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30.5.1431: Jeanne d'Arc verbrannt
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Es gibt nicht viel zu berichten, ein kurzes Leben hat sie gehabt. Auf der Zeittafel in den Geschichtsbüchern ist sie ein winziger Punkt. Ein Punkt aber, der für Friedrich Sieburg in den Kern des französischen Wesens führt, und für Napoleon Bonaparte war sie der Beweis, "dass der französische Genius in Augenblicken der Gefahr für die nationale Unabhängigkeit jedes Wunder bewirken kann."

Und selbst heute ist Johanna von Orleans präsent. Fünf neue Biographien gibt es über das biedere Bauernmädchen aus dem 15. Jahrhundert. Ein Film lief gerade in den Kinos, ein anderer ist in Vorbereitung. Johanna der Popstar. Überraschend ist das nicht unbedingt.

Schon zu Lebzeiten wurde das Mädchen aus Domremy, geboren in der Epiphanis-Nacht des Jahres 1412, zur Legende. Die Menschen wollen sie berühren, sie sehen. 1429 tritt sie in die Geschichte Frankreichs ein. Ein Brief an die englischen Machthaber im Land:

Zitat: "König von England, der ihr Euch als Regent des Königreichs Frankreich bezeichnet, übergebt der Jungfrau, die von Gott, dem König des Himmels, hierher gesandt wurde, die Schlüssel aller guten Städte, die Ihr in Frankreich eingenommen und geschändet habt. Wenn Ihr das nicht tut, so wisset, ich bin Feldherr, und wo immer ich Eure Leute in Frankreich finde, werde ich sie verjagen."

Als 16jährige ungebildete Bauerstochter am Hofe Karls des VII. zu erscheinen, und ihm anzubieten, die englischen Besatzer aus Orleans zu vertreiben und ihm, dem Ungekrönten, damit letztlich zur Königswürde zu verhelfen, das ist wagemutig, ja, toll-dreist. Sie habe eine göttliche Mission, mit diesen Worten wird sie sogleich zur Legende.

Johanna erscheint in einer wunder-gläubigen Zeit als Wunder, das nur wenige ernstlich wundert. Und so glauben die Menschen an sie, die in Männerkleidung als Abgesandte Gottes erscheint. Sie glaubten, weil es eine alte Prophezeiung gab, wonach Frankreich dereinst von einer Jungfrau gerettet werde.

Für den König bot sich damit in Johanna sogleich ein Propagandamittel, um seine demoralisierte Truppe und sein Volk neu zu motivieren. Johanna als Retterin. Im Verlauf der Jahrhunderte war sie überhaupt vieles: Hure, Hexe, Heilige, Feministin, Nationalistin und schließlich immer wieder Heldin.

Doch zurück zur Zeittafel: Orleans, ein halbes Jahr schon wurde es von den Engländern belagert, mit 5000 Mann wollte man die 30.000 Einwohner langsam aber sicher mürbe machen. Doch noch war der Kessel nicht ganz dicht, gelangten etwa Lebensmittel noch immer in die Stadt.

Johanna hatte deutlich gemacht, dass eine Befreiung der Stadt ihr Zeichen, ihr Beweis für ihre göttliche Sendung sein werde. Sie erbringt diesen Beweis. Zwar war sie nicht sonderlich stark in die militärischen Planungen eingebunden, aber sie kämpfte wacker, wurde von einem Pfeil verletzt und wird am 8. Mai 1429 von den Bewohnern der Stadt begeistert gefeiert. Schon damals ist sie die Heilige.

Zunächst folgt nun Sieg auf Sieg. Patay am 18. Juni 1429, dann endlich die Krönung von König Karl dem VII. in Reims, knapp einen Monat später. All dies hatte sie bei ihrer Prüfung bereits vorhergesagt.

Auf englischer Seite steht der himmlischen Legende die satanische gegenüber. Der Statthalter Englands in Frankreich, Herzog von Bedford schrieb nach der Niederlage von Orléans:

Herzog von Bedford: "Eine Anhängerin und Spionin des Teufels, Pucelle genannt, machte von Beschwörungen und Zauberei Gebrauch."

Und als sie nach den Siegen und der Ruhe am königlichen Hofe in Sully an der Loire im Frühjahr 1430 dem bedrängten Compiegne zur Hilfe eilen will, und dort aber am 23. Mai verraten und verhaftet wird, da werden ihr diese "Beschwörungen und die Zauberei" von den Engländern zur Last gelegt.

Nach Monaten des ständigen Verlagerns der Gefangenen folgt ein insgesamt 20monatiger Inquisitionsprozess, Verhöre bei Tag und bei Nacht. Schließlich das Urteil: Wegen Aufruhrs, Grausamkeit, Götzendienstes, abgöttischer Verehrung ihrer Stimmen und hartnäckiger Ketzerei Tod durch Verbrennen.

Dieses eine Mal wird Johanna schwach - sie schwört angesichts des Scheiterhaufens, alles zu tun, was die Kirche und England von ihr verlangten. Doch als sie merkt, dass der Richter sie mit der Aussicht auf ein Leben im Schoß der Kirche betrogen hat und sie stattdessen lebenslänglich eingekerkert werden soll, widerruft sie am 24. Mai 1431.

Eine Woche später steht sie auf dem Scheiterhaufen auf dem Place du vieux Marché in Rouen. Bei lebendigem Leib wird sie verbrannt, ihr letztes Wort: "Jesus."

Autor: Jens Teschke
   
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