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27.1.1945: Auschwitz befreit
Am Nachmittag des 27.Januar 1945 betraten Soldaten der Roten Armee das Gelände des Konzentrationslagers Auschwitz. Sie fanden dort noch knapp 8.000 erschöpfte und kranke Gefangene vor, die die SS nicht mehr getötet oder auf die berüchtigten Todesmärsche geschickt hatte. Einer der ersten, die in Auschwitz einrückten, war Kameramann Alexander Woronzow, der später sagte: "Auf dem Territorium des Lagers standen so eine Art Pyramiden. In einer wurden Kleider zusammengetragen, die andere bestand aus Töpfen, die dritte aus menschlichen Gebissen."

"Höllengeist der Vernichtung"

Wenige Wochen zuvor hatte SS-Führer Heinrich Himmler den Befehl gegeben, das Lager zu räumen, das den Opfern geraubte Eigentum wegzuschaffen, Krematorien und Gaskammern zu sprengen, die Häftlinge zu deportieren. Doch nicht alle Spuren konnten verwischt werden.

In den Lagerhäusern wurden 350.000 Männeranzüge gezählt und 837.000 Frauenkleider, Zehntausende Paar Schuhe, mehr als sieben Tonnen menschliches Haar, verpackt in Papiertüten, Berge von Baby- und Kinderkleidung.

Seit Juni 1940 war die Vernichtungsmaschinerie ausgebaut und verfeinert worden, hatten die Nationalsozialisten Gefangene nach Auschwitz transportiert: Polen und Russen, Juden und Zigeuner, Kriegsgefangene, Widerstandskämpfer, Kommunisten, Sozialdemokraten aus allen Teilen Europas. Schon an der Rampe fiel die erste Entscheidung über Leben und Tod.

Zeitzeugenberichte

"Gleich am Bahnhof wurde man sortiert in arbeitsfähig und nicht arbeitsfähig. Frauen mit Kindern und Männer, die Krankheiten oder irgendein Gebrechen hatten, wurden auf Autos geladen, von denen wir nicht wussten, wohin sie fuhren. Im Lager selbst hörten wir dann erst, dass diese Leute alle ins Gas gegangen sind."

"Bei unserer Ankunft hat man uns rasiert und uns eine Nummer in den Arm eintätowiert."

"Und dann bin ich drangekommen, und da haben sie meinen Namen mir geraubt, und ab da hab ich geheißen Z 5742 - so rein gestochen! Und da hab ich meinen Namen verloren. Am 31. März 1943 hab ich keinen Namen mehr gehabt, sondern nur eine Nummer."

Wachttürme, elektrisch geladener Stacheldraht, Postenketten mit Hunden, drangvolle Enge in den Baracken, Kälte und Angst bestimmten fortan die Existenz der Gefangenen. Wer nicht sofort ermordet wurde, war zur Vernichtung durch Arbeit bestimmt.

Zeitzeugenberichte

"Ausmarsch und Einmarsch immer mit Musikbegleitung. Im strengsten Winter hatten die Menschen keine Strümpfe an, Pullover wurden sehr zeitig weggenommen und sehr spät erst wiedergegeben, die Menschen erfroren förmlich."

"Ein gewisser Doktor Mengele beschäftigte sich mit Forschungen, das heißt, man brachte Frauen auf den bekannten Block 10 in Auschwitz, um dort mit ihnen zu experimentieren. Man sterilisierte die Frauen, das heißt, man machte mit ihnen Experimente, die man mit Meerschweinchen zu tun pflegt. Aber Juden waren ihnen gerade gut genug dazu."

Stundenlange Appelle, schwere Strafen für geringste Vergehen, Willkür von Kapos und SS-Bewachern, unzureichende Ernährung und keine ärztliche Versorgung - wer zu schwach wurde, war unwiderruflich dem Tod in der Gaskammer geweiht:

"Block 25 war der Todesblock. Von dort aus gingen die Menschen am Abend, wenn alles dunkel war, nur der Stacheldraht brannte, auf Autos geladen und in den Kamin. Man hörte sie schrecklich schreien, und dann war auf einmal Schluss, und man sah hoch oben am Himmel eine blutrote Flagge aufsteigen."

"Ich habe die Kamine mit den großen, schwarzen Rauchfahnen gesehen, und wenn der Wind von Westen gekommen ist, dann hat man diesen süßlich-faden Geruch verspürt, den das verbrannte Menschenfleisch machte."

"Auschwitz ist ein Symbol für den Höllengeist der Vernichtung."


Autorin: Cornelia Rabitz
   
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