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12.1.1966: Bundestag zur Starfighteraffäre
Bei der endgültigen Ausmusterung des Starfighters F 104 ist die Bilanz vernichtend: 116 Piloten stürzten in den Tod. 290 Maschinen gingen verloren. Trotz der Verluste hielt die deutsche Luftwaffe 27 Jahre lang an dem Jagdbomber fest, der von der US-amerikanischen Firma Lockheed entwickelt worden war.

Fünf Jahre nach dem ersten Start hatten sich die sogenannten Friedensverluste derart gehäuft, dass sich der Verteidigungsausschuss mit der Unfallserie beschäftigen musste. Doch bereits die erste öffentliche Sitzung am 12. Januar 1966 zeigte, dass das Waffensystem selbst nicht zur Disposition stand.

Einsatz trotz bekannter Mängel

Zur Begründung sagte der damalige Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel im Deutschen Bundestag: "Die F 104 ist auch heute nicht nur dem Namen nach Super-Starfighter, sie ist eines der modernsten Waffensysteme überhaupt." Kein Wort davon, dass Konstruktionsschwächen bereits vor der Beschaffung bekannt waren und sich Flugtauglichkeit und Beweglichkeit als sehr begrenzt erwiesen hatten. Die technische Unausgereiftheit und die Unfallserie wurden lediglich von der Presse aufgegriffen und vom Politkabarett bissig kommentiert.

Starfighter-Einsatz aus taktischen Gründen

Politisch verantwortlich für die Anschaffung des Waffensystems war der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Strauß. Er galt eigentlich als Verfechter der französischen Mirage. Durch den Kauf der Jäger hatte er sich erhofft, sozusagen durch die Hintertür an einen atomaren Waffenträger heranzukommen. Denn eine Nation ohne Nuklearwaffen hielt er für abhängig und erpressbar. Frankreich lehnte es jedoch kategorisch ab, die Deutschen an der Nuklearmacht zu beteiligen. Die US-Amerikaner waren in diesem Punkt offener, und so überzeugten Strauß und sein Luftwaffeninspekteur Josef Kammhuber den Ausschuss vom Starfighter.

Die genauen Abmachungen über die Anschaffung der insgesamt 916 Starfighter blieben geheim. Nicht einmal die Ausschussmitglieder kannten Einzelheiten.

Politische Fehlentscheidung

Geheim blieben auch die Unfallberichte. Die Witwen der Piloten hatten sich mit der Pauschalbegründung "menschliches Versagen" zu begnügen. Eine bessere Ausbildung der Piloten änderte an der Häufigkeit der Unfälle aber auch nichts, musste Kammhubers Nachfolger, Luftwaffeninspekteur Werner Panitzki, zugeben: "Etwa 50 Prozent der Gründe sind vermutlich menschliche Fehler. 50 Prozent liegen wahrscheinlich in technischen Ursachen."

Grundübel waren die unausgereifte Triebwerkstechnik und die schlechten Flugeigenschaften bei niedriger Geschwindigkeit. Deshalb sprach Panitzki von einer politischen Fehlentscheidung und musste den Hut nehmen. Sein Nachfolger, Generalleutnant Johannes Steinhoff, ließ den Starfighter zwar für drei Monate zwecks Fehlerbeseitigung am Boden, hielt an diesem Mehrzweckjäger aber aus Überzeugung fest.

So hatte das Wort der Militärs Gewicht. Verteidigungsminister von Hassel glaubte zudem derart an die Sicherheit des Jagdbombers, dass sein Sohn ihn fliegen musste. Er stürzte ab und starb. Der letzte Starfighter der Luftwaffe wurde erst im Oktober 1987 ausgemustert.


Autorin: Petra Kohnen
   
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