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24.5.1844: Erstes Telegramm übermittelt
Als Samuel Morse das erste Telegramm sendete, ahnte er nicht, dass er einmal als Erfinder der Telegrafie weltberühmt werden würde. Die Fernnachricht, die er am 24. Mai 1844 von Washington nach Baltimore übermittelte, lautete: "What hath God wrought."

Bereits vier Jahre später verfügten alle amerikanischen Bundesstaaten über Morsetelegrafenlinien, und das Klicken der Morsetasten begleitetet die Erschließung des neuen Kontinents.

Die überschwängliche Begeisterung von damals ist heutzutage im Zeitalter von E-Mail und Internet nur noch schwer nachvollziehbar - es sei denn, man ist Amateurfunker, wie der Kölner Jochen Hindrichs:

"Morsen wird im Amateurfunk eingesetzt für weltweiten Funkverkehr und hört sich in etwa so an, wenn ich jetzt diesen Anruf starte - dididididi - das heißt CQ, also ein allgemeiner Anruf an alle von DL9KCX, das ist mein Amateurfunkrufzeichen."

Samuel Morse hatte mit Technik wenig zu tun. Der Sohn eines Geistlichen verdiente sein Geld als Kunstmaler. Erst im Oktober 1832 packte ihn das Telegrafenfieber. Der 42-Jährige hatte an Bord eines Schiffes den Naturforscher Charles Jackson aus Boston kennen gelernt, der ihm von Ampéres Experimenten mit Elektromagneten erzählte.

Samuel Morse war fasziniert. Wenn elektrischer Strom in einer Magnetspule über die gesamte Länge eines Drahtes fließt, müsste man doch mittels der Elektrizität auch sinnvolle Zeichen über jede beliebige Entfernung leiten können.

Hindrichs: "Beim Morsen ist es heute so, dass es auch in diesen Ländern heute unverzichtbar ist, die zum Beispiel zur Dritten Welt gehören. Morsen ist die preiswerteste aller Betriebsarten und wird weitgehend nur durch den Menschen realisiert, indem er einfach zwei Kontakte schließt. Als Gerät brauchen Sie einzig und allein ihr Gehör und Ihre Morsetaste."

Samuel Morse bastelte 1832 aus Drahtresten, Blechabfällen und seiner Wanduhr den ersten Morseapparat, den man heute noch im Deutschen Museum in München besichtigen kann. Fünf Jahre lang experimentierte Morse. Erst als ihn Hüttenwerksbesitzer Alfred Vail unterstütze, konnte Samuel Morse seine Erfindung vollenden und 1840 patentieren lassen.

Drei Jahre später bewilligte der Kongress Gelder für den Bau der 60 Kilometer langen Telegrafenlinie. Die Geschwindigkeit des Klickens war und ist enorm. Telegrafiten hörten damals 125 Buchstaben je Minute, automatisiert werden heute 350 Zeichen übertragen.

Hindrichs: "Man darf sich nicht vorstellen, dass man einfach nach Punkten und Strichen lernt, es sind Klangbilder, die man sich einprägen muss, damit man besonders hohe Geschwindigkeiten beherrscht."

Zu Morses Zeiten wurden noch blanke Leitungsdrähte mittels Isolatoren an Holzstangen befestigt. Solche Telegrafenmasten haben das Bild der Landschaft nachhaltig verändert - und nicht nur die Landschaften: So ist das Symbol für Elektrizität in die chinesische Zeichensprache eingegangen.

Hindrichs: "Das Faszinierende an der Morsetelegrafie ist, dass es ermöglicht, auch ohne Fremdsprachenkenntnisse weltweit zu kommunizieren, unter den ungünstigsten Funkbedingungen hier sind Morsezeichen häufig die einzige Möglichkeit, ein Gespräch überhaupt zu beginnen oder sinnvoll zu beenden."

Samuel Morse gründete seine eigene Telegrafie-Gesellschaft - und wurde reich. Es hat ihn wenig gekümmert, dass das nach ihm benannte Morse-Alphabet eigentlich von dem preußischen Telegrafen-Inspektor Friedrich Clemens Gerke entwickelt worden war.

20 Jahre nach dem ersten Telegramm setze sich die Morsetelegrafie auch in Europa durch. Ihre ganz große Zeit begann erst, als 1901 drahtlos der Nordatlantik mit einem Funksender überbrückt wurde.

Heutzutage verschwindet die Morsetelegrafie aus der professionellen Nachrichtenübermittlung. Zuletzt wurde das internationale Notrufzeichen SOS dreimal kurz, dreimal lang, dreimal kurz abgeschafft:

Hindrichs: "Hier sind neue digitale Übertragungssysteme entstanden und entwickelt worden, die dies zuverlässiger und vom Menschen unabhängiger realisieren."

Autorin: Maicke Mackerodt
   
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