen, bläuen, stärken, trocknen - das konnte Tage dauern. Und wenn die Wäsche zum Bleichen auf der Wiese lag, kam es auch schon mal vor, dass eine muntere Gänseherde die ganze Arbeit zunichte machte.

"1907 war eine richtige Revolution im Waschbereich, und zwar hat Fritz Henkel das erste selbsttätige Waschmittel erfunden. Selbsttätig aus dem Grunde, dass die Inhaltsstoffe es fertig brachten, in einem Gang die Wäsche sauber zu bekommen und zu bleichen." Dies erläutert Kerstin Ochs von Henkel in Düsseldorf.

Per von Perborat und Sil von Silikat

Zu jener Zeit ist Fritz Henkel bereits ein bekannter Unternehmer, sein Bleichsoda kennt jedes Kind. 1907 nun stoßen seine Mitarbeiter auf der Suche nach einsetzbaren Waschrohstoffen auf die Kombination von Natriumperborat und Natriumsilikat. Und auf den weißen Bleichwiesen in Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland kann bald wieder Vieh grasen, gibt es doch jetzt die chemische Sonnenbleiche.

"Perborat ist die Bleichkomponente im Persil, das ist der erste Bestandteil des Namens, Per von Perborat und Sil von Silikat. Also das Perborat bleicht und das Silikat ist das eigentliche Waschhilfsmittel, wenn man so sagen kann," so Kerstin Ochs:

Den Namen kann sich Henkel in den ersten Jahren allerdings nicht patentieren lassen, weil Persil im Französischen Petersilie bedeutet, sei er als so genannte Beschaffenheitsangabe einzustufen, urteilt das kaiserliche Patentamt.

Selbsttätiges Waschpulver

Erst 1917 wird das Wortzeichen Persil in Deutschland eingetragen. Zu diesem Zeitpunkt assoziiert niemand mehr ein Küchenkraut, wenn er Persil hört. Doch bis dahin ist es ein mühsamer Weg. Selbsttätiges Waschpulver heißt das Zauberwort, "Pauline lass das Reiben sein" der Slogan. Ungläubig greifen die Hausfrauen zunächst lieber weiter zur Kernseife:

Kerstin Ochs sagte dazu: "Was ganz wichtig war, war das selbsttätige Waschmittel erstmal bekannt zu machen, weil man es einfach nicht geglaubt hat aufgrund der Erfahrung Waschbrett und so weiter. Plötzlich kommt da einer her und sagt: 'Das kann es jetzt ganz alleine.'"

Die "weiße Dame"

Der Siegeszug des Waschmittels verdankt sich der geistreichen und informativen Werbung. In diesen Dingen ist Fritz Henkel seiner Zeit weit voraus. Bereits 1908 nimmt er als erster eine Herstellergarantie in die Werbung auf. Er lässt weiß gekleidete Männer mit weißen Persilschirmen durch die Geschäftstraßen großer Städte flanieren, beschäftigt die ersten Werbekolonnen.

Als Anfang der 1920er-Jahre die Zeit der Persil-Plakate beginnt, schlägt auch die Zeit eines legendären Motivs, das Geschichte schreibt: Weißes Kleid, Florentinerhut und ein Persilpaket in der Hand, so wirbt die "weiße Dame" in den folgenden Jahrzehnten von Plakaten, Schildern, Hausgiebeln und Normaluhren für das Henkel-Produkt.

1926 sind die Berliner baff vor Staunen: Flugzeuge schreiben den Namen Persil an den Himmel. Und 1928 eröffnet in Berlin die erste Persil-Schule, in der Hausfrauen allerlei über Wäsche und Haushalt lernen können.

Persil – Ein Markenartikel

Nach dem Zweiten Weltkrieg geht die Erfolgsstory weiter: Dass Persil 1950 wieder auf den Markt kommt, wertet Ludwig Erhardt als Zeichen dafür, dass endlich Friede eingekehrt ist. Persil steht für das Wirtschaftswunder und ist bis heute Deutschlands Waschmittel Nummer Eins. "Jedes Persil ist das beste Persil seiner Zeit", lautet die Werbemaxime. Davon war auch damals jener Mann überzeugt, der heute zu Recht "Vorkämpfer der Markenartikel" genannt wird: "Fritz Henkel hat also die Kernsätze eines Markenartikels verwirklicht und zwar: Immer die gleiche Qualität zum gleichen Preis allseitig verfügbar zu machen. Und das Ganze verbunden mit einem für damalige Verhältnisse ganz unbekannten Ausmaß an Werbung oder wie man damals sagte Reklameaktivitäten, " sagte Kerstin Ochs.


Autorin: Carola Hoßfeld
   
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