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11.1.1923: Französische Truppen im Rheinland
Deutschland am 11. Januar 1923: Französische Truppen marschierten ins Rheinland ein. Vorangegangen war ein vergebliches Moratoriumsgesuch Deutschlands für seine Reparationszahlungen: Die Reichsregierung war mit der Lieferung von Reparationen, respektive von Telegraphenstangen und Kohle, in Verzug geraten.

Von da an, hatte der französische Regierungschef Raymond Poincaré erklärt, werde Frankreich nicht mehr warten, dass Deutschland seine Verpflichtungen erfülle, sondern sich das holen, was Frankreich vertraglich zustehe. Doch hinter dieser harten Haltung Poincarés verbarg sich noch etwas anderes: Frankreich sah sich durch die Bestimmungen des Versailler Vertrages nicht angemessen berücksichtigt und beanspruchte von daher auch das linke Rheinufer. Andererseits hatte man mit dem Zugriff auf das Ruhrgebiet sozusagen die Hand am Hals der deutschen Wirtschaft.

La Ruhr, das Ruhrgebiet, war in französischen Augen aber noch mehr als nur eine Region, in der Kohle abgebaut wurde. Es war das Nervenzentrum Deutschlands, wo die Stahl- und Kohlebarone saßen, die, so die Auffassung Poincarés, Teil des deutschen Widerstandes gegen den Vertrag von Versailles waren.

Nicht nur passiver Widerstand

Dass Frankreich seinen Nachbarn tatsächlich an einer empfindlichen Stelle getroffen hatte, beweisen die Reaktionen der Deutschen: Die Nation reagierte empört. Daraufhin ordnete die Reichsregierung an, dass alle Beamten, inklusive die Eisenbahner, ihre Mitarbeit bei der Lieferung von Kohle aufgaben. In den Ruhrzechen wurde der Betrieb eingestellt, die Bergleute gingen nicht mehr zur Arbeit.

Doch es blieb nicht beim passiven Widerstand, die Spannungen im Ruhrgebiet schaukelten sich von Tag zu Tag höher. Aus Nervosität, oft aber auch provoziert, kam es immer häufiger zu Zusammenstößen zwischen französischen Besatzern und deutschen Zivilisten. Reichskanzler Wilhelm Cuno versperrte sich selbst den Weg zu Verhandlungen, als er deutsche Konzessionen vom Abzug der französischen Truppen aus dem Ruhrgebiet abhängig machte.

Frankreich sah aber keinen Grund, sein Pfand aus der Hand zu geben. Der innenpolitische Druck auf Cuno wuchs: Das restliche Deutschland drohte auszubluten, weil es den passiven Widerstand des Ruhrgebietes finanzieren musste, Inflation und Arbeitslosigkeit stiegen, die Lebensmittelversorgung verschlechterte sich - der innere Burgfrieden bröckelte.

Ruhrgebiet gerettet - Rheinland unbesetzt

Cuno resignierte, trat am 23. August zurück und überließ seinem Nachfolger die Lösung des Problems. Gustav Stresemann tat das, wozu Cuno der Mut gefehlt hatte. Am 26. September 1923 verkündete er formell den Abbruch des Ruhrkampfes und rettete, obwohl er von links wie von rechts herbe Attacken einstecken musste, im letzten Augenblick die industriellen Interessen des Ruhrgebietes. 1924 war es dann soweit - die Franzosen zogen wieder aus dem Rheinland ab.


Autorin: Birgitt Wagner
   
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