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30.1.1933: Hitler Reichskanzler
Der Führer der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) Adolf Hitler, der am 30. Januar 1933 von Reichspräsident Hindenburg zum Reichskanzler ernannt worden war, hatte selbst fast nicht mehr an seinen Triumph geglaubt. Denn nachdem seine Partei bei den Reichstagswahlen vom 31. Juli 1932 mit 37,3 Prozent der abgegebenen Stimmen und 230 Sitzen im Reichstag, damit stärkste Reichstagsfraktion, ihren Höhepunkt erreicht hatte, erlitten die Nationalsozialisten bei den zweiten Reichtagswahlen des Jahres, am 6. November einen deutlichen Rückschlag. Sie kamen nur noch auf 33,1 Prozent der Stimmen und erhielten nur 196 Reichstagsmandate.

Ernennung trotz Vorbehalte

Reichspräsident Paul von Hindenburg, der greise Generalfeldmarschall des Ersten Weltkrieges, hatte zudem erhebliche Vorbehalte gegen den Gefreiten Adolf Hitler. Da die Weimarer Republik seit dem Jahre 1929 keine parlamentarischen Mehrheiten mehr zustande brachte, ernannte fortan nur noch der Reichspräsident den Kanzler - auf Grund des Notverordnungs-Artikels 48 der Weimarer Verfassung.

So wurden schließlich Ex-Kanzler Franz von Papen und interessierte Kreise aus der deutschen Großindustrie zu Hitlers eigentlichen Steigbügelhaltern. Über Hindenburgs Sohn Oscar und seinen Staatssekretär Meißner konnten die Bedenken des Reichspräsidenten gegen Hitler zerstreut werden. Hitler sollte in seinem Koalitionskabinett durch die Mehrheit der nicht-nationalsozialistischen Minister in Schach gehalten werden.

Hintertreppenintrigen

Aus den Worten von Joseph Goebbels, vom 30. Januar 1933, klingt noch das Bangen, dass man das Ziel gerade noch mit hängender Zunge erreicht hatte: "Das, was wir unten erleben, diese tausende, tausende und zehntausende von Menschen, die in einem sinnlosen Taumel von Jubel und Begeisterung der neuen Staatsführung entgegen rufen, das ist wirklich die Erfüllung unseres geheimsten Wunsches, das ist die Krönung unserer Arbeit."

Der spätere Reichspropagandaminister Goebbels war es, der die Legende von Hitlers Machtübernahme auf Grund einer nationalen Massenerhebung erfand. In Wirklichkeit war Hitler, wie sein Biograf Alan Bullock schreibt, "durch Hintertreppenintrigen in sein Amt geschoben worden."

Mangelnde Urteilsfähigkeit

Es war sicher weniger irgendein Wahlerfolg als vielmehr die mangelnde Urteilsfähigkeit seiner politischen Gegner und Rivalen, die Hitler zur Macht verhalfen. In seiner ersten Regierungserklärung, die er zwei Tage später durch das Radio direkt an das deutsche Volk richtete, verstand es Hitler geschickt, jene Zweidrittel des deutschen Volkes zu beruhigen, die im November 1932 nicht die Nationalsozialistische Partei gewählt hatten: "So wird es die nationale Regierung als ihre oberste und erste Aufgabe ansehen, die geistige und willensmäßige Einheit unseres Volkes wieder herzustellen. Sie wird die Fundamente wahren und verteidigen, auf denen die Kraft unserer Nation beruht. Sie wird das Christentum als Basis unserer gesamten Moral, die Familie als Keimzelle unseres Volks- und Staatskörpers in ihren festen Schutz nehmen."

Katastrophale Folgen

Doch schon bald zeigte die nationalsozialistische Regierung ihr wahres Gesicht. Nach dem Ermächtigungsgesetz vom 23. März und der Zerschlagung der Gewerkschaften sowie dem Verbot der linken Parteien am 1. Mai 1933 sicherte sich Hitler mit den rund 800 ungesühnten politischen Morden des sogenannten 'Röhm-Putsches' am 30. Juni 1934 und mit der Vereidigung der Wehrmacht auf seinen Namen - nach dem Tod von Reichspräsident Hindenburg - am 2. August 1934 endgültig die absolute Alleinherrschaft. Die katastrophalen Folgen sind bekannt.


Autor: Norbert Ahrens
   
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