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5.1.1919: Aufstand in Berlin
Zehntausende Menschen ziehen jedes Jahr am 15. Januar zur Gedenkstätte für Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg in Berlin-Friedrichsfelde. Bei Wind und Wetter, mit roten Nelken, die sie am Gedenkstein niederlegen. Sie erinnern an die beiden ermordeten Führer der USPD, die auch als Anführer des Spartakusaufstandes in die Geschichte eingegangen sind, obgleich das nur zum Teil zutrifft.

Fragwürdiger bewaffneter Kampf

Vor allem Rosa Luxemburg stand der bewaffneten Erhebung skeptisch gegenüber, obgleich sie sie unter bestimmten historischen Voraussetzungen durchaus für gerechtfertigt gehalten hat. Aber als am 5. Januar 1919 Heißsporne unter den revolutionären Obleuten des Spartakusbundes, der sich in Abspaltung von der SPD und dann auch von der USPD gebildet hatte, den bewaffneten Kampf in Berlin eröffneten, war sich Rosa Luxemburg ziemlich sicher, dass das nicht zum Erwachen der deklassierten Massen führen würde.

Zu ungeordnet und ohne strategisches Konzept waren die Spartakisten chancenlos, obwohl sie zunächst in der Überzahl zu sein schienen. Aber aus Solidarität mit den potentiellen Opfern stellte sich Rosa Luxemburg auf die Seite der Kämpfer. Sie selbst wurde dabei gefangen genommen, geprügelt, erschossen und schließlich von der Soldateska der Garde-Kavallerie-Schützen-Division in den Landwehrkanal geworfen.

Schwerter und vaterländische Gesinnung

Angefangen hatte alles nach dem Aufruf Kaiser Wilhelms II. am 6. August 1914: "Es muss denn das Schwert nun entscheiden! Jedes Schwanken, jedes Zögern wären Verrat am Vaterlande!"

Die vaterländische Gesinnung hatte auch die SPD ergriffen, die bei den Reichstagswahlen von 1912 erstmals als stärkste Fraktion abgeschnitten hatte. Sie stimmte im August 1914 bei nur drei Gegenstimmen für die Bewilligung der Kriegskredite. Eine der Ausnahmen war Karl Liebknecht, der zusammen mit Rosa Luxemburg, Franz Mehring und anderen daraufhin die USPD gründete. Rosa Luxemburg hatte sich entschieden gegen Militarismus und den heraufziehenden Weltkrieg gewandt und diese Haltung immer wieder mit Gefängnisaufenthalten, so genannter "Schutzhaft" bezahlt.

Nationalversammlung, Räterepublik oder Demokratie?

"Für die Arbeiter- und Soldatenräte - gegen die Nationalversammlung!" Mit dieser Parole demonstrierten die Spartakisten bereits im Dezember 1918 in den Straßen Berlins, kurz nachdem der Reichskongress der Arbeiter- und Soldatenräte den Beschluss gefasst hatte, am 19. Januar 1919 Wahlen zu einer verfassungsgebenden Nationalversammlung abzuhalten. Die Spartakisten - und eigentlich nur sie - aus deren Reihen am 1. Januar 1919 die Kommunistische Partei Deutschlands hervorging, wollten eine Räterepublik nach russischem Vorbild. Die SPD hingegen hatte sich bereits für die parlamentarische Demokratie entschieden.

Spartakusaufstand

Der elftägige Spartakusaufstand, der am 5. Januar 1919 aus einer Massendemonstration heraus begann und mit der Besetzung des Vorwärts-Gebäudes bereits seinen Höhepunkt erreicht hatte, wurde schließlich mit äußerster Brutalität niedergeschlagen.

Autor: Norbert Ahrens
   
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