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11.9.2001: Terroranschläge in Amerika
Ein großes Flugzeug fliegt durch einen Wolkenkratzer in Manhattan. Das Gebäude wird komplett zerstört. Ein Werbespot. Er lief am 9. und 10. September auf allen deutschen Fernsehsendern. Am 11. September wurde er nicht mehr gezeigt: Aus der Werbewelt war grausame Realität geworden.

Allerdings blieb die Realität unwirklich wie ein Hollywood-Film: 19 moslemische Terroristen hatten vier reguläre Verkehrsflugzeuge der Gesellschaft American Airlines entführt und auf zivile Ziele in den USA gesteuert. Eine beispiellose Terrorserie, die die Welt erschütterte.

Ortszeit 9.00 Uhr New York. Die Welt konnte zusehen, wie ein Flugzeug in den zweiten Turm des World Trade Centers in New York raste. Live. Der erste Turm war bereits zum Ziel eines entführten Passagierflugzeuges geworden. Die 411 Meter hohen Bürotürme gingen in Flammen auf und stürzten etwa eine Stunde später in sich zusammen. Alle Fernsehsender zeigten die Bilder von Menschen, die aus brennenden Büros in die Tiefe sprangen. An normalen Geschäftstagen hielten sich in den 110 Stockwerken bis zu 40.000 Menschen auf.

Um 9.35 Uhr Ortszeit zerstörte eine weitere Passagiermaschine einen Teil des US-Verteidigungsministeriums (Pentagon) in Washington.

Um 10.29 Uhr Ortszeit stürzte eine vierte Maschine in der Nähe von Pittsburgh (Pennsylvania) ab. Angeblich hätte sie das Weiße Haus in Washington treffen sollen. Aber beherzte Passagiere hatten sich den Entführern entgegengestellt.

Ausnahmezustand in New York und Washington

Der Ortsteil Manhattan, in dem das World Trade Center stand, war nach dem Anschlag vom Rest der Welt abgeschnitten. Flughäfen, Tunnel und Brücken wurden gesperrt. Ausnahmezustand auch in Washington: Der Südwestflügel des Pentagon stand in Brand. Alle Regierungsgebäude wurden evakuiert. Alle zivilen Verkehrsmaschinen in den USA blieben am Boden.

An Bord der abgestürzten Flugzeuge befanden sich 266 Menschen, insgesamt starben 3056 Menschen in den Trümmern. Darunter waren allein 343 New Yorker Feuerwehrleute. Es blieben die Bilder der totalen Zerstörung in New York: Eine Trümmerlandschaft, deren Beseitigung fast ein Jahr dauerte.

In der Bevölkerung herrschte Fassungslosigkeit angesichts der Brutalität des Terrors. Bisher hätte niemand vermutet, dass Entführungen in dieser Absolutheit enden könnten. Die Anschläge in den USA offenbarten die Verwundbarkeit der westlichen Welt. Wie als Hohn gegenüber der Hochtechnologie der westlichen Welt wurden die Flugzeuge mit Messern gekapert. Kommentare schrieben von der "Opferbereitschaft religiöser Fanatiker".

Im Blickpunkt stand die Frage nach mehr Sicherheit: Die Kontrolle öffentlicher Orte und der Transportwege wurde ebenso erhöht wie der Schutz amerikanischer, israelischer und jüdischer Einrichtungen. Die Ermittler arbeiteten mit erhöhtem Fahndungsdruck.

Eine Spur führte auch nach Deutschland: In einer Hamburger Wohnung wurden die Anschläge koordiniert. Hier wohnten zeitweilig drei der späteren Todespiloten, bevor sie Flugschulen in den USA besuchten.

Anti-Terror-Koalition

Internationale Kooperation war nun gefragt. US-Präsident George W. Bush schmiedete eine Anti-Terror-Koalition: "Und es ist ja auch so, dass beim Angriff auf das World Trade Center Menschen vieler Nationen gestorben sind. Deshalb unterstützen die führenden Politiker der Welt diese Koalition." Auch Deutschland erklärte seine uneingeschränkte Solidarität. Der Anschlag wurde als Angriff auf das gesamte Bündnis verstanden, zum ersten Mal in ihrer Geschichte rief die NATO den Bündnisfall aus.

Als Drahtzieher der Anschläge verdächtigte Washington Osama bin Laden. Die Spur der Attentäter führte eindeutig zu seiner Terrororganisation El Kaida. Sie hatten in afghanischen Ausbildungslagern der El Kaida trainiert, auch Bin Laden wurde in Afghanistan vermutet.

George W. Bush stand unter Erwartungsdruck, die USA mussten ihre Stärke mit einem Gegenschlag demonstrieren. Die folgenden Vorbereitungen zu einem Angriff auf Afghanistan waren der Beginn der Operation "Enduring Freedom" ("Dauerhafte Freiheit").

Eine Welle von Patriotismus erfasste die USA. Entschlossenheit herrschte in Regierung und Bevölkerung. US-Präsident George W. Bush bereitet sein Land auf den Krieg vor: "Ich möchte Gerechtigkeit. Draußen im Westen gibt es die alten Poster: Gesucht – tot oder lebendig." Staatsfeind Nummer eins der USA war Osama bin Laden.

Gezielte Militärschläge gegen die El-Kaida-Organisation und das sie schützende Taliban-Regime in Afghanistan begannen am 7. Oktober 2001 und dauerte zwei Monate. Mit dem Fall der afghanischen Stadt Kandahar galten die Taliban als entmachtet. Osama bin Laden allerdings konnte fliehen.

Autorin: Stefanie Golm
   
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