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27.5.1525: Ende des Bauernkrieges
"Euer Hoheit, hier sitzt der Gefangene. Name: Thomas Müntzer, geboren 1490 in Stolberg im Harz. Er nennt sich selbst einen Knecht des lebendigen Gottessohnes. Aber ihr wisst selbst, wer er ist: Der Teufel von Allstedt, der elende Aufrührer von Mülhausen und Anführer der Aufständischen von Frankenhausen. Ihr möget mit ihm selbst sprechen."

"Danke. Lasst mich nun allein mit dem Gefangenen. "Nun Gefangener - vor ein paar Tagen noch hast Du mir geschrieben. Nanntest mich 'schädlichen Staubbesen der Freunde Gottes', und nun seid ihr es, der im Staub liegt. Es ist Euer Leben, das zu Ende geht, Euer Nest, das zerrissen und zerschmettert wird, so wie ihr es meintet mir androhen zu müssen. Müntzer - ihr seid ein Fälscher des Evangeliums, so wie es uns Martinus Lutherus schreibt."

"Oh, Bruder Leisetritt, dieser Papst von Wittenberg, er ist doch der wahre Teufel hier. Nein, nein Graf von Mansfeld, es ist wie ich Euch schon schrieb und wie es mein fester Glaube ist: Ihr seid Gott verlassen. Gott hat unsere Schar, an die 6000 Mann waren wir, geheißen, Dich mit der Gewalt, die er uns gegeben hat, vom Stuhl zu stoßen, denn Du bist der Christenheit nichts nütze."

"Müntzer - es sind wirre Zeiten in diesem Lande. Der alte Glauben ist längst nicht mehr. Überall breitet sich die neue Theologie des Mönchs von Wittenberg aus. Ich selbst bin nicht mehr ein Höriger von Rom, doch Euer Wort führt mir zu weit."

"Fürwahr, das Ende aller Zeiten ist nah. Lest den Propheten Daniel. Jetzt schon ist die Zeit des Anti-Christen angebrochen. Die Religion, die Politik ist in Aufruhr - all das kündet das Kommen seines Reiches an. Es waren die Gläubigen in Böhmen, die Hussiten, wie sie genannt werden, sie haben mich gelehrt, das Ende zu erkennen. Damals, 1521, bin ich dort herumgereist. War in Saaz und dann in Prag. Ha, damals bei meiner Predigt in der Kirche des Jan Hus, da nannten sie mich noch Thomas Lutherus."

"Ja, und es war Luther, der Euch nur ein Jahr vorher überhaupt auf eine Pfarrstelle in Zwickau empfahl, All das habt ihr vergessen."

"Nein, aber schon damals ging es mir um eine Verkündigung der Nachfolge im Leiden. Doktor Luther möchte die Offenbarung auf die Interpretation des Schriftverständnisses begrenzen. Mir geht es um die direkte Erfahrung mit Gott. Erinnert ihr Euch an mein Prager Manifest? Vom Buch zum Wort, vom Buch zur Anrede Gottes - das ward meine Devise."

"Ach was, ihr wolltet das, was Doktor Luther begonnen hatte, verschärfen und fanatisch verwirklichen. Aber seht, Luther ist den richtigen Weg gegangen. Er hat seine Reformation auf uns und mit uns gebaut. Doch ihr ward stets gegen uns. Ihr scholtet uns ketzerischen Schalk und Leuteschinder. Ihr erinnert Euch?"

"Ich erinnere mich wohl. Ostern 1523. Ich war gerade Prediger in Allstedt geworden, und ich begann mit einer Reform des Gottesdienstes. Meine Dienste für unseren Herren sollten in Deutsch gehalten werden, um aufzuheben den hinterlistigen Deckel unter welchem das Licht der Welt verborgen war. Die Gläubigen stützten sich doch nur auf eitle Larven und päpstliche Possen. Nein, nein, nur durch Gesänge, durch Psalmen und durch das Lesen der Heiligen Schrift in Deutsch kommen alle zur Erbauung des Glaubens."

"Ihr führtet so einfach ohne meine Zustimmung die Deutsche Evangelische Messe ein und schriebt eine deutsche Kirchenamtsordnung. Und ihr wolltet die Umstürzung der Verhältnisse. Ihr schriebt vom Schwerte, das von den Fürsten genommen werden muss und dem inbrünstigen Volke gegeben werden soll, zum Untergang der Gottlosen."

"Wie ich damals vor knapp einem Jahr in meiner Fürstenpredigt schrieb: Lasst Euch nicht von Euern heuchlerischen Pfaffen verführen. Die Geisteserfahrung ist das Offenbarungsprinzip und nicht das, was Euch die Wittenberger lehren."

"Und so ging es in einem fort. Von Allstedt in den Süden zu den räudigen Rotten der Bauern. Mit denen seid ihr dann letzte Woche nach Frankenhausen gezogen. Doch all das hat nun ein Ende. Nur noch einmal will ich Euch fragen: Thomas Müntzer, seid ihr bereit zu widerrufen, Eure Religion der Aufruhr, der Revolution?"

"Und möget ihr mich noch so sehr foltern und quälen. Nein, Nein, Nein - nur eins: Die Empörung habe ich deshalb gemacht, damit alle in der Christenheit gleich werden sollen, und die Fürsten und Herren, die dem Evangelium nicht beistehen wollten, die sollten vertrieben und tot geschlagen werden!"

"Wärter! Führt den Aufrührer Thomas Müntzer ab! Er soll es sein, der tot geschlagen wird! Der Scharfrichter, er wartet auf Euch und Euren wirren Kopf!"

Autor: Jens Teschke
   
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